Um 16.20 Uhr verschickte die Leitung der Brown-University in Rhode Island eine dringende Nachricht an ihre 11.000 Studenten. Sie warnte sie darin vor einem Mann, der bewaffnet über den Campus laufen würde. Er sei sehr gefährlich, und es wäre deshalb ratsam, im eigenen Zimmer zu bleiben oder sich irgendwo zu verstecken. Tatsächlich hatte zuvor ein schwarz gekleideter Mann einen Amoklauf in der Nähe des Barus & Holley Engineering-Gebäudes der Uni verübt. Er hatte mindestens zwei Menschen getötet und neun weitere angeschossen. Sie befänden sich in „kritischem, aber stabilem“ Zustand, ferner sei ein Mensch mit Verletzungen durch Splitter in ein Krankenhaus eingeliefert worden, teilte der Bürgermeister der Stadt Providence, Brett Smiley, mit. Ein Verdächtiger wurde festgenommen, allerdings war der Mann, über dessen Identität noch nichts bekannt ist, viele quälend lange Stunden auf der Flucht. Die Universität gehört zur sogenannten „Ivy League“, den Elite-Universitäten im Nordosten der USA. Die Polizei teilte auf X mit: „Mehrere Schüsse im Bereich der Brown University. Die Ermittlungen laufen. Bitte bleiben Sie bis auf Weiteres in Ihren Häusern oder meiden Sie das Gebiet“. Die Schüsse fielen nach Angaben der Universität in einem Gebäude, in dem die Fakultäten für Ingenieurwesen und Physik untergebracht sind. In dem betroffenen Trakt fanden zum Zeitpunkt des Schusswaffenangriffs Prüfungen statt. Wie die Rektorin der Brown University, Christina Paxson, in der Nacht zum Sonntag mitteilte, waren zehn der elf von den Schüssen Getroffenen Studenten. Wie US-Medien berichten, gab die Universität kurz vor 17 Uhr eine zweite Notfallwarnung heraus, in der sie behauptete, ein Verdächtiger sei festgenommen worden, sie widerrief diese Aussage jedoch Minuten später: „Bleiben Sie weiterhin zu Hause. Meiden Sie das Gebiet um Barus und Holley. Die Polizei hat noch keinen Verdächtigen in Gewahrsam und sucht weiterhin nach dem/den Verdächtigen. Verriegeln Sie die Türen, schalten Sie Ihre Telefone stumm und halten Sie sich bis auf Weiteres versteckt.“ Kleidungsstücke und Blutspuren auf dem Gehweg Auf einem Video war zu sehen, wie Polizisten mehreren Opfern am Boden in der Nähe der Bibliothek der Naturwissenschaften halfen. Unbestätigten Berichten zufolge soll es bis zu 20 Opfer gegeben haben. Der Lokalsender WPRI berichtete, auf einem Gehweg seien Kleidungsstücke und Blutspuren gefunden worden. Kurz nach 17.30 Uhr sollen drei Blocks entfernt vom ersten Tatort weitere Schüsse gefallen sein. Dan McKee, der Gouverneur von Rhode Island, sagte, sein Büro verfolge die Schießerei und arbeite mit den Strafverfolgungsbehörden eng zusammen. Auf X schrieb er: „Ich bete für unsere Gemeinde.“ Die Hintergründe des Amoklaufes sind nach wie vor unklar. Die südlich von Boston gelegene Stadt Providence hat rund 200.000 Einwohner und ist die Hauptstadt des US-Bundesstaates Rhode Island. Mehr als 400 Polizei- und Rettungskräfte waren laut US-Medien zeitweilig im Einsatz, darunter auch Einsatzkräfte der US-Bundespolizei FBI. US-Präsident Donald Trump wurde nach eigenen Angaben über den Schusswaffenangriff informiert. „Was für eine schreckliche Sache“, sagte er in Washington. „Alles, was wir im Moment tun können, ist für die Opfer zu beten.“ An Schulen und Hochschulen in den USA kommt es immer wieder zu Schusswaffenangriffen. Den Angriff mit der bislang größten Zahl an Todesopfern verübte im April 2007 der südkoreanische Student Seung-Hui Cho an der Hochschule Virginia Tech. Er tötete 32 Menschen und verletzte 17 weitere, bevor er sich selbst erschoss.