Welt 29.01.2026
13:20 Uhr

Zuständig für Sicherheitskontrollen der Bar – Ermittlungen gegen Ex-Gemeindebeamten


Vier Wochen nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana mit 40 Toten weiten die Ermittler ihre Untersuchungen aus. Nun steht auch ein früherer Gemeindebeamter im Fokus, der für die Sicherheitskontrollen der Bar zuständig war.

Zuständig für Sicherheitskontrollen der Bar – Ermittlungen gegen Ex-Gemeindebeamten

Vier Wochen nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana hat die Staatsanwaltschaft laut einem Medienbericht Ermittlungen gegen einen früheren Gemeindebeamten aufgenommen. Der Mann sei für die behördlichen Sicherheitsüberprüfungen in der Bar „Le Constellation“ verantwortlich gewesen, wo bei einem Feuer in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben kamen, berichtete der Rundfunksender RTS. Laut RTS soll der Ex-Gemeindebeamte am 9. Februar vernommen werden. Welcher Verdacht gegen ihn im Raum steht, blieb zunächst offen. Vertreter der Gemeindeverwaltung hatten bei einer Pressekonferenz wenige Tage nach dem Unglück eingeräumt, dass in der Bar seit Jahren keine Brandschutzüberprüfungen (verlinkt auf https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/panorama_nt/article695cdb2ea4ee74e14e2374e5/fehlende-brandschutzkontrollen-in-schweizer-inferno-bar.html) mehr stattgefunden hatten. Eigentlich sind jährliche Sicherheitschecks vorgeschrieben. Damit weiten sich die Ermittlungen laut dem Bericht aus – bisher wurde nur gegen die beiden Betreiber der Bar ermittelt. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Katastrophe durch an Flaschen befestigte Feuerwerksfontänen ausgelöst wurde, die zu nahe an die mit Schaumstoff verkleidete Decke gehalten wurden. Gegen die Barbetreiber wird wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung ermittelt. Die Entscheidung der Schweizer Justiz, den Barbetreiber Jacques Moretti nach zwei Wochen gegen Kaution aus der Untersuchungshaft zu entlassen, hatte zuletzt diplomatische Spannungen mit Italien ausgelöst – unter den Todesopfern waren auch sechs italienische Jugendliche. Italien rief seinen Botschafter in der Schweiz (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article69787052fe9fcdf90e7cabb4/schweiz-massaker-von-crans-montana-italien-will-botschafter-nur-unter-einer-bedingung-zurueckschicken.html) zu Beratungen zurück. Er soll erst nach Bern zurückkehren, wenn ein gemeinsames schweizerisch-italienisches Ermittlerteam zu dem Unglück eingerichtet wird. Die Schweizer Regierung beriet in einer Kabinettssitzung am Mittwoch über die Kritik aus Rom. Die Regierung schließe sich der Forderung nach „gründlichen und professionellen Ermittlungen zu den Ursachen und Verantwortlichkeiten“ für die Katastrophe an, sagte Regierungssprecherin Nicole Lamon im Anschluss. Die Staatsanwaltschaft des zuständigen Kantons Wallis wolle noch in dieser Woche über ein italienisches Gesuch zur Justizzusammenarbeit entscheiden. Abfahrtsrennen zum Gedenken der Opfer Genau einen Monat nach der Brandkatastrophe findet in Crans-Montana am Sonntag ein Abfahrtsrennen des alpinen Ski-Weltcups statt. Zum Gedenken an die Opfer des Brandes sollen kurz zuvor die Kirchenglocken läuten. Auf Sponsorenwerbung beim Weltcup wird aus Pietätsgründen verzichtet. Bereits am Mittwoch hielten Mitglieder des italienischen Skiteams eine Schweigeminute am Unglücksort ab.