Welt 19.12.2025
18:32 Uhr

Zirkuskunst „Reloaded“ beim „Winterspektakel“


Das „Winterspektakel“ an der Trabrennbahn Bahrenfeld bietet drei Wochen lang rund um das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel einen Dreiklang aus Jahrmarkt, Food Court und einer neuen, magischen Zirkusshow, die Tradition und Gegenwart perfekt verbindet.

Zirkuskunst „Reloaded“ beim „Winterspektakel“

Da sitzt man davor, sieht es mit eigenen Augen und kann es trotzdem kaum glauben: Während Matéo ein leuchtendes Diabolo in Weltklasse-Präzision rhythmisch perfekt getimt auf luftige Reisen schickt, die an Planetenbahnen erinnern, tanzt seine Partnerin Aélia abwechselnd mit dem hellen Doppelkegel, mit Matéo und kurz auch mal allein – während er jähe Stürze des Flugobjekts kurz vor dem Aufprall mit dem Fangseil abfängt. Die Verbindung aus tänzerischer Leichtigkeit und technischer Perfektion am Diabolo – zugleich ein Spiel mit Licht und Schatten – ist die Basis für einen magischen Auftritt voller Poesie. Kennengelernt haben die beiden Künstler sich an einer Kunsthochschule im Norden Frankreichs, nun reisen sie gemeinsam durch die Zirkuszelte und über die Bühnen der Welt. Zirkusshow, Food Court und charmanter Jahrmarkt Das Duo ist eines von zweien, die zu den Höhepunkten der Premiere des diesjährigen „Winterspektakel“ unter dem Titel „Reloaded“ im 13 Meter hohen Kuppelzelt an der Trabrennbahn Bahrenfeld zählen. Dabei ist das Kuppelzelt mit dem Showspektakel nur eines von vier Zelten, die inmitten eines Jahrmarktes mit Fahrgeschäften aufgebaut sind – von Autoscooter bis Kettenkarussell. Im größten, zentralen Zelt befindet sich der Food Court, wo die Besucher vor der Show und im Anschluss eine breite Palette von frisch zubereiteten Speisen und Getränken. Die Palette umfasst Burger, Pizza, ein Buffet für gebackenes Gemüse bis hin zu Tiroler (Kaiser)Schmarrn. Getränke gibt es auch von regionalen Herstellern. Im Food Court laufen zwischen nostalgischen Attraktionen wie einer Schiffsschaukel und einem Mini-Riesenrad Artisten auf Stelzen, eine Geigerin steht spielend auf einem Tisch und jemand ist in einem vollverspiegelten Catsuit unterwegs. Oben im Firmament hängen große Sterne und Schneeflocken, die es nicht stört, dass das Zelt beheizt ist. Dann gibt es noch ein kleineres Zelt mit einer eisfreien Eisstockbahn und Stehtischen für kleine Konzerte und Showacts und ein Zelt mit einer Kinderwelt für die kleinen Gäste. Kurzum, das „Winterpektakel“ ist ein großartig inszeniertes Spektakel, eind Event für die ganze Familie. Die Balance auf die Spitze getrieben Das zweite großartig agierende Duo der insgesamt siebzigminütigen Zirkusshow, die ohne Pause gespielt wird, ist gemeinsam auf einem Einrad unterwegs. Dabei ist das elegante Auf- und Absteigen während der Fahrt für die leichtere von beiden – eindeutig Catá – zur festen Gewohnheit geworden. Ihr Partner Jay fährt unverdrossen weiter, auf welche Probe seine Fähigkeit, das Gleichgewicht zu halten, auch gestellt werden mag. Das Duo stammt aus Brasilien und lebt mittlerweile in Brüssel. Wie der Tanz um das Diabolo wird auch ihre Nummer zu einem Tanz, einem Tanz der Balance. In immer neuen Varianten treiben sie die Kunst der Einradartistik auf neue Höhen – bis Catá schließlich freihändig auf dem Kopf ihres Partners steht, der ungerührt weiterradelt. Beide Nummern entsprechen dem zentralen Prinzip der neuen Show des Regisseurs Björn Breckheimer, die diesmal eine absolut runde Sache ist. Dem Macher hinter den Kulissen gelingt es, die traditionelle Zirkussprache auch in den Ansagen aus dem Off vor der Kulisse einer altertümlichen Computerwand in eine heutige Ausdrucksweise zu übersetzten, durchsetzt mit allgemein verständlichen Begriffen aus der digitalen Welt, so dass sich eine stimmige Erzählung ergibt. Das „Reloaded“-Prinzip wird aber auch durch die akrobatischen Nummern illustriert, ganz gleich, ob sie nun mit nostalgischem Hauch die Vergangenheit neu erfinden oder in einer Lasershow den Tanz der Zukunft, der sich anbahnenden virtuellen Welten, wie im Tanz des österreichischen Performers Chris Cross. Die bewährte Live-Band, die den Abend mal sympathisch und locker untermalt und dann wieder musikalisch unterstreicht, nennt sich zu Recht „Funky Tunes“. Poesie trifft Kraft und Flugakrobatik Ebenfalls so poetisch wie turnerisch begnadet: Marceau Bidal aus Kanada. Er kombiniert Flying Pole, Hoop Diving und Strapaten zu einem Kraftakt zwischen Schwerkraft und Schönheit. In seinen Bewegungen liegt wahre Eleganz auf der Suche nach einem perfekten Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Gemeinsam mit Frédéric „Hoop“ Langevin und Mathieu Larose entsteht daraus ein Ensemblemoment, in dem spektakuläres Hoop Diving, punktgenaue Hand-zu-Hand-Akrobatik und Tanz ineinandergreifen. Ergänzt wird die Artistenschar um einen BMX-Virtuosen sowie den aus Russland stammenden Artem Sherstobitov, der als Rola-Bola Künstler über der vierten Etage unterwegs ist und mit einer Balanceübung auf einem fragilen Gestänge in Drehung unterwegs ist, das bei höchsten Schwierigkeitsgraden auch mal zusammenstürzen kann wie ein Kartenhaus. Lisa Rinne gebührt die artistische Schlussnummer am Schwungtrapez, die sie souverän fliegend und fallend absolviert, bis hin zur Doppelschraube neben der Trapezstange, die derweil unerbittlich weiter schwingt. Clown Muzzarella als I-Tüpfelchen Muzzarela, ein interjektional arbeitender Clown aus Brasilien, ist eine bewährte Fachkraft beim „Winterspektakel“ und hat sowohl das Publikum als Ganzes, als auch einzelne Zuschauer, die ihm auf seine Bitte hin gern zur Hand gehen, voll im Griff. Was er kann und scheinbar nicht kann, ist jedenfalls unbedingt komisch. Kurzum, die 70 Minuten sind rum, kaum dass sie begonnen haben, so rasant wechseln die Nummern, so dicht ist die Folge der Highlights. „Winterspektakel: Reloaded“: do. bis sa. um 15 und 19 Uhr, so. um 12 und 15 Uhr. Am 26. Dezember zusätzlich um 12, 15 und 19 Uhr. Der 25. Dezember bleibt spielfrei. Einlass jeweils eine Stunde vor Showbeginn, bei Abendvorstellungen zwei Stunden früher. Tickets ab 19 Euro (ermäßigt ab 13 Euro) unter www.winterspektakel.de