Welt 03.01.2026
15:28 Uhr

Zehntausende Berliner Haushalte noch bis Donnerstag ohne Strom – Polizei prüft Bekennerschreiben


Nach dem Brand einer Kabelbrücke im Südwesten Berlins rechnet der Netzbetreiber erst am Donnerstag mit einer vollständigen Wiederherstellung der Stromversorgung. Zehntausende Haushalte sind seit Samstag ohne Strom, Heizung und teils Mobilfunk. Die Polizei prüft ein Bekennerschreiben.

Zehntausende Berliner Haushalte noch bis Donnerstag ohne Strom – Polizei prüft Bekennerschreiben

Nach dem großen Stromausfall in Berlin ist bei dem für politische Straftaten zuständigen Staatsschutz der Polizei ein Bekennerschreiben eingegangen. Derzeit werde geprüft, ob das Schreiben authentisch sei, teilte die Polizei auf der Plattform X mit. Am frühen Morgen hatte ein Brand Leitungen auf einer Kabelbrücke zum Kraftwerk Lichterfelde beschädigt und für einen großflächigen Stromausfall gesorgt. Die Polizei leitete schon am Vormittag Ermittlungen wegen des Verdachts auf Brandstiftung ein. Der Stromausfall könnte nach Einschätzung von Stromnetz Berlin für viele der Zehntausenden Betroffenen bis nächsten Donnerstag dauern. Grund ist der sehr aufwendige Bau von Ersatzleitungen nach dem Brand einer Kabelbrücke über den Teltow-Kanal, wie ein Sprecher mitteilte. Der Netzbetreiber hofft aber, rund 10.000 Haushalte ab Samstagabend aus anderen Netzteilen wieder zu versorgen. Kriminaltechniker untersuchten derweil das Häuschen, zu dem eine Kabelbrücke mit Stromleitungen vom Kraftwerk Lichterfelde auf der anderen Seites des Teltowkanals führen, und das mutmaßlich angezündet wurde. Auch eine Drohne war im Einsatz, um aus der Luft Fotos des Tatorts und der Umgebung zu machen, wie ein Sprecher sagte. Ob die Untersuchungen am Ort bis in den Abend dauern sollten und entsprechend alles ausgeleuchtet werden muss, stand zunächst noch nicht fest. Im Internet bat die Polizei um Unterstützung aus der Bevölkerung: „Sollten Sie Hinweise zu den heutigen Kabelbränden haben oder in den frühen Morgenstunden auffällige Beobachtungen im Bereich der Bremer Straße in Lichterfelde gemacht haben, dann melden Sie sich bitte telefonisch.“ Die Polizei kündigte zudem verstärkte Streifenfahrten in der Dunkelheit an. Man habe rund 300 Polizisten zusätzlich in dem Gebiet im Einsatz. Am Abend und in der Nacht werde man bestimmte Bereiche ausleuchten. Rat- oder hilfesuchende Menschen könnten sich auch an jeden Polizisten wenden, hieß es. Der Strom war am frühen Samstagmorgen in den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde ausgefallen. Betroffen waren laut Stromnetz Berlin 45.400 Haushalte und 2200 Gewerbebetriebe. Ursache ist der Brand an der Kabelbrücke zum nahegelegenen Kraftwerk Lichterfelde. Dadurch seien mehrere Hochspannungskabel beschädigt worden. „Aufgrund der entstandenen erheblichen Schäden wird die Reparatur der Kabel sehr lange dauern“, teilte Stromnetz Berlin mit. „Aktuell arbeitet Stromnetz Berlin am Aufbau eines Provisoriums. Wir rechnen mit einer vollständigen Wiederversorgung aller Kundinnen und Kunden bis kommenden Donnerstagnachmittag (8.1.2026).“ Nötig sei umfangreicher Tiefbau und Kabelzug. Dies werde durch das Winterwetter erschwert. Außerdem laufe noch die Spurensicherung am Brandort. Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben wegen des Verdachts der Brandstiftung. Einzelheiten zum Stand der Ermittlungen teilte sie zunächst nicht mit. „Besonders schwerwiegender Stromausfall“ „Wir haben es mit einem besonders schwerwiegenden Stromausfall zu tun, der zehntausende Haushalte und Betriebe, darunter auch Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, eine Vielzahl an sozialen Einrichtungen und Unternehmen betrifft“, erklärte Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). „Die Reparaturarbeiten sind anspruchsvoll und werden durch die Witterung und den Bodenfrost zusätzlich erschwert.“ Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner dringt auf schnelle Aufklärung des Brandes, der den Stromausfall im Südwesten der Hauptstadt verursacht hat. „Der Schutz unserer kritischen Infrastruktur hat für den Senat oberste Priorität“, erklärte der CDU-Politiker. Der massive Stromausfall betreffe sehr viele Menschen, Krankenhäuser und Betriebe und sei für die Betroffenen eine enorme Belastung. „Der Senat setzt alles daran, sie schnellstmöglich wieder mit Energie zu versorgen“, betonte Wegner. Die Verwaltungen arbeiteten im Krisenstab eng zusammen. Geklärt und gelöst werden müsse vor allem, was ältere Menschen und Familien mit kleinen Kindern bräuchten, sowie Personen, die auf elektrische Geräte angewiesen seien. Viele Heizungen funktionieren nicht mehr, Mobilfunk teils gestört Wegen des Stromausfalls funktionieren auch viele Heizungen nicht. Auch der Mobilfunk ist gestört. Im betroffenen Gebiet haben Läden geschlossen, Ampeln sind ausgefallen. Wenn die Lage über Tage andauert, müssen viele Menschen überlegen, ob sie woanders Unterschlupf finden. Feuersprecher Adrian Wentzel sagte: „Es ist ein deutlicher Unterschied zum Sommer: Es wird um 16:00 Uhr dunkel, es wird kalt.“ Die Feuerwehr richte sich auf einen mehrstündigen Einsatz ein, „der sich auch garantiert noch bis in die Morgenstunden mindestens ziehen wird“. Von der Dimension ist der Stromausfall nach Angaben von Stromnetz Berlin vergleichbar mit einem ähnlichen Fall im September im Südosten Berlins, als anfangs 50.000 Kunden betroffen waren. Auch damals zog sich der Stromausfall über Tage hin. Ursache damals war ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten.