Welt 25.02.2026
15:23 Uhr

Zaun statt Trampelpfade – so will Geesthacht die Naturschönheit schützen


Auf der Elbinsel bei Geesthacht richten Besucher seit Jahren Schäden in sensiblen Lebensräumen an. Nach den jüngsten Eisberg‑Besucherströmen greifen die Verantwortlichen nun durch: Ein neuer Zaun soll seltene Arten vor weiteren Störungen schützen.

Zaun statt Trampelpfade – so will Geesthacht die Naturschönheit schützen

Die ungewöhnlichen Eisberge auf der Elbe haben Geesthacht in den vergangenen Wochen weit über die Region hinaus bekannt gemacht. International wurde über das Naturschauspiel berichtet, Schaulustige nahmen zum Teil weite Wege auf sich, um live einen Blick auf die aufgetürmten Eisschollen in der Elbe zu erhalten. Das Problem: Die Elbinsel, von der aus viele Besucher die Eisberge beobachteten, gehört zu einem der wertvollsten Schutzgebiete im Norden. Für Besuchermassen ist es nicht ausgerichtet. Im Gegenteil. Ein mehrere hundert Meter langer Zaun soll das Gebiet nun besser schützen. Im Flora-Fauna-Habitat‑Gebiet „Besenhorster Sandberge und Elbinsel“ treffen zwei Lebensräume aufeinander – die von Ebbe und Flut der Nordsee geprägte Unterelbe und die wärmebegünstigten Uferlandschaften der Mittelelbe –, was den Standort ökologisch einzigartig macht. Seltene Pflanzenarten wie der Schierlings‑Wasserfenchel besiedeln die Flutmulden und offenen Schlammbänke, im Röhricht brüten störungsempfindliche Vogelarten. Insel bleibt frei zugänglich, aber bestimmte Wege werden versperrt Doch gerade während des Besucheransturms zeigte sich, wie verletzlich dieses Gebiet ist. Die Elbinsel ist grundsätzlich frei zugänglich, allerdings nur auf ausgewiesenen Wegen. Diese wurden in diesem Winter massenhaft verletzt. Aber schon in den vergangenen Jahren stellten Kontrolleure regelmäßig fest, dass diese Regeln von vielen nicht eingehalten werden. Neue Trampelpfade durchs Röhricht, verdichtete Uferzonen und beschädigte Vegetation belegten die zunehmenden Verstöße – und gefährden die streng geschützten Biotope. Genauere Beschilderung genügte offenbar nicht mehr, um Spaziergänger von Abkürzungen abzuhalten. Jetzt reagieren Kreis und Stadt. Bis Ende dieser Woche wird entlang des südlichen Wanderweges ein rund 900 Meter langer Zaun errichtet – vom Bereich der Bundesstraße 404 elbabwärts. Die Maßnahme soll pünktlich vor Beginn der Brut‑ und Setzzeit am 1. März abgeschlossen sein, damit im Röhricht brütende Arten nicht erneut gestört werden. Der Weg zur beliebten Badestelle bleibe erhalten, erklärte der Kreis. Er werde jedoch länger, weil die bisherigen Abkürzungen abgeschnitten würden. Ziel sei es, Besucher weiterhin auf die Insel zu lassen, sie aber so zu lenken, dass die ökologisch sensiblen Bereiche nicht weiter beschädigt werden. Die Eisberge selbst waren das Resultat einer seltenen Kombination der Folgen eines im Norden besonders harten Winters. Sie entstanden vor allem wegen der besonderen Situation an der Geesthachter Staustufe. Dort wird der Fluss durch ein Wehr stark gebremst, damit oberhalb ein gleichmäßiger Wasserstand herrscht und Schiffe sicher fahren können. Weil die Elbe in den vergangenen Wochen aber durch den Schneefall extrem wenig Wasser führte, war die Strömung ohnehin schon langsam. Packeis auf der Elbe, das normalerweise durch die Strömung weiterziehen würde blieb in Geesthacht hängen. Das Eis schob sich zusammen und türmte sich Schicht für Schicht übereinander. So sind schließlich die imposanten Eisberge entstanden, die so viele Menschen anlockten.