Seit Wochen berichtet das ZDF über die verschärfte Abschiebepolitik von US-Präsident Donald Trump – insbesondere über die Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE, bei deren von Protesten begleiteten Einsätzen bereits zwei Menschen starben. Am Sonntag dann sprach Moderatorin Dunja Hayali im „Heute Journal“ über online kursierende Videobeiträge, die die „Gewalt“ und „Willkür“ der Einsatzkräfte in den USA zeigen würden. Darin heißt es zu den später entfernten Bildern, ICE-Agenten würden Eltern vor den Augen ihrer Kinder abführen oder Minderjährige vor der Schule abfangen. Nicht alle dieser Videobeiträge seien echt, so die Moderatorin, einige seien manipuliert und somit dem Bereich der „Fake News“ zuzuordnen. Doch im dann ausgestrahlten Korrespondentenbericht nutzte die Redaktion selbst einen Videoschnipsel, der nicht authentisch, sondern mittels künstlicher Intelligenz (KI) entstanden war. Für kundige Zuschauer war dies auch ersichtlich. Die Bilder – eine sichtlich erregte Familie mit einem Kind, das sich an die Mutter klammert, die wiederum von Einsatzkräften abgeführt wird – trugen sichtbar das Wasserzeichen „Sora“, das auf die gleichnamige KI-App hinweist. Bei X fiel der Fehler denn auch vielen Nutzern schnell auf, darunter etwa dem „ÖRR Blog“. (verlinkt auf https://x.com/OERRBlog/status/2023325893985550502) Das ZDF löschte die Sendung schließlich kurzzeitig und stellte sie in einer überarbeiteten Variante wieder in die Mediathek. Der KI-Schnipsel sowie ein Video, das die Festnahme eines 10-Jährigen nach einer Amokdrohung in Florida 2022 zeigt, wurden demnach entfernt. Der Beitrag vom Sonntag thematisierte das individuelle Schicksal einer Einwandererfamilie aus Honduras, die nun ebenfalls in Angst lebt. Um dies zu verdeutlichen, wurden auch Archivbilder genutzt, um die als brutal bezeichneten Einsätze von ICE zu verdeutlichen. In der überarbeiteten Variante sind nun andere Bewegtbilder der ICE-Einsätze zu sehen, sowie ein schriftlicher Hinweis: „Video aus redaktionellen Gründen nachträglich geändert“. Berichtet hatten bis dato unter anderem „Nius“ und die Redaktion von „Apollo News“, die auch eine eigene Stellungnahme in Mainz einholte. (verlinkt auf https://x.com/maxmannhart/status/2023428056069660725) Mittlerweile ist diese auch im Internet abrufbar. (verlinkt auf https://www.zdfheute.de/in-eigener-sache/korrekturen-104.html) Dort heißt es: „In einem Beitrag des ‚Heute Journal‘ vom 15. Februar 2026 hätten KI-generierte Bilder gekennzeichnet werden müssen. Diese Kennzeichnung wurde bei der Überspielung des Beitrags aus technischen Gründen nicht übertragen. Die Redaktion hat den Fehler korrigiert und das Video entsprechend angepasst. In den KI-Grundsätzen des ZDF ist festgelegt, dass KI-generiertes Bildmaterial immer transparent gekennzeichnet wird.“ Der Sender stört sich offenbar nicht generell an der Verwendung der KI-generierten Bilder, sondern sieht den Fehler einzig in dem fehlenden schriftlichen Hinweis. Wolfgang Kubicki spricht von „Medienskandal“ In den sozialen Medien wurde Einsatz von KI-Material zu Wochenbeginn dennoch breit diskutiert. Kritik kam auch aus der Politik, und zwar von Wolfgang Kubicki. „Eine Sendung, die mit falschem, KI-generiertem Bildmaterial arbeitet, sollte sich eigentlich nicht mehr ‚Nachrichtensendung‘ nennen dürfen. Das ZDF hat gestern 3,6 Millionen Zuschauer in die Irre geführt. Es ist ein Medienskandal, der uns noch lange beschäftigen wird“, schreibt der FDP-Politiker auf X (verlinkt auf https://x.com/KubickiWo/status/2023452761065480326) . Andere X-Nutzer fragten sich, warum das ZDF überhaupt auf KI-Material zurückgreife, wenn es doch genug Bewegtbild von den ICE-Einsätzen gebe. ZDF bittet um Verzeihung und kündigt Stellungnahme im TV an Auf Anfrage von WELT, warum das ZDF sich überhaupt dazu entschieden hatte, KI-Bilder zu verwenden, antwortet der Sender mit einer durchaus fragwürdigen Erklärung: Der Beitrag habe zeigen wollen, „dass sowohl mit echten als auch mit KI-generierten Bildern ein Klima der Angst erzeugt wird“. Man bedauere aber, „dass dabei nicht deutlich genug wurde, welche Bilder real sind und welche nicht“. In dem beanstandeten ZDF-Bericht ist der Einsatz von Fake-Videos zur Einschüchterung von Einwanderern aber gar nicht das Thema. Stattdessen wird (auch mithilfe der später entfernten Bilder) ausgeführt, dass ICE-Agenten Eltern vor den Augen ihrer Kinder abführen oder Minderjährige vor der Schule abfangen. Am Dienstagmittag griff das ZDF die Kritik dann noch einmal selbst auf. Anne Gellinek (stellvertretende Chefredakteurin und Leiterin der Aktualität) erklärte: „Wir entschuldigen uns in aller Form für diese Fehler. Der Beitrag entspricht nicht unseren Standards und hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen. Wir haben ihn deshalb von allen Plattformen entfernt und werden auf ZDFheute sowie an gleicher Stelle im „Heute Journal“ heute Abend korrigierend berichten.“ Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wird laufend überarbeitet und um weitere Statements ergänzt