Thorsten Falke ist fraglos der Typ Raubein. Seit 2013 ermittelt er als Bundespolizist in Norddeutschland, zuletzt mit Julia Grosz (Franziska Weisz) an seiner Seite, immer zwischen wortkarg und großmäulig, immer ohne Umschweife und manchmal leicht cholerisch. Er trägt Lederjacke und lässt die Rolling Stones als Klingelton auf seinem Smartphone „Sympathy for the Devil“ singen. Seine Methoden sind nicht immer ganz legal, führen aber zum Ziel. Und dieser Falke bekommt jetzt einen neuen Partner: Mario Schmitt, ein Computer-Nerd mit Inselbegabungen und Beamtenmentalität. Und was macht Falke? Er entwickelt fürsorgliche, fast väterliche Gefühle. Denn so verschieden sind die beiden gar nicht. Am Sonntag (21.12., 20.15 Uhr) strahlt die ARD die „Tatort“-Doppelfolge mit Wotan Wilke Möhring und Denis Moschitto als neues Duo aus. „Ein guter Tag“ und „Schwarzer Schnee“ heißen die beiden Folgen. „Als ich das Drehbuch gelesen habe, habe ich tatsächlich zuerst gedacht: Oh Mann, warum so einen Nerd?“, erzählt Wotan Wilke Möhring im Gespräch mit WELT AM SONNTAG. Schnell sei ihm aber klar geworden, dass Falke genauso einen nüchternen, unverblümten Partner wie Schmitt brauche, der nach außen ein bisschen naiv erscheine, der aber ungewöhnliche technische Fähigkeiten mitbringt. Eigenschaften, die Falke abgehen. In der Doppelfolge ermitteln Falke und Schmitt zwischen Emden und dem niederländischen Groningen. Auf einem Campingplatz wird ein deutscher Autohändler vermisst. Blut- und Kampfspuren deuten auf ein Verbrechen hin. Schnell entdeckt Mario Schmitt Software der deutschen Polizei auf dem Laptop des Autohändlers. Der Mann war seit mehr als einem Jahr als verdeckter Ermittler dem größten Rauschgiftdealer-Ring der Niederlande auf der Spur. Natürlich rastet Falke ordentlich aus, weil seine Vorgesetzten ihn darüber im Dunkeln gelassen haben. Schmitt bleibt gelassen, analytisch – und betrachtet die Dinge sachlich. „Mario lebt einfach in seiner eigenen Welt“ „Die Figur Mario lebt einfach in seiner eigenen Welt, und das findet Falke auch irgendwie gut. Marios zum Teil gewöhnungsbedürftige Art und sein ganz eigener Blick auf die Dinge sind für die Zusammenarbeit und die Ermittlungen von Falke hilfreich“, sagt Möhring. Dieses Duo funktioniert schnell, nicht nur in den vielen witzigen Szenen, sondern auch, wenn es wirklich spannend wird. Vor allem der verdeckte Ermittler Carsten Kellmann aka Joe Glauning (Andrei Viorel Tacu), der irgendwann in der Psychiatrie landet, sorgt für schauriges Unbehagen. Und dann sind da noch die brutalen Momente. Denn die Drogenbosse und ihre Schergen sind nicht zimperlich. „Seid froh, dass ihr die Mocro-Mafia in Deutschland nicht habt“, sagt die niederländische Kollegin Lynn de Baer (Gaite Jansen) irgendwann. Diese Mocro-Mafia handelt seit vielen Jahren vor allem über die Häfen von Antwerpen und Rotterdam mit Kokain. 2024 schwappte die Gewalt nach Nordrhein-Westfalen über. Denis Moschitto ist in Köln aufgewachsen und lebt dort bis heute. Das Thema Mocro-Mafia ist ihm also durchaus präsent, ebenso wie er die Hackerszene kennt. In den 1990er-Jahren war er selbst als „Cracker“ aktiv, kopierte also Computerspiele und versah sie mit eigenen Marken. „Ich hielt mich damals für ’nen coolen Typ, tatsächlich war das aber strafbar und viele meiner Freunde sind in Schwierigkeiten geraten“, erzählt Moschitto. Der Typ, den Falke früher verprügelt hätte Als Mario Schmitt ist Moschitto alles andere als cool. „Der ist eher so der Typ, der früher auf dem Schulhof von Falke verprügelt worden wäre“, beschreibt der 48-Jährige seine Rolle. Als Erwachsener entwickelt er Respekt und wird milde. „Ich glaube, Falke ist von der Menschheit desillusioniert, durch all die Schlechtigkeit in die Knie gezwungen, deswegen empfindet er Marios Art dann doch als angenehm“, sagt Moschitto. Seit mehr als zehn Jahren ermittelt Falke nun schon im norddeutschen Raum. „Ich bin der dienstälteste Hauptkommissar in dem Team“, sagt Möhring mit einer gewissen ironischen Gelassenheit. Er sei schon immer Falke gewesen, nur seine Kolleginnen und Kollegen hätten gewechselt. Das gebe ihm eine gewisse Sicherheit. Gleichzeitig entwickelt sich auch diese Figur weiter. „Wir versuchen schon, in den unterschiedlichen Fällen ihm nuanciert neue Facetten zu geben.“ Auch Möhring hat seit Oktober eine neue Rolle: Als sogenannter Teamkapitän ist er beinahe täglich in der ARD-Quizshow „Wer weiß denn sowas?“ zu sehen, als Nachfolger des Moderators Elton. „Das ist kurzweilig und macht total Spaß, die Fragen sind ja so speziell und zum Teil absurd. Die richtige Antwort muss man entweder gemeinsam herausfinden oder – sehr oft – nur erraten“, sagt Möhring und wirkt plötzlich fast ein wenig aufgedreht. Es gehe darum, die Frage richtig zu lesen und zu interpretieren, Kai Pflaume moderiert die Show, die hohe Quoten erzielt. „Meine Kinder finden es richtig cool, dass ich das jetzt mache, auch wenn ich mit meinen Antworten nicht immer richtig liege.“ Möhring hat eine Wohnung in Hamburg Zu den Aufzeichnungen der Quizshow mit Kai Pflaume ist Möhring daher regelmäßig in Hamburg, wo er inzwischen eine Wohnung hat. „Irgendwie ist das hier neben Köln mein zweites Zuhause.“ Mit seiner nuscheligen Art verortet man den Musiker und Schauspieler ohnehin gern im Norden. Denis Moschitto verdankt norddeutschen Filmemachern seine ersten Erfolge, vor allem mit den Hamburger Regisseuren Fatih Akin (Moschitto spielte in „Aus dem Nichts“ und „Rheingold“) und Özgür Yildirim („Chiko“) arbeitete er schon diverse Male zusammen. „Der Norden war immer gut zu mir. Hier habe ich meine wichtigsten Filme gemacht“, sagt er. Der „Tatort“ soll von diesem Sonntag an dazugehören.