Welt 29.11.2025
01:12 Uhr

Wirtschaftsministerin sagt hoher Teilzeitquote und Frühverrentung den Kampf an


Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) begrüßt den Kompromiss der Koalition zur Rente – fordert aber weitergehende Reformen. Sie kritisiert dabei auch die Unternehmen – und nimmt sie bei der Verteidigungsfähigkeit des Landes in die Pflicht.

Wirtschaftsministerin sagt hoher Teilzeitquote und Frühverrentung den Kampf an

Nach dem Kompromiss der Koalition zur Rentenreform lobt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) die Haltung der Jungen Gruppe innerhalb der Unionsfraktion und fordert weitere Reformschritte. „Die Junge Gruppe hat diese wichtige Debatte mit guten Argumenten geführt und dadurch viel erreicht“, sagte Reiche im Interview mit WELT AM SONNTAG. „Es zeigt, wie wichtig es ist, diese Debatten zu führen, auch wenn sie unbequem sind. Dabei geht es auch um hohe Teilzeitquoten oder Frühverrentungsprogramme, die für Unternehmen rentenmathematisch attraktiv sind. All das gehört auf den Tisch.“ Wenn Unternehmen einerseits über Fachkräftemangel klagten, andererseits aber Menschen früher aus dem Betrieb nähmen, passe das nicht zusammen, kritisierte Reiche. Wichtig sei auch die deutliche Stärkung der privaten Vorsorge. „Es ist gut, dass wir das jetzt angehen, um die umlagefinanzierte Rente zu entlasten und der jungen Generation Luft zu verschaffen.“ Die Lage der deutschen Wirtschaft bezeichnete die Ministerin als „fragil“. Die Prognose der Bundesregierung von 1,3 Prozent Wirtschaftswachstum für das kommende Jahr gelte „unter der Annahme, dass keine neuen externen Schocks auftreten, dass staatliches Kapital zügig investiert wird und dass wir den Status quo bei Strukturreformen halten. Aber ja, wir sehen neue Risiken – Handelskonflikte, Zölle, Exportbeschränkungen aus China“, warnte Reiche. Das Land erlebe einen massiven Vertrauensverlust, der zur Frage führe, ob man den Industriestandort halten und erneuern könne. „Jeder in der Regierung spürt den Ernst der Lage.“ Vor dem kommende Woche geplanten Dialog mit Industrievertretern und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte Reiche, die Wirtschaft spiele eine große Rolle bei der Verteidigungsfähigkeit. „Das bedeutet weit mehr als Rüstungsproduktion: Unternehmen müssen Vorsorge treffen – bei Personal, beim Schutz kritischer Infrastruktur und bei der Versorgung mit Komponenten, die im Ernstfall knapp werden könnten.“ Dass sich Vorstände mit Szenarien beschäftigten und teils selbst an Wehrübungen teilnähmen, hält Reiche für richtig. „Das kann inspirieren.“ Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ (verlinkt auf https://www.businessinsider.de/) erstellt. Jacques Schuster (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/jacques-schuster/) ist Chefredakteur der WELT AM SONNTAG. Moritz Seyffarth (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/moritz-seyffarth/) ist Chefredakteur von „ Business Insider Deutschland (verlinkt auf http://www.businessinsider.de) “ Daniel Zwick (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/daniel-zwick/) ist Wirtschaftsredakteur in Berlin und berichtet für WELT über Wirtschafts- und Energiepolitik, Digitalisierung und Staatsmodernisierung.