Das konnte doch gar nicht echt sein! Andererseits: so kurz vor Weihnachten noch Dreharbeiten? Wirklich? Das fragten sich einige der Besucher des Nationalmuseums von Stockholm, die am 22. Dezember 2000 Zeugen eines besonders dreisten Kunstraubes wurden. Bewaffnete und maskierte Männer stürmten in den Saal, hängten drei wertvolle Bilder von den Wänden und verschwanden mitsamt der Beute ebenso schnell, wie sie gekommen waren – per Motorboot. Die Polizei war abgelenkt, denn zur selben Zeit brannten in der Nähe des Museums zwei Autos; außerdem waren auf den Straßen Nagelbretter ausgelegt, sodass die Verfolgung der Flüchtenden behindert wurde. Die Täter stahlen ein Selbstporträt von Rembrandt van Rijn (verlinkt auf https://www.meisterdrucke.de/kunstdrucke/Rembrandt-van-Rijn/19145/Selbstportr%C3%A4t.html) aus dem Jahr 1630 und zwei kleinere Gemälde von Pierre-Auguste Renoir, die Werke „ La conversation (verlinkt auf https://www.meisterdrucke.de/kunstdrucke/Pierre-Auguste-Renoir/684893/Das-Gespr%C3%A4ch.html) “ und „ Jeune Parisienne (verlinkt auf https://fr.muzeo.com/reproduction-oeuvre/jeune-parisienne/auguste-renoir?srsltid=AfmBOooGkTktltKr-d3PQH5GDPvQ4nbh880XhdVMunfkMymFGX9hv4Zt) “. Der theoretische Gesamtwert betrug rund 300 Millionen schwedische Kronen (60 Millionen Mark). Theoretisch, denn alle drei galten als absolut unverkäuflich auf dem offiziellen Kunstmark. Der Überfall ereignete sich am Freitag gegen 16.55 Uhr, also kurz vor der Schließung des bekannten Museums (verlinkt auf https://www.google.com/aclk?sa=L&pf=1&ai=DChsSEwj2vZ21lqSRAxWpUEECHRrCL5MYACICCAEQABoCd3M&co=1&ase=2&gclid=Cj0KCQiA_8TJBhDNARIsAPX5qxTKk50TxkilZXLVFUZaXTYS9j0VnBQhAaX3Wo461qMowbD7yupbUTUaAnWPEALw_wcB&cce=2&category=acrcp_v1_32&sig=AOD64_3g2L3l2x_YZYzzL_tDLo0th8q8xw&q&nis=4&adurl=https://www.nationalmuseum.se/en/welcome?gad_source%3D1%26gad_campaignid%3D23257007208%26gbraid%3D0AAAAAqarZsPm22-fwKFOG3suZ0D4mC_Cj%26gclid%3DCj0KCQiA_8TJBhDNARIsAPX5qxTKk50TxkilZXLVFUZaXTYS9j0VnBQhAaX3Wo461qMowbD7yupbUTUaAnWPEALw_wcB&ved=2ahUKEwjxjpS1lqSRAxXTQvEDHU03DbEQ0Qx6BAgVEAE) . Nur eine Handvoll Kunstliebhaber hielt sich in dem Museum noch auf, als ein Gangster die Wachleute mit vorgehaltener Maschinenpistole bedrohte und seine beiden Komplizen die Gemälde von der Wand nahmen. Die Ermittler gingen bald davon aus, dass die drei Haupttäter noch mindestens zwei Komplizen hatten. „Ich sah, wie drei Männer aus dem Nationalmuseum liefen“, beschrieb ein 32-jähriger Augenzeuge: „Sie trugen etwas unter dem Arm, das in schwarzes Plastik eingepackt war – aber das ist kurz vor Weihnachten ja nicht ungewöhnlich. Die Männer sprangen in ein Boot und brausten davon. Als ich das Blaulicht der Polizei vor dem Museum sah, wurde mir klar, dass es Kunsträuber gewesen sein mussten.“ Ein Polizeisprecher gab schon am Tag nach dem Raub das mutmaßliche Motiv bekannt: „Möglicherweise wollen sie vom Museum Lösegeld erpressen.“ Doch Direktor Torsten Gunnarsson beteuerte, dass bei ihm nichts zu holen sei: „Wir haben kein Geld“, erklärte er auf Nachfrage von Journalisten. Andere Fachleute glaubten, bei dem Raub könne es sich um eine bestellte Arbeit für Auftraggeber aus Osteuropa handeln. Schwedens ehemaliger Kripochef Tommy Lindström vermutete: „So schwer bewaffnet wie diese Männer sind Räuber aus unserem Teil Europas selten. Wahrscheinlich haben Neureichen in Russland die Bilder ,bestellt’; Leute, die sich gern einen echten Rembrandt oder Renoir an die Wand hängen wollen.“ Es dauerte fast fünf Jahre, bis alle drei Kunstwerke wieder da waren – mehr als doppelt so lang wie etwa beim spektakulären Diebstahl der „Mona Lisa“ aus dem Louvre (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article206003083/Mona-Lisa-Raub-Das-beruehmteste-Bild-der-Welt-verschwand-im-Koffer.html) in Paris 1911. Und es ging offenbar tatsächlich um versuchtes „Artnapping“, also eine Lösegelderpressung für gestohlene Kunstwerke. Allerdings waren die Bilder gar nicht versichert – die Prämien dafür wären zu hoch gewesen, und mit Geld hätte der Verlust ohnehin nicht aufgewogen werden können. Um die Jahreswende 2000/2001 meldete sich ein Mittelsmann der Täter bei der Polizei und bot die Rückgabe der Bilder an – für immer noch mehrere Millionen schwedische Kronen. Das Museum lehnte ab. Dafür klickten bald Handschellen: Ende Februar 2001 nahm die Londoner Polizei einen 36-jährigen Schweden fest – er war wohl der Drahtzieher des Raubes. Doch erst im Juli 2001 stellte die Polizei eines der beiden Renoir-Bilder durch Zufall sicher: Im Besitz eines Drogenhändlers fand sich bei einer Durchsuchung „La conversation“. Die anderen Bilder blieben vorerst verschwunden. 2005 schlug das FBI in Los Angeles gegen ein bulgarisches Verbrechersyndikat zu, wegen Drogenhandels. Einer der Anführer gab in seinem Verhör an, den Aufenthaltsort der „Jeune Parisienne“ zu kennen. Im. Rahmen eines Deals händigte er das Gemälde aus – und gab zudem einen Hinweis, wer den noch fehlenden Rembrandt in Besitz habe. Das FBI hielt den Erfolg aber zunächst geheim, um weitere Ermittlungen nicht zu gefährden. Einige Monate später wurde auch der Rembrandt gefunden. Ein FBI-Agent schaffte es, als angeblicher Kaufinteressent mit genannten Kriminellen in Kontakt zu kommen. Sie boten ihm das fehlende Gemälde (Schätzwert inzwischen: 40 Millionen Dollar) für zunächst fünf, dann für nur noch zweieinhalb Promille dieser Summe an. Als das Geschäft in einem Kopenhagener Hotel vermeintlich besiegelt werden sollte, griff die dänische Polizei zu (verlinkt auf https://www.welt.de/print-wams/article132428/Wieder-da-Rembrandt-und-Renoir.html) . Die vier verdächtigen Hehler – zwei Iraker, ein Schwede und ein Mann aus Gambia – kamen hinter schwedische Gardinen. Nun konnte auch das Wiederauftauchen des zweiten Renoir bekannt gegeben werden. „Es ist schon erstaunlich“, wunderte sich der Polizeichef der kalifornischen Millionenstadt in der Pressekonferenz, „dass so ein dramatischer Raub, der in Schweden stattfand, auf den Straßen von Los Angeles endet.“ Die beiden gebürtigen Iraker hatten schon 2001 mit elf weiteren Angeklagten wegen des Kunstraubes vor Gericht gestanden, waren aber freigesprochen worden. Die nach Schweden eingewanderten Männer waren beide Boxer; einer hatte es sogar zum Landesmeister gebracht. Während zehn der Angeklagten im damaligen Prozess Strafen von bis zu acht Jahren erhalten hatten, kam den beiden Iraker seinerzeit der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ zugute. So viel Glück hatten sie nun nicht mehr: Im Dezember 2005 erhielten sie Haftstrafen von bis zu zwei Jahren wegen Hehlerei.