Das Sturmtief „Elli“ hat nicht nur Straßen und Schienen lahmgelegt, sondern auch für kuriose Momente im Fernsehen gesorgt. Komiker und Schauspieler Hape Kerkeling wollte am Freitag persönlich in der NDR Talk Show auftreten – doch der Winter machte ihm einen Strich durch die Rechnung. „Dann steigen wir in die Maschine und der Kapitän sagt: Meine Damen und Herren, es ist nicht ganz sicher, ob wir in Hamburg landen werden“, erzählte Kerkeling später. Der Pilot versuchte, eine „Wetterlücke“ zu treffen, doch das gelang nicht. Statt Hamburg ging es für Kerkeling zurück nach München. „Es tut mir in der Seele weh“, sagte der Entertainer in der Sendung, zu der er schließlich per Videoschalte zugeschaltet wurde. Er habe ein Pflichtbewusstsein, zugesagte Termine einzuhalten, und fühle sich schuldig, es nicht geschafft zu haben. Moderatorin Barbara Schöneberger sprach von einer „Sendung, der das Winterwetter übel mitgespielt hat“ – fast alle Gäste mussten kurzfristig ersetzt werden. Während der Norden Deutschlands nach dem Sturm vorsichtig aufatmen kann, bleibt es in der Südhälfte winterlich. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern nur noch mit vereinzelten Schneeschauern, größere Mengen sind nicht mehr zu erwarten. In Hamburg liegt die Schneedecke bei bis zu fünf Zentimetern – weit entfernt von den Extremwerten des Winters 1978/79. Dennoch droht strenger Frost: In der Nacht zum Sonntag können die Temperaturen auf bis zu -12 Grad fallen, über Schneeflächen sogar bis -15 Grad. Im Süden liegt die Schneefallgrenze bei 300 bis 500 Metern, bis zu fünf Zentimeter Neuschnee sind möglich. Plusgrade gibt es nur noch südlich des Mains, doch auch dort sinken die Temperaturen im Tagesverlauf unter null. Die Kälte verschärft die Lage für Menschen ohne Wohnung: Hilfsorganisationen wie die Diakonie warnen vor lebensbedrohlichen Bedingungen und haben zusätzliche Schlafplätze eingerichtet. Großeinsatz in Hamburg – und ein Segler in Seenot In Hamburg läuft der Winterdienst unterdessen auf Hochtouren weiter. Die Stadtreinigung (SRH) startete in der Nacht ihren neunten Großeinsatz in diesem Jahr: 728 Kräfte und 360 Fahrzeuge räumten und streuten Hauptstraßen, Busstrecken und Fußgängerüberwege. Trotz Glätte blieb es vergleichsweise ruhig – größere Unfälle gab es nicht. Die SRH warnt dennoch vor Rutschgefahr und erinnert Anlieger an ihre Räumpflicht. Bis zum 21. Januar ist ausnahmsweise auch Tausalz auf Gehwegen erlaubt. Kurioses brachte das Winterwetter ebenfalls: Das Hamburger Schwanenwesen nutzte den fast zugefrorenen Stadtparksee für Eisrettungsübungen – inklusive Neoprenanzügen und Booten. Leiter Olaf Nieß mahnt jedoch: „Bitte nicht selbst Tiere retten – das Eis ist nirgendwo tragfähig.“ Und dann war da noch ein Segler, der sich mitten im Sturm auf die Elbe wagte. Der 48-Jährige wollte am Freitagnachmittag mit seiner Jacht nach Finkenwerder, geriet aber in Seenot und blieb auf einer Sandbank bei Lühesand stecken. Spaziergänger alarmierten die Polizei, 40 Einsatzkräfte von DLRG und Feuerwehr rückten an. Schließlich gelang es „Strömungsrettern“ in Spezialanzügen, den Mann durch den Schlick an Land zu bringen. „Sowas habe ich noch nie erlebt“, sagte DLRG-Sprecher Rainer Bohmbach. Der Segler wird vorerst in Grünendeich untergebracht – wie er sein Schiff wieder flott bekommt, muss er nun selbst klären.