Die Wurzeln von Sympatient liegen nicht in Hamburg. Während Christian Angern an der Jacobs University in Bremen erste Gründungserfahrungen sammelte, studierte sein Bruder Julian Angern Psychologie in Lübeck. Aus der Idee für digitale Therapien bei Angststörungen entstand später das Digital-Health-Unternehmen Sympatient. Als aus dem Projekt ein Unternehmen werden sollte, fiel die Standortwahl schließlich auf Hamburg. Ein Förderprogramm der Hamburger Investitions- und Förderbank gab nach Angaben der Gründer den Ausschlag. „Eigentlich wollten wir in Schleswig-Holstein gründen“, erzählt Julian Angern. „Aber dann entschieden wir uns für Hamburg.“ Heute beschäftigt Sympatient mehr als 100 Mitarbeiter und hat mehr als 18 Millionen Euro Kapital eingeworben, ein Teil davon kam aus der Hamburger Start-up-Förderung über die IFB. Die Förderung habe dabei weit über die finanzielle Unterstützung hinaus gewirkt, sagte Mitgründer Angern bei einer Landespressekonferenz. „Dass die Stadt Hamburg dahintersteht, hat uns wirklich überall Türen geöffnet.“ Die Unterstützung habe dem Start-up Zugang zu Investoren, Universitäten und Behörden erleichtert. „Mittlerweile ist es nicht nur mehr Berlin oder München, sondern Hamburg wird da lauter.“ Solche Geschichten möchte der Senat künftig häufiger schreiben. Hamburg habe kein Problem mit guten Ideen, sondern damit, daraus erfolgreiche Unternehmen zu machen, sagte Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD). Mit der neuen Dachmarke „Startup City Hamburg“ will die Stadt Gründer, Investoren und Förderangebote enger zusammenbringen und den Weg von der Idee bis zum Unternehmen verkürzen. Die Ausgangslage dafür ist aus Sicht der Wirtschaftsbehörde günstig. In Hamburg gibt es nach Senatsangaben inzwischen mehr als 1500 aktive Start-ups. Allein im vergangenen Jahr entstanden demnach 203 neue Unternehmen. Das entspricht einem Zuwachs von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gemessen an der Einwohnerzahl liege Hamburg damit hinter Berlin auf Platz zwei der deutschen Start-up-Standorte. Doch genau darin liegt aus Sicht der Senatorin auch die eigentliche Herausforderung. „Es mangelt uns ja nicht an guten Entwicklungen und Ideen, sondern an der Brücke, die für viele schwierig zu nehmen ist“, sagte Leonhard. Gemeint ist der Schritt von der wissenschaftlichen Erkenntnis zum marktfähigen Produkt, vom Hochschulprojekt zur Unternehmensgründung. Um diese Lücke zu schließen, bündelt die Stadt ihre Angebote nun erstmals unter einer gemeinsamen Marke. Die neue Plattform „Startup City Hamburg“ soll Gründern einen zentralen Zugang zu Förderprogrammen, Beratungseinrichtungen, Netzwerken und Investoren verschaffen. Wer eine Geschäftsidee entwickelt, soll künftig nicht mehr selbst herausfinden müssen, welche Einrichtung zuständig ist und welches Programm in welcher Phase helfen kann. Die Initiative ist dabei weniger ein neues Förderprogramm als eine Neuorganisation bereits bestehender Strukturen. Unter einem gemeinsamen Dach sollen die verschiedenen Akteure sichtbarer werden und enger zusammenarbeiten. Dazu gehören die Handelskammer, Hochschulen, Branchennetzwerke, Förderinstitutionen und die Investitions- und Förderbank. Die einzelnen Einrichtungen bleiben eigenständig, präsentieren sich künftig aber als Teil der „Startup City Hamburg“. Flankiert wird die organisatorische Neuausrichtung von deutlich steigenden Fördersummen. Nach Angaben der IFB wurden 2021 noch rund elf Millionen Euro für 45 Förderungen bereitgestellt. Für das laufende Jahr rechnet die Förderbank mit rund 35 Millionen Euro und etwa 80 Förderfällen. Hamburg steuere damit auf das bislang stärkste Jahr seiner Start-up-Förderung zu. Zwischen 2021 und 2025 wurden nach Angaben der Förderbank 330 Förderungen mit einem Gesamtvolumen von 79,5 Millionen Euro ausgesprochen. Rund 31 Millionen Euro entfielen auf Zuschüsse in frühen Unternehmensphasen, weitere knapp 49 Millionen Euro auf Beteiligungen und Wagniskapital. Fast die Hälfte der Mittel stammt dabei vom Bund oder aus europäischen Programmen. Aus Sicht der Stadt ist gerade die Förderung in der Frühphase entscheidend. Oft fehle jungen Unternehmen nicht die Idee, sondern das Geld und die Zeit, um aus einer Entwicklung ein belastbares Geschäftsmodell zu machen. Programme wie „InnoFounder“, „InnoRampUp“, „InnoImpact“ oder „InnoFintech“ sollen genau diese Phase absichern. Erst danach folgen Beteiligungen über staatliche Fonds und die Vermittlung privater Investoren. Hamburg sieht sich dabei zunehmend im Wettbewerb mit anderen Gründerzentren. Während Berlin seit Jahren als deutsche Start-up-Hauptstadt gilt und München insbesondere technologieorientierte Unternehmen anzieht, versucht die Hansestadt, mit einer engen Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlicher Förderung zu punkten. Leonhard verwies mehrfach darauf, dass gute Ideen häufig an Hochschulen und Forschungseinrichtungen entstehen. Entscheidend sei, ob es gelinge, diese Ideen auch dauerhaft am Standort zu halten. Ganz gelöst ist dieses Problem nach Einschätzung der Wirtschaftsbehörde allerdings noch nicht. Vor allem beim Venture Capital räumte die Senatorin auf Nachfrage Nachholbedarf ein. Die Verfügbarkeit privaten Risikokapitals sei weiterhin ein Entwicklungsfeld für Hamburg. Die staatlichen Fonds könnten Finanzierungslücken schließen, private Investoren aber nicht ersetzen. Neben der digitalen Plattform soll die Start-up-Szene künftig auch physisch stärker zusammenrücken. Leonhard bestätigte, dass die Stadt eine Immobilie erworben habe, die künftig für Netzwerke, Veranstaltungen und Beratungsangebote genutzt werden soll. Dabei handelt es sich um den Hammerbrooklyn-Pavillon in der Nähe des Hamburger Großmarkts. Nach Abschluss von Umbau- und Renovierungsarbeiten könnten die ersten Start-ups voraussichtlich im kommenden Jahr Räume in dem markanten Gebäude beziehen. Dass die Strategie aufgeht, soll sich nach Vorstellung der Förderbank auch an einer anderen Zahl zeigen. In den vier Wochen vor der Landespressekonferenz seien aus früheren Beteiligungen mehr als 1,2 Millionen Euro an die Stadt zurückgeflossen, sagte Heiko Milde Geschäftsführer der IFB Innovationsstarter GmbH. Das Geld soll nun wieder in neue Gründungsvorhaben investiert werden. Hamburg sucht also nicht nur nach den nächsten guten Ideen. Die Stadt will dafür sorgen, dass aus ihnen Unternehmen werden und irgendwann die nächste Generation von Gründern finanzieren.