Welt 15.01.2026
14:52 Uhr

„Wertvolle Ressource“ – wie Supermarkt-Parkplätze den Feierabend erleichtern sollen


Ein städtischer Testlauf in Hamburg-Hamm soll die Parkplatzsuche abends obsolet machen: Anwohner können Stellplätze auf einem Supermarktparkplatz buchen. Die Stadt wertet das Angebot erstmals systematisch aus – auch mit Blick auf mögliche Erweiterungen.

„Wertvolle Ressource“ – wie Supermarkt-Parkplätze den Feierabend erleichtern sollen

Abends nach Hause fahren, kreisen, warten, wieder kreisen – in vielen deutschen Städten gehört die Parkplatzsuche zur täglichen Routine. Hamburg will nun testen, ob sich dieses Problem mit einem vergleichsweise einfachen Mittel entschärfen lässt. Denn in der Hansestadt ist der Parkplatzdruck in vielen dicht besiedelten Quartieren ein großes Ärgernis und ein umstrittenes Politikum. Die Stadt hat von digitalem Parkraummanagement bis zum ausgeweiteten Anwohnerparken schon viel versucht. Ab der kommenden Woche kommt nun ein Pilot-Projekt zum „Feierabend-Parken“ hinzu. Ab Montag stellt eine Lidl‑Filiale im Stadtteil Hamm zehn Stellplätze nach Ladenschluss zum Buchen bereit. Die Stadt betrachtet das Modell als Pilot-Projekt, dessen Erfolg belastbar gemessen werden soll. Das Angebot gilt von 18 bis 8 Uhr und kostet drei Euro pro Nacht; Wochen‑ und Monatspakete stehen ebenfalls zur Verfügung. Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) bezeichnete abends ungenutzte Parkflächen als „wertvolle Ressource“, die zur Entlastung beitragen könne. Ziel sei es, Anwohnern „unkompliziert eine Abstellfläche“ zu bieten und den Parksuchverkehr zu reduzieren. Bezirksamtsleiter Ralf Neubauer (SPD) sagte er hoffe, dass sich das „Feierabend-Parken“ auch auf andere Bereiche ausweiten lasse. Der Bezirk Hamburg-Mitte ist in vielen Teilen besonders eng bebaut und das oftmals zu einer Zeit, in der nur wenige Menschen Autos besaßen. Tiefgaragen oder Stellplätze in Hinterhöfen gibt es dann nur in Ausnahmen. Drei weitere Supermärkte bieten es schon an Obwohl die Stadt das Projekt als Pilot einordnet, ist das Prinzip für Hamburg nicht völlig neu. Über die Plattform Wemolo, die auch in Hamm der Betreiber des Angebots ist, lassen sich bereits an drei Edeka‑Standorten Plätze nach Ladenschluss buchen: in Eppendorf und Bramfeld jeweils von 20 bis 6 Uhr, in der Jarrestraße in Winterhude von 19 bis 8.30 Uhr. Auch dort kosten die Plätze drei Euro pro Nacht, bei Buchungen für eine Woche zwölf und für den Monat 30 Euro. Der Start des Piloten erfolgt mit zeitlichem Abstand zu einem ähnlichen Vorschlag der CDU aus dem vergangenen Jahr. Die Fraktion hatte zuletzt im Januar 2025 beantragt, mit Supermärkten über buchbare Nachtstellplätze zu verhandeln; der Antrag wurde von SPD und Grünen abgelehnt. Heute sieht die CDU in dem Projekt eine Bestätigung ihres Vorstoßes. Richard Seelmaecker (CDU) fordert, das Modell bei Erfolg auf weitere Standorte zu übertragen und digital zu organisieren. Die Idee für ihren Antrag hatte die CDU damals aus Düsseldorf übernommen. Dort startete 2024 ein ähnliches Modell, das mittlerweile deutlich ausgeweitet wurde. Neben Supermarktparkplätzen beteiligen sich auch größere Parkhaus- und Parkplatzbetreiber, sodass inzwischen knapp 2000 Stellplätze über Nacht buchbar sind. Doch die Erfahrungen in Düsseldorf zeigen auch auf, dass das Feierabend-Parken nicht überall gleich angenommen wird. Standorte in weniger nachgefragten Gewerbegebieten blieben kaum genutzt, während innenstadtnahe Flächen in Wohnquartieren eine deutliche Nachfrage aufwiesen. Entscheidend seien Lagequalität und ein realer Parkdruck vor Ort. Erfahrungen aus Düsseldorf geben entscheidende Hinweise Diese Faktoren könnten auch in Hamburg eine Rolle spielen. Der Standort in der Carl‑Petersen‑Straße liegt in einem dicht bebauten Quartier mit hoher Nachfrage nach Stellflächen, was – folgt man den Erfahrungen aus Düsseldorf – grundsätzlich günstige Bedingungen bietet. Allerdings muss der Hamburger Pilot erst zeigen, ob die zehn Stellplätze tatsächlich regelmäßig genutzt werden und welche Auswirkungen das Angebot auf die Parksituation im Umfeld hat. Sollte die Auswertung positiv ausfallen, will die Stadt prüfen, ob weitere Lidl‑Standorte beteiligt werden können. Der Händler signalisiert Bereitschaft: Man wolle einen Beitrag zur Lebensqualität im Quartier leisten, heißt es. Ob das Modell darüber hinaus Potenzial für eine größere Verbreitung hat, hängt nun von den Ergebnissen der kommenden Monate ab.