Welt 03.02.2026
07:52 Uhr

Wer hat den größten, lautet die entscheidende Frage


Schon die römischen Kaiser, Maria Theresia und Napoleon ließen sich teilweise gigantische Ehrenbögen bauen. Donald Trump will den mächtigsten der Welt errichten – und liegt doch weit zurück hinter dem Alptraum Hitlers für „Germania“.

Wer hat den größten, lautet die entscheidende Frage

Nun also ein Triumphbogen. Washington D. C. soll nach dem Willen des US-Präsidenten Donald Trump ein Monument bekommen, das an den 250. Jahrestag der Vereinigten Staaten (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article697ee066f0e62064809e0b6c/donald-trump-76-meter-hoch-groesser-als-in-paris-die-vision-fuer-seinen-triumphbogen.html) erinnert. Entsprechend soll es 250 Fuß hoch werden, also etwa 76 Meter. Nach von Trump selbst verbreiteten Visualisierungen könnte ein pseudoklassizistisches, üppig mit Gold verziertes Monstrum entstehen. Der Bau sei „voll finanziert“ durch Spenden, versichert der Präsident; Spötter nennen das Vorhaben in Anlehnung an den Arc de Triomphe in Paris schon den „Arc de Trump“. Nun sind Triumphbögen gar nicht mal so selten. Wählt man eine sinnvolle Definition, existieren mindestens hundert derartige Bauwerke weltweit. Grundsätzlich handelt es sich um frei stehende Bauwerke repräsentativen Charakters, die keinen praktischen Zweck haben – denn sie stehen eben frei, sind also nicht Teil einer (Stadt-)Mauer: Man kann ebenso um sie herumgehen wie durch sie hindurch. Manche Ehrenbögen entstanden, indem vormalige Stadttore freigestellt und umgewidmet wurden; ein Beispiel dafür ist der Gallienusbogen in Rom, die vormalige Porta Esquilina (verlinkt auf https://pomalo-pomalo.com/standorte/porta-esquilina/) in der Servianischen Mauer, einem durch das stets Wachstum der Stadt schon lange vor Christi Geburt bedeutungslos gewordenen Befestigungsring. Dabei ist der Ursprung des Triumphbogens tatsächlich ein richtiges Tor: die Porta Triumphalis, der im Laufe der Zeit monumental umgestaltete Einlass in die Kernstadt vom Marsfeld aus. Grundsätzlich nämlich durften in republikanischer Zeit Feldherren Rom nicht in Begleitung ihrer Truppen betreten – einzige Ausnahme: die vom Senat zuerkannte Ehre eines Triumphzuges für Sieger. In so einem Fall versammelten sich die vorgesehenen Soldaten auf dem Marsfeld, im Wesentlichen dem Gebiet des Tiberbogens nördlich der Tiberinsel (und damit südlich und südwestlich des heute als „Campo Marzio“ bekannten Viertels). Am Tag des Triumphs ging es dann durch ein nicht erhaltenes und nicht einmal dem genauen Standort nach bekanntes Tor durch die Servianische Mauer in die Kernstadt hinein. Daher bekam dieser Einlass seinen Namen. Doch schon bald verselbstständigte sich diese Funktion zum eigenständigen Denkmal. In Rom entstanden seit der Herrschaft des Augustus etwa der Titusbogen (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/gallery142488494/Roemische-Geschichte-Der-Triumph-des-spaeteren-Kaisers-Titus-39-81.html) , der Septimius-Severus-Bogen und der Konstantinsbogen (alle bis heute erhalten) sowie der Actiumbogen, der Partherbogen und der Tiberiusbogen (alle verloren und nur durch Münzen, Inschriften oder andere Quellen bezeugt). Auch andere Städte Italiens ließen zu Ehren von Kaisern Bögen errichten, die sich an den Triumphbögen Roms orientierten, etwa Rimini den Augustusbogen, den ältesten erhaltenen Ehrenbogen, oder Ancona den Trajansbogen (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article171572645/Kaiser-Trajan-Unter-ihm-erreichte-das-Roemische-Reich-seinen-Zenit.html) , mit 18,5 Metern Höhe im Schnitt der meisten römischen Ehrenbögen, die zwischen zwölf und 25 Meter aufragen. In der Spätantike entstanden die letzten Triumphbögen für mehr als 1200 Jahre. Erst im Hochbarock des 18. Jahrhunderts knüpften selbstbewusste Herrscher wieder an diese Show-Architektur an. So entstanden das Rote Tor in Moskau in ganz barocker Form, das allerdings 1928 auf Weisung Stalins abgebrochen wurde, um einer Ringstraße Platz zu machen, in Montpellier die Porte du Peyrou zum Gedenken an Ludwig XIV. und in Florenz der Arco di Trionfo dei Lorena für den späteren Kaiser Franz Stephan von Habsburg-Lothringen, den Ehemann von Maria Theresia (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article164488719/Siebenjaehriger-Krieg-Wie-Maria-Theresia-Friedrich-den-Grossen-abzockte.html) . Mit dem Aufkommen des Frühklassizismus entstanden dann in vielen Städten Europas antikisierende Triumphbögen: in Potsdam und in Berlin (jeweils: Brandenburger Tor) ebenso wie im ungarischen Vac bei Budapest und in Innsbruck (beide zu Ehren von Maria Theresia). In der nordukrainischen Stadt Nowhorod-Siwerskyj als Dank an die Zarin Katharina die Große, in Bordeaux etwa die Porte de Bourgogne und in Dijon die Porte Guillaume. So war es nicht wirklich überraschend, dass auch Napoleon Bonaparte nach dem Sieg von Austerlitz (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article6926cc6af60b758bebd57f88/austerlitz-1805-ich-hatte-keine-vorstellung-von-solch-einer-niederlage.html) 1806 einen Triumphbogen in Auftrag gab – allerdings, seinem Selbstverständnis als selbst gekröntem Kaiser entsprechend, gleich den mit Abstand größten der Welt. Der Grundstein für den Arc de Triomphe in Paris, konzipiert als Mittelpunkt einer monumentalen Stadterweiterung nach Nordwesten, wurde Mitte August 1806 gelegt. Bis 1810 waren die Fundamente vollendet und das aufgehende Mauerwerk bis etwa einen Meter Höhe – doch zu seiner (zweiten) Hochzeit wollte Napoleon eine Anmutung „seines“ Triumphbogens sehen. Also wurde ein Provisorium in Originalgröße und -gestaltung errichtet, in Fachwerkbauweise mit Stuck und bemalter Leinwand. Nach Napoleons Abdankung 1814 ruhten die weiteren Bauarbeiten; erst 1823 ging man die Vollendung an, diesmal aber nicht zu Ehren des gescheiterten Kaisers, sondern der restaurierten Bourbonenherrschaft. Vor Fertigstellung endete diese 1830, und der neue König Louis Philippe orientierte sich an einem Mittelweg: Der Arc de Triomphe sollte nun die symbolische Größe Frankreichs würdigen, womit sowohl die kulturelle Leistung wie die Errungenschaften der (frühen) Revolution und Napoleon gemeint waren. 1836 feierte man die Vollendung des Turms mit 49,54 Metern Höhe, 44,82 Metern Breite und 22,21 Metern Tiefe. Vier Jahre nach Fertigstellung bekam der Bogen seine ursprüngliche Bedeutung wieder: Die Asche Napoleons wurde auf dem Weg in das Mausoleum im Invalidendom durch den Arc de Triomphe gefahren. Das 19. Jahrhundert brachte eine Fülle neuer Triumph- oder Ehrenbögen, sicher ein Reflex auf Paris. Etwa die Porte d’Aix in Marseille, den Arco della Pace in Mailand, in Moskau und St. Petersburg gleich vier verschiedene Monumente, in London zwei und auf der Leopoldstraße in München das Siegestor. Gegen Ende des Jahrhunderts entstanden die ersten dezidierten Triumphbögen in den USA, einer in Tilton (Bundesstaat New Hampshire) und drei in New York City, von denen einer allerdings nach nur zwei Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Im 20. Jahrhundert entstanden einerseits Bögen als Ehren- und Mahnmale für Soldaten, etwa in Australien, der belgischen Stadt Ypern, in Neu-Dehli, Genua, Ottoawa und Toronto in Kanada, Leicester in Großbritannien und Newport News im US-Bundesstaat Virginia. Andererseits gab es auch Ehrenbögen zur Stilisierung von Diktatoren: Mussolini ließ in Bozen ( Südtirol (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article217518548/Annexion-So-verleibte-Italien-sich-Suedtirol-ein.html) ) 1928 ein Siegestor errichten, ebenso Franco in Madrid 1956. Gegenwärtig den Rekord für den größten Triumphbogen hält die stalinistische Familiendiktatur in Nordkorea: Der Machthaber Kim Il-sung (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article164065332/Kalter-Krieg-So-begann-Kim-Jong-uns-Grossvater-1950-den-Koreakrieg.html) ließ 1982 eine seltsam deformierte Version so eines Ehrenmals nördlich des Stadtzentrums von Pjöngjang errichten. Mit 60 Metern Höhe, 50 Metern Breite und 27 Metern Tiefe ist der Bau, der ungefähr aussieht wie ein deutscher Flakturm aus dem Zweiten Weltkrieg mit Bogen, um bis zu 20 Prozent größer als das Vorbild in Paris. Sollte der „Arc de Trump“ errichtet werden wie geplant, dann wäre er der neue Maßstab für tatsächlich gebaute Ehrenmale. Doch die Vision des US-Präsidenten erreicht nicht einmal annähernd das Ausmaß des größten jemals ernsthaft konzipierten Triumphbogens. Den plante nämlich Albert Speer (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article164100646/Nationalsozialismus-Mit-diesem-Trick-wurde-Speer-zum-guten-Nazi.html) im Auftrag seines „Führers“ Adolf Hitler für die Neugestaltung Berlins, das Projekt „Germania“. 117 Meter hoch, 170 Meter breit und 119 Meter tief sollte dieser Koloss werden, dessen äußere Form Hitler angeblich selbst skizzierte – daran bestehen allerdings berechtigte Zweifel. Um die Bodenbelastbarkeit zu prüfen, ließ Speer 1941/42 den „Schwerbelastungskörper“ errichten, eine extrem massive Betonkonstruktion, die den Baugrund auf einer Grundfläche von 100 Quadratmetern mit 12.650 Tonnen belastete, also 126,5 Tonnen pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Die genormte Bodenbelastbarkeit von Wohnräumen liegt bei etwas mehr als einem Tausendstel und von Fabriketagen je nach Zweck bei bis zu zehn Tonnen. Hochhäuser belasten ihr Fundament beispielsweise mit etwa 50 Tonnen pro Quadratmeter beim Empire State Building oder knapp 84 Tonnen beim neuen World Trade Center, beide gelegen in New York mit seinem Untergrund aus gewachsenem, massiven Fels. Die Messungen am Berliner Schwerbelastungskörper ergaben, dass der Baugrund hier für Speers Triumphbogen eines solchen Gewichts ungeeignet gewesen wäre. Ob der Bauplatz für Trumps 70 Meter hohes Monument wenige Dutzend Meter vom Ufer des Potomac hinreichend standfest ist, wird man sehen. Sven Felix Kellerhoff (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/sven-felix-kellerhoff/) ist Leitender Redakteur bei WELTGeschichte. In Washington D. C. ist er mehrfach gewesen, ebenso wie auf dem Schwerbelastungskörper in Berlin. Auch vor dem Arc de Triomphe in Paris und den verschiedenen Triumphbögen in Rom, Mailand und Florenz hat er gestanden.