Welt 29.12.2025
07:43 Uhr

„Wenn es eine Migrationswende gegeben hat, dann schon unter Scholz“ – Schmidt widerspricht Dobrindt


Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sieht eine Migrationswende erfolgreich eingeleitet. Dem widerspricht Ex-Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt – und hält die sinkenden Zahlen für einen Erfolg der Ampel-Regierung.

„Wenn es eine Migrationswende gegeben hat, dann schon unter Scholz“ – Schmidt widerspricht Dobrindt

Angesichts sinkender Asylzahlen in Deutschland entbrennt Streit darüber, wer den Rückgang verantwortet. „Wir haben die Migrationswende (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article692e9a509372035036979ea7/trotz-migrationswende-erneut-mehr-als-100-000-neue-asylbewerber-in-diesem-jahr.html) eingeleitet und das migrationspolitische Chaos beendet“, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) der „ Süddeutschen Zeitung (verlinkt auf https://www.sueddeutsche.de/politik/migrationswende-deutschland-asylzahlen-li.3351277?reduced=true) “ („SZ“), und sieht die sinkenden Zahlen als Folge der eigenen Politik. „Wir kontrollieren Grenzen konsequent, beenden Fehlanreize wie Turboeinbürgerung und stoppen den Familiennachzug.“ Deutschland sei kein „Migrationsmagnet“ mehr, sagte Dobrindt weiter. „Die Asylzahlen sinken, illegale Migration wird wirksam bekämpft.“ Dem widerspricht einer der Architekten des Ampel-Bündnisses und hält die Politik der Vorgänger-Regierung als entscheidend für diese Entwicklung. „Die Zahlen für das Jahr 2025 zeigen, dass die umfangreichen Maßnahmen der Scholz-Regierung Wirkung gezeigt haben“, sagte Ex-Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt (SPD) (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/wolfgang-schmidt-spd/) der „SZ“: „Wenn es eine Migrationswende gegeben hat, dann schon unter Scholz“. Dabei verwies Schmidt auf „Hochrechnungen“ seiner Regierung vom April, in der die Zahl der Asylgesuche in diesem Jahr mit unter 100.000 prognostiziert wurden. „Das ist ziemlich genau so eingetroffen“, sagte Schmidt. Laut Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge gab es in diesem Jahr bis Mitte Dezember 108.000 Asylgesuche in Deutschland. Die Zahl der Erstanträge auf Asyl hat sich in diesem Jahr insgesamt etwa halbiert. Dennoch halten auch Migrationsforscher den Einfluss der schwarz-roten Koalition auf die Asylzahlen für begrenzt. Eine wirkliche Wende im Asylgeschehen sei seit dem Regierungsantritt im Mai „nicht zu erkennen“, sagte Gerald Knaus der SZ. „Die Zahlen der Erstanträge lagen im Herbst auf dem Niveau des Frühjahrs.“ Asylrechtsexperte Daniel Thym konstatierte gegenüber WELT: (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/plus6943cc889ecfb47154d58571/migrationsforscher-thym-damit-ist-ein-gedanke-faktisch-tot-den-angela-merkel-nach-2015-forciert-hatte.html) „Die Erstaufnahmeeinrichtungen sind nicht mehr so überfüllt, das spüren die Kommunen. Aber alles, was danach kommt – Integration, Arbeitsmarkt, Schule, auch gesellschaftlicher Zusammenhalt –, da sind die Herausforderungen nach wie vor vorhanden“.