Welt 23.01.2026
07:29 Uhr

Wenn dein Ohrenschmalz diese Farbe hat, solltest du dir Sorgen machen


Jeder hat es, aber keiner redet darüber, denn es ist irgendwie eklig: Ohrenschmalz. Das körpereigene Sekret schützt den Gehörgang, indem es Schmutz nach außen transportiert – und gibt auch Auskunft über deine Gesundheit.

Wenn dein Ohrenschmalz diese Farbe hat, solltest du dir Sorgen machen

Wattestäbchen sind ein absolutes Tabu – zumindest im Gehörgang. Denn damit schiebst du unter Umständen dein Cerumen, wie man das Ohrenschmalz im Fachjargon nennt, immer weiter Richtung Trommelfeld anstatt nach außen. Damit steigt die Gefahr von Entzündungen, weil in dem Sekret zum einen Schmutz und Bakterien, die eigentlich von allein nach außen gespült werden sollen, im Ohr (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/hoersturz/) verbleiben und zum anderen der Gehörgang nicht mehr belüftet wird. Normalerweise ist Ohrenschmalz (verlinkt auf https://www.welt.de/vergleich/ohrenschmalz-entferner/) , das sich irgendwann in der äußeren Ohrmuschel ablegt, gelblich bis gelblich-bräunlich. Wenn es in Sachen Gesundheit bei dir allerdings nicht so rund läuft, kann das Cerumen aber auch ganz andere Farben annehmen. Wann du dir Sorgen machen musst und warum Ohrenschmalz überhaupt seine Konsistenz und Färbung verändert, erklären wir dir gleich. Zuvor interessiert uns aber noch brennend: Ohrenschmalz kann viel über deine Gesundheit verraten Auch wenn du manchmal das Bedürfnis verspüren solltest, deine Ohren mit einem Q-Tip oder auf eine andere Weise von Ohrenschmalz zu befreien beziehungsweise zu reinigen (verlinkt auf https://www.welt.de/vergleich/ohrenreiniger/) , besteht dazu keinerlei Notwendigkeit. Der menschliche Körper hat im Ohrinnenraum nämlich ein cleveres Selbstreinigungsprinzip und dein Ohrenschmalz spielt dabei eine wichtige Rolle. Das lipidreiche Sekret bindet Schmutz, Bakterien oder Viren und wird ganz von allein in die äußere Ohrmuschel befördert. Dort kannst du es dann mit einem weichen Tuch oder Wattepad mit Wasser sanft entfernen. Eben weil das Cerumen eine wichtige Rolle bei der Reinigung des Hörsystems im Körper spielt, nutzen Forscher es als wichtigen Gesundheitsindikator. So belegte eine Studie (verlinkt auf https://www.nature.com/articles/s41598-019-48121-4) von brasilianischen Forschern aus dem Jahr 2019, dass man im Ohrenschmalz die Verstoffwechselung von Krebszellen nachweisen kann. Zwar konnten die Forscher nicht diagnostizieren, um welche Krebsart (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/krebs/) es sich genau handelte, die Ohrenschmalz-Probe gab aber Anlass für weitere Untersuchungen. Dafür muss das Cerumen aber im Labor analysiert werden. Aufgepasst: Sieht dein Ohrenschmalz so aus, solltest du handeln Wesentlich offensichtlicher ist daher die Farbe des Sekrets – sobald sie vom ursprünglichen gelb-orangen Ton abweicht, kann das ein Zeichen sein, das in deinem Körper (verlinkt auf https://www.welt.de/gesundheit/) etwas nicht stimmt. Drei Farbstufen sollten deine Alarmglocken besonders läuten lassen, wie der Ratgeber (verlinkt auf https://my.clevelandclinic.org/health/body/24624-earwax) des gemeinnützigen Forschungsinstituts Cleveland Clinic aus den USA schreibt. • Verfärbt es sich grün, handelt es sich um eine Infektion (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/infektionskrankheiten/) im Ohr, etwa eine Mittelohrentzündung. • Ist das Cerumen schwarz, leidest du vermutlich an einem Pfropf, also einer Verstopfung des Gehörgangs mit Ohrenschmalz, welches nicht mehr abtransportiert werden kann. Etwa, wenn der Gehörgang verengt ist oder aber Ohrenschmalz durch In-Ear-Kopfhörer, Hörgeräte oder Wattestäbchen zu tief in den Gehörgang geschoben wurde. Symptome eines Pfropfs können Juckreiz, ein Druckgefühl, Hörminderung und Tinnitus (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/tinnitus/) sein. Ein HNO-Spezialist kann das Cerumen aufweichen oder entfernen. • Ist das Ohrenschmalz braun mit roten Spuren, deutet das auf eine Verletzung im Gehörgang hin. Wenn du zusätzlich einen wässrigen Ausfluss hast, könnte das auf ein gerissenes Trommelfell hindeuten. Auch dann solltest du einen HNO-Arzt (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/plus195583207/Nasenspray-Sucht-HNO-Arzt-erklaert-wie-Sie-vom-Spray-loskommen.html) aufsuchen. Es riecht komisch aus deinem Ohr? Kein gutes Zeichen Eigentlich ist Ohrenschmalz nahezu geruchslos. Kannst du dein Cerumen allerdings riechen, ist das kein gutes Zeichen. Stinkt es, kann das ebenfalls ein Anzeichen für eine Infektion oder Pilzbefall (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/pilzinfektionen/) sein. Aber auch ein guter Geruch kann ein Hinweis auf eine ernste Erkrankung sein, wie das Beispiel der sogenannten Ahornsirupkrankheit (MSUD) zeigt. Dabei handelt es sich um eine seltene angeborene Stoffwechselstörung (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/stoffwechsel/) , die unbehandelt innerhalb weniger Monate tödlich endet. „Das Ohrenschmalz riecht buchstäblich nach Ahornsirup“, erklärt die Umweltchemikerin Rabi Ann Musah von der Louisiana State University im Gespräch mit der „ BBC (verlinkt auf https://www.bbc.co.uk/future/article/20250424-what-your-earwax-can-reveal-about-your-health) “. Wenn man innerhalb von zwölf Stunden nach der Geburt des Babys diesen unverwechselbaren, angenehmen Geruch wahrnimmt, weiß man, dass es an dieser angeborenen Stoffwechselstörung leidet. Riecht das Cerumen hingegen eher moschusartig, könnte das ein Hinweis auf eine Parkinson-Erkrankung (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/parkinson/) sein. Anfang der 2010er-Jahre berichtete die ehemalige Krankenschwester Joy Milne, dass sie die Krankheit am Geruch erkennen konnte. Forscher der chinesischen Zhejiang-Universität haben anhand ihrer Berichte im Sommer 2025 (verlinkt auf https://www.acs.org/pressroom/presspacs/2025/june/ear-wax-as-a-possible-screening-medium-for-parkinsons-disease.html) ein Screening-System entwickelt, das den Geruch von Ohrenschmalz analysiert: Mit einer Genauigkeit von 94 Prozent konnten die Forscher anhand des Ohrenschmalz-Geruchs feststellen, ob jemand an der Nervenkrankheit Parkinson leidet. Also: Auch wenn du dein Ohrenschmalz vielleicht eklig findest – es ist ein verdammt guter Gesundheitsindikator! Sabine Winkler berichtet als freie Autorin für WELT regelmäßig über Familienthemen, Reise und Popkultur. Jeden Montag erscheint ihr Newsletter „ Läuft bei uns – der Familien-Newsletter (verlinkt auf https://steady.page/de/laeuft-bei-uns-der-familien-newsletter/newsletter/sign_up) “, in dem sie über ihr Leben als Mama schreibt.