Welt 09.02.2026
11:17 Uhr

„Wenn Sie anfangen mit Kreml-Propaganda, dann ist das eine Unterstellung“, sagt Chrupalla zu Miosga


Bei „Caren Miosga“ stellt AfD-Parteichef Tino Chrupalla zentrale Pfeiler der deutschen Außenpolitik infrage. Die Nato ist für ihn kein reines Verteidigungsbündnis, sondern sei getrieben von Interessen. Sein Standpunkt zu Russland veranlasst die Moderatorin zu scharfer Kritik.

„Wenn Sie anfangen mit Kreml-Propaganda, dann ist das eine Unterstellung“, sagt Chrupalla zu Miosga

Mehr wie Trump – oder doch wie Putin? In aktuellen Umfragen liegt die AfD auf Augenhöhe mit der Union. Umso dringlicher stellt sich die Frage nach den außen- und sicherheitspolitischen Positionen der größten Oppositionspartei im Bundestag. Denn der Konflikt um Grönland und der Krieg in der Ukraine setzen die Nato unter Druck, von innen wie von außen. „Ich bin für den Verbleib in der Nato, ganz klar“, sagte AfD-Chef Tino Chrupalla in der ARD-Sendung von Caren Miosga, die wissen wollte, ob US-Präsident Donald Trump als Vorbild für Deutschland dienen könne. Gleichzeitig kassierte Chrupalla dieses Bekenntnis jedoch umgehend wieder und stellte Bedingungen: „Die Nato ist aus seiner Sicht eben kein reines Verteidigungsbündnis“, sondern ein Bündnis, in dem unterschiedliche nationale Interessen aufeinanderträfen. Chrupalla forderte Reformen innerhalb der Allianz und stellte klar, dass die Bündniszugehörigkeit Deutschlands kein Selbstzweck sei. Mit Blick auf einen möglichen Austritt aus der Nato sagte Chrupalla: „Die Möglichkeit muss es immer geben, genauso wie es diese in der EU gibt“. Deutschland zahle hohe Beiträge und investiere erhebliche Mittel in Verteidigung und Rüstung. „Wenn man Einzahler ist, wenn man große Beträge bezahlt, muss man auch ein Mitspracherecht haben.“ Vor allem die sicherheitspolitische Ausrichtung der Nato, insbesondere gegenüber Russland, sieht Chrupalla kritisch. Er sprach sich ausdrücklich gegen eine militärische Eskalations- und Abschreckungslogik aus. „Ich würde nicht immer von Abschreckung reden“, sagte er. Denn: „Ich sehe aktuell nicht, dass Deutschland von Russland bedroht ist.“ Statt Konfrontation plädierte Chrupalla für Dialog und eine neue sicherheitspolitische Ordnung in Europa. Russland müsse wieder stärker eingebunden werden. „Wir sollten Russland wieder als Teil Europas betrachten.“ Denn der Krieg habe aus seiner Sicht Gründe, die vor dem Einmarsch russischer Truppen lägen. „Diese Ursachen begannen nicht erst mit dem Einmarsch der Russen in die Ukraine“, sagte Chrupalla. Als zentralen Faktor nannte er die westliche Bündnispolitik. „Das ist ein Stück weit die Nato-Osterweiterung.“ Als Moderatorin Miosga diese Argumentationslinie als Übernahme russischer Propaganda kritisierte, wies Chrupalla den Vorwurf scharf zurück. „Wenn Sie anfangen mit Kreml-Propaganda, dann wollen Sie eigentlich die Fakten und auch meine Argumente überhaupt nicht mehr hören. Das ist einfach eine Unterstellung“, sagte er. Aus seiner Sicht werde der Begriff genutzt, um seine Positionen pauschal zu diskreditieren, statt sich inhaltlich mit ihnen auseinanderzusetzen. „Es ist nur wichtig, dass Sie bei den Fakten bleiben“, konterte Miosga. Unter diesem Gesichtspunkt ordnete Chrupalla auch die Debatte über die Wehrpflicht ein. Zwar befürwortet die AfD grundsätzlich eine Rückkehr zur Wehrpflicht, knüpft diese jedoch an politische Bedingungen. Solange der Krieg in der Ukraine andauere, solle es keinen entsprechenden Vorstoß geben. Zugleich begründete Chrupalla seine Skepsis mit einem grundlegenden Misstrauen gegenüber der Regierung. „Wir vertrauen dieser Bundesregierung unsere Kinder nicht an“, sagte er. Hintergrund sei die Sorge, dass politische Zusagen nicht eingehalten würden und Deutschland weiter in den Ukraine-Krieg hineingezogen werden könnte. Immer wieder bezog sich Chrupalla in der Sendung auch auf US-Präsident Donald Trump, den er als außenpolitischen Referenzpunkt versteht. Trump stehe für eine Politik, die nationale Interessen konsequent in den Mittelpunkt stelle und internationale Verpflichtungen daran messe. „Ich habe mich auch gefreut, dass er gewählt wurde“, sagte Chrupalla. Trump sei „ja zumindest angetreten, auch mit den Versprechen, America First, also für die Interessen Amerikas einzutreten“. Positiv bewertete Chrupalla zudem Trumps Umgang mit internationalen Konflikten. „Was mir auch sehr gut gefallen hat, muss ich auch ganz ehrlich sagen, wie er versucht hat, den Krieg in der Ukraine zu beenden“, sagte er und fügte hinzu: „Er hat es wenigstens versucht.“ Trotz eingeräumter Enttäuschungen bleibe Trump für ihn ein Beispiel für eine Außenpolitik, die Bündnisse und internationale Ordnungspolitik konsequent nationalen Zielsetzungen unterordnet. Die größte Überschneidung scheint es für AfD-Politiker auf innenpolitischer Ebene zu geben: Der US-Präsident sei unter anderem mit dem Versprechen angetreten, Migration zu begrenzen, sagte Chrupalla, und nannte dies einen zentralen Punkt staatlicher Handlungsfähigkeit. „Wir wollen, dass alle illegalen Migranten dieses Land verlassen – und zwar schnell“, sagte Chrupalla. Dies sei aus seiner Sicht eine Erwartung vieler Bürger. „Darauf warten die Bürger in diesem Land, damit die innere Sicherheit wieder gewährleistet ist.“ Die Kontrolle von Migration und die Durchsetzung geltenden Rechts seien jedoch zentrale Voraussetzungen für Vertrauen in den Staat.