Hamburg verzeichnet 2025 erneut weniger Kriminalität: Nach Angaben der Innenbehörde sank die Zahl der registrierten Straftaten auf 213.596 Fälle – 11.317 weniger als 2024, ein Minus von fünf Prozent. Damit setzt sich der Trend fort, nachdem die Fallzahlen im Vorjahr bereits um vier Prozent zurückgegangen waren. Vorgestellt wurden die Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) von Innensenator Andy Grote (SPD), Polizeipräsident Falk Schnabel und LKA-Leiter Jan Hieber. Parallel zum Rückgang der Delikte verzeichnet die PKS eine höhere Aufklärung: Die Quote lag 2025 bei 49,1 Prozent. Laut Innenbehörde sind damit „in den letzten drei Jahren die höchsten Gesamtaufklärungsquoten seit 1997 erreicht“ worden. Polizeipräsident Schnabel spricht von einem Ergebnis konsequenter Arbeit: „Besonders erfreulich ist, dass wir mit einer Aufklärungsquote von 49,1 Prozent den höchsten Wert seit 1997 erreicht haben.“ Das sei „ein klarer Beleg für die engagierte und professionelle Arbeit“ der Polizei und „für die Wirksamkeit unserer Maßnahmen zur Kriminalitätsbekämpfung und Prävention“. Der Rückgang zeigt sich nach Senatsangaben in allen sieben Bezirken – am stärksten in Harburg (-9,3 Prozent), Mitte (-6,6 Prozent) und Altona (-6,5 Prozent). Als wesentliche Treiber nennt die Mitteilung vor allem weniger Diebstahlsdelikte sowie sinkende Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz – auch im Zusammenhang mit der Teillegalisierung von Cannabis. Gleichzeitig stiegen Fälle von Computerbetrug mittels rechtswidrig erlangter unbarer Zahlungsmittel, unter anderem wegen mehr bargeldloser Zahlungen und „qualitätssichernder Maßnahmen bei der PKS-Erfassung“. Insgesamt registrierte die Polizei rund 64.500 Tatverdächtige; deren Zahl sank, besonders bei unter 21-Jährigen. Auch die Gewaltkriminalität ging zurück: Die Zahl der Gewaltdelikte sank um 5,4 Prozent auf 8.514 Taten. Besonders deutlich seien Gewalttaten im ÖPNV zurückgegangen (rund -12 Prozent). Innerhalb der Gewaltkriminalität stellen gefährliche und schwere Körperverletzungen den größten Anteil; hier wurden 5.954 Fälle registriert (-5,4 Prozent). Raubdelikte gingen um 8,5 Prozent zurück. Schwerpunkt bleiben laut Mitteilung weiterhin St. Pauli und St. Georg – mit hohen Anteilen sowohl bei Raub als auch bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung. Deutlich rückläufig sind zudem Messerdelikte: In 261 Straftaten wurde 2025 ein Messer eingesetzt (2024: 399), in 538 Fällen blieb es bei der Drohung (2024: 867) – laut Senat die niedrigsten Werte seit Beginn der Erfassung 2019. Bei Schusswaffen wurden 262 Taten registriert (-12 Prozent); in 16 Fällen wurde mit einer scharfen Schusswaffe auf Personen oder Gegenstände geschossen (2024: 24). Hamburg verweist dabei auch auf das im Dezember 2024 erlassene Waffenverbot für öffentliche Veranstaltungen wie den Hamburger Dom sowie für den gesamten ÖPNV. Bei Mord und Totschlag weist die PKS 17 vollendete und 49 versuchte Delikte aus; die Innenbehörde ordnet das als „durchschnittliches Niveau der letzten 25 Jahre“ ein. Wohnungseinbrüche sanken auf 2.837 Fälle (-5,7 Prozent). Auch Kfz-Diebstähle gingen zurück, besonders Komplettentwendungen (-34,5 Prozent); als Grund nennt die Mitteilung die Ermittlungsgruppe „Panthera“, die seit August 2024 gegen professionelle Strukturen vorgeht. Bei Sexualstraftaten insgesamt (ohne Kinder- und Jugendpornografie) gibt es einen Rückgang, zugleich stieg die Zahl der Vergewaltigungen um 11,9 Prozent auf 319 Fälle; in mehr als 80 Prozent habe eine Vorbeziehung bestanden. Innensenator Grote zieht insgesamt eine positive Bilanz: „Hamburg ist damit weiterhin eine sehr sichere Stadt und im letzten Jahr noch ein Stück sicherer geworden.“ BDK: „Kein vollständiges Lagebild“ Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Landesverband Hamburg, mahnt jedoch zur Einordnung: „Sinkende Zahlen sind kein vollständiges Lagebild!“ Die PKS bilde nur das polizeilich registrierte Hellfeld ab; nicht erfasst würden Dunkelfeld, digitale Täterstrukturen mit unklarem Tatort oder strukturelle Belastungen in der Strafverfolgung. Der Verband warnt: „Wo nicht angezeigt oder kontrolliert wird, entsteht kein Fall in der Statistik – das bedeutet jedoch nicht automatisch mehr Sicherheit.“ Zudem relativiere die Teillegalisierung von Cannabis einen Teil des Rückgangs: Weniger Strafbarkeit führe „zwangsläufig zu weniger registrierten Straftaten“ – das sei „eine gesetzliche Veränderung, keine kriminalpolitische Trendwende“, so der BDK mit Blick auf gesunkene BtM-Verstöße. Gleichzeitig verweist der Verband auf Verschiebungen bei Betrugsdelikten: Während im Inland registrierte Fälle sänken, stiegen „Auslandstaten“ deutlich; für Betroffene spiele der Täterstandort keine Rolle, „ihre Belastung bleibt real“. Auch den Rekord bei der Aufklärungsquote ordnet der BDK strukturell ein: Der Anteil der Kontrolldelikte liege bei 24,7 Prozent und wirke unmittelbar auf die Gesamtquote. Positiv hebt der Verband hervor, dass erstmals Ergebnisse der SKiD-Bürgerbefragung stärker berücksichtigt wurden, und fordert darüber hinaus „eine transparente Einordnung der Grenzen der PKS“, eine stärkere Verzahnung von Polizei- und Justizstatistik, die dauerhafte Einbindung von Dunkelfeldanalysen sowie eine nachhaltige personelle Stärkung von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft. Die heutige Vorstellung der PKS dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass Statistiken allein keine Sicherheit schafften, erklärte Dennis Gladiator, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion: „Der brutale Mord in Wandsbek hat jüngst erneut auf erschütternde Weise gezeigt, dass jede noch so positiv präsentierte Zahl wertlos ist, wenn der Senat seiner zentralen Aufgabe, dem Schutz von Leben und körperlicher Unversehrtheit, nicht gerecht wird.“ Während sich Innensenator Grote für die Zahlen feiere, erlebten viele Hamburger täglich das Gegenteil. „Rund um den Hauptbahnhof, in St. Georg, im Umfeld des Drob Inn, am Jungfernstieg, im Phoenix-Viertel in Harburg, aber auch an vielen anderen Orten der Stadt, ist das Sicherheitsgefühl massiv beeinträchtigt“, sagte Gladiator. „Offene Drogenszenen, Gewalt- und Begleitkriminalität sowie wiederholte Fälle von Messer- und Schusswaffengebrauch sind das Ergebnis jahrelanger sicherheitspolitischer Versäumnisse. Hamburg braucht einen klaren Kurswechsel.“ Statt Statistikdebatten brauche es endlich konsequentes Handeln: „mehr sichtbare Polizeipräsenz, die Ausweitung von Waffenverbotszonen, einen stärkeren intelligenten Videoschutz und auch die Sicherung von öffentlichen Räumen wie zum Beispiel Bahnhöfen. Vor allem aber gilt unmissverständlich: Einsparungen bei der Polizei darf es unter keinen Umständen geben. Wer in dieser Lage über Kürzungen zu Lasten des Personals oder der Ausstattung nachdenkt, handelt verantwortungslos“, sagte Gladiator.