Nach einer wetterbedingten Flugunterbrechung soll am Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld der Flugbetrieb wieder starten. „Der BER nimmt den Flugbetrieb wieder auf“, sagte eine Sprecherin des Flughafens. Die ersten Maschinen würden aktuell enteist. „Die Enteisung dauert entsprechend den aktuellen Witterungsbedingungen bis zu einer Stunde und damit mehr als doppelt so lange wie üblich.“ Wann genau die ersten Flugzeuge starten und landen können, ließ sie offen. Es komme „weiterhin zu massiven Verspätungen und Flugstreichungen“, führte sie aus. Passagiere sollten regelmäßig ihren Flugstatus prüfen. Die Airlines entscheiden laut Sprecherin letztlich eigenständig, ob die Flüge durchgeführt oder gestrichen werden. Seit Donnerstagabend waren am BER keine Flugzeuge mehr gestartet. Am Freitagmorgen hieß es noch: „Aufgrund von Blitzeis und anhaltendem Eisregen sind aktuell keine Starts und Landungen am BER möglich.“ Der Winterdienst der Flughafengesellschaft habe die Flugbetriebsflächen die gesamte Nacht über mit Enteisungsmittel behandelt. Das habe aber zunächst nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Die Flächen waren weiterhin spiegelglatt. Zum Schutz von Passagieren und Mitarbeitenden sei der Flugbetrieb vorübergehend eingestellt worden, erklärte die Sprecherin. BER: „Fluggäste werden gebeten, ihren Flugstatus zu prüfen“ Ein dpa-Reporter berichtete von vielen Menschen, die sich im Flughafengebäude aufhielten und auf ihre Flüge warteten. Räummaschinen waren auf dem Flugfeld im Einsatz. „Wir dachten ursprünglich, dass wir mit dem Betrieb starten können. Das war aber nicht möglich“, so die BER-Sprecherin gegen 7.30 Uhr. Sobald der Betrieb wieder aufgenommen werde, könnten die Airlines in der Regel entscheiden, ob der Flug noch heute stattfindet, ausfällt oder verschoben wird, erklärte sie. Schon im Laufe des Donnerstags hatte es am Flughafen BER eine Reihe von Problemen gegeben. Blitzeis am Flughafen: Ministerin Hubig nimmt den Zug Die witterungsbedingten Probleme im Flugverkehr haben auch die Pläne von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) und ihrer Delegation durcheinandergebracht. Der KLM-Linienflug, mit dem die Ministerin und ihre Begleiter am Freitag eigentlich von Amsterdam nach Berlin zurückkehren sollten, wurde annulliert. Hubig sowie die Beamten reisten schließlich mit dem Zug von den Niederlanden zurück in Richtung Bundeshauptstadt. Aufgrund von Blitzeis und anhaltendem Eisregen waren seit Donnerstagabend keine Starts und Landungen am BER möglich. Auch am Freitagmorgen blieb der Betrieb zunächst eingestellt. Das Wetter hatte die Planung von Hubig und ihrem Team bereits am Donnerstagmorgen leicht durcheinandergebracht. Die Maschine der Flugbereitschaft, die sie nach Rotterdam brachte, hob mit mehr als einer Stunde Verspätung von Berlin ab. Kaniber: „Bin quasi verhaftet“ Auch Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber strandete am Donnerstagmorgen am Hauptstadtflughafen. Die CSU-Politikerin hatte am Mittwoch in Berlin die Messe Fruit Logistica besucht. Wegen Eis und Schnee kam sie nicht pünktlich zurück nach München – ihr Auftritt im Bayerischen Landtag fiel aus. „Es kann doch nicht sein, dass jeder kalte Wintertag und jeder Neuschnee Deutschland aus der Bahn wirft. Es muss sich echt was ändern in unserem Land“, schimpfte Kaniber daraufhin auf Instagram. „Jetzt stehe ich da in Berlin und bin quasi verhaftet wegen a bisserl Schnee und Eisregen“, sagt sie im bayerischen Dialekt. „I mog einfach hoam, heim nach Bayern. Bei uns gibt‘s so was ned!“ Zahlreiche Unfälle, beeinträchtigter Nahverkehr In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg war der Nahverkehr schwer beeinträchtigt. In etlichen Landkreisen rund um Berlin wurde der Busverkehr wegen Blitz- und Glatteisbildung am Donnerstagabend ganz eingestellt. Vielfach galt dies zunächst auch am Freitagmorgen, der Nahverkehr lief nur allmählich wieder an. Auf den Straßen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ereignete sich zudem Unfälle. Bei Klettwitz in Brandenburg starben laut Polizei zwei Menschen, als ein mit fünf Insassen besetztes Auto von der Straße abkam und gegen einen Baum prallte. Zwei Menschen seien sofort tot gewesen, hieß es von der Polizei in Cottbus. Die drei übrigen Insassen kamen verletzt in Krankenhäuser. Glätte spielte demnach bei dem Unfall mutmaßlich eine Rolle, die Ermittlungen zum genauen Hergang liefen aber noch. Zahlreiche Unfälle ereigneten sich seit Donnerstagabend auch auf Autobahnen rund um Potsdam. Auf der A10 zählten die Polizei 28 witterungsbedingte Unfälle mit 19 Verletzten. Fünf der Verletzten kamen in Krankenhäuser. Auf der A2 gab es zehn Unfälle mit Blechschäden. Am Wochenende taut es langsam auf Im Nordosten Deutschlands sind die Unwetterwarnungen aufgehoben worden – dennoch ist laut Deutschem Wetterdienst (DWD) „markante Glätte“ durch gefrierenden Regen möglich. Es komme etwa weiterhin zu Glatteis in weiten Teilen von Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, so der DWD. Die Vorhersage für das Wochenende bringt der Deutsche Wetterdienst auf die Formel: nur noch Kühlschrank, nicht mehr Gefrierfach. Im äußersten Nordosten sei das Abtauen des Eisfachs aber „eine zähe Angelegenheit“, sagte DWD-Meteorologe Oliver Reuter in Offenbach. Was die Menschen dort am Wochenende erwartet: ein Mix aus Schneeregen, Regen und letztem gefrierenden Regen „bei zarten Plusgraden“. In der Mitte Deutschlands erwartet der Wetterdienst am Wochenende zwischen vier und sechs Grad. Nach Süden hin können es sogar über zehn Grad werden. „Wo noch Schnee liegt, beginnt dieser doch rasch zu tauen“, sagte der Meteorologe. Teils zeigt sich sogar die Sonne. Häufig bleibt es aber nebelig bedeckt oder ganztägig trüb. „Das Wochenende präsentiert sich insbesondere im Südwesten und Westen schon fast von seiner vorfrühlingshaften Seite“, schreibt Meteorologin Tanja Egerer vom DWD. Entlang des Rheins sollen die Höchsttemperaturen um die 10 Grad erreichen. Für das Breisgau rund um Freiburg sind am Samstag laut DWD 14 Grad möglich. „Für die neue Woche bestehen noch massive Unsicherheiten in der Prognose“, hieß es am Freitag beim DWD. Manche Modelle zeigten eine erneute Luftmassengrenze mit einem warmen Süden und einem kalten Norden. Man müsse also abwarten, „ob Teile von Deutschland nicht doch wieder zum Gefrierschrank werden“. Auch wenn das Thermometer zwischenzeitlich in Teilen Deutschlands keine Minusgrade mehr anzeigt, ist bei der Glatteisgefahr nicht mit einem schnellen Ende zu rechnen: Der Deutsche Wetterdienst rechnet in der Region Berlin schon für die Nacht zum Samstag mit leichtem Frost und der Gefahr von gefrierendem Sprühregen. Samstagabend sind gebietsweise leichter Schneefall oder Schneegriesel zu erwarten und in der Nacht zu Sonntag erneut Minusgrade mit Glättegefahr. Manche Berliner nutzen ungewöhnliche Methoden, um die glatten Gehwege zu bekämpfen. Ein Kioskbesitzer in Kreuzberg etwa setzte am Morgen einen mit Gas betriebenen Dachpappenbrenner ein, um das Eis auf dem Gehweg wegzuschmelzen. „Eine andere Methode habe ich nicht“, sagte er. Nur Streuen helfe nicht, dann taue das Eis nicht auf.