Die russischen Angriffe auf die Infrastruktur in der Ukraine trotz Minustemperaturen gehören für die Sicherheitsexpertin Claudia Major zur langfristigen Kriegsstrategie: „Russland hat seit 2022 systematisch die Lebensgrundlagen der Zivilbevölkerung zerstört“, sagte die Vizepräsidentin des German Marshall Fund in der ZDF-Sendung Markus Lanz (verlinkt auf https://www.zdf.de/talk/markus-lanz-114) . „Was Russland damit bezweckt, ist einerseits eine Entvölkerung.“ Zugleich nehme Moskau der verbliebenen Bevölkerung damit jede langfristige Perspektive. „Die Lebensgrundlagen werden entzogen, das Land wird in den wirtschaftlichen Ruinen bombardiert.“ Lesen Sie hier alle Informationen zur Ukraine im Liveticker (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6980886bfa531953d5219030/ukraine-krieg-vor-verhandlungen-in-abu-dhabi-trump-wendet-sich-mit-appell-an-putin-liveticker.html) Besonders deutlich werde diese Strategie im Winter. „Es ist kein Zufall, dass in jedem Winter die Energieinfrastruktur zerstört wird“, sagte Major. Der gezielte Entzug von Strom, Heizung und Wasser verschärfe die Lebensbedingungen zusätzlich. Nach Angaben der Welthungerhilfe wurden seit Kriegsbeginn landesweit mehr als 63.000 Einrichtungen der Energieversorgung beschädigt. Der aktuelle Winter stelle eine besondere Belastungsprobe dar. „Der Winter ist einer der härtesten, eben weil schon so viel Infrastruktur kaputt ist“, sagte Major. Die Angriffe nähmen zu, während Reparaturen immer schwieriger würden. „Die Ersatzteile sind irgendwann aufgebraucht, und bei dieser Kälte werden Reparaturen immer schwieriger“, sagte Major. In Gesprächen mit Ukrainern höre sie zunehmend den Satz: „Diesen Winter kriegen wir vielleicht noch hin. Die nächsten wahrscheinlich nicht mehr.“ Russland setze darauf, dass dieser dauerhafte Druck auf die Infrastruktur politische Folgen habe. „Natürlich hofft Russland, die ukrainische Bevölkerung damit zu zermürben, dass sie mehr akzeptiert“, sagte Major. Bislang gehe diese Rechnung jedoch nicht auf. „Das klappt alles noch nicht.“ Die Frage sei deshalb, wie lange die Unterstützung für die Ukraine noch bestehen bleibe. „Russland glaubt, es kann langfristig immer noch gewinnen. Es kann mit einem langen Abnutzungskrieg diesen Krieg gewinnen, weil es glaubt, die Ukraine oder die westliche Unterstützung lässt irgendwann nach“, so Major. Die systematische Zerstörung ziviler Infrastruktur bewertete Major deshalb auch völkerrechtlich eindeutig. „Wir hören das so oft, dass wir gar nicht mehr mitkriegen, dass das Kriegsverbrechen sind“, sagte sie. Vor diesem Hintergrund warnte die Sicherheitsexpertin vor falschen Erwartungen an ein schnelles Kriegsende. Russland gehe weiterhin davon aus, den Krieg langfristig für sich entscheiden zu können. „Die russischen Ziele haben sich nicht verändert“, sagte Major. „Kriege enden, wenn es für die Kriegsparteien attraktiver ist, aufzuhören als weiterzumachen.“ In dieser Situation sei man aber noch nicht. Ein Waffenstillstand ohne belastbare Sicherheitszusagen berge daher erhebliche Risiken, denn ansonsten diene diese Phase nur dazu, um die russischen Kräfte zu regenerieren. „Ohne Sicherheit gibt es keinen Wiederaufbau und keinen demokratischen Reformprozess.“ Doch das, „was für die Ukraine auf dem Tisch liegt, ist Unterstützung, keine Garantie“.