Schon die Bühne wirkt befremdlich. Links steht auf einer Staffelei die Popart-Banane von Andy Warhol – schließlich versteckt der einsiedlerische, alte Autor Krapp im Einpersonenstück die Bananen in verschlossenen Schubladen vor sich selbst, damit er nicht zu viele isst. Warum er sich deshalb auch noch mit dem Bild einer Banane quälen sollte, weiß nur der Regisseur. Rechts ist unverändert eine Eisenbahnbrücke zu sehen, über die dann und wann ein Zug fährt – ein grauer Blick aus dem Fenster, der allerdings die Anmutung eines Bildschirms behält, flach wie eine Flunder. Hinten an der Wand hängen Schreibmaschinen. Auf dem Schreibtisch steht ein Bildschirm. Hinten links geht’s zu einer Art Abstellraum, in dem eine Glühbirne grellt. Krapp geht dort gelegentlich hinein, wenn er etwas holen will. Was vor der hellen Lampe gespielt wird, wenn er zurückkehrt, verblasst im Gegenlicht. Das Tonband wird zum USB-Stick mit Video Da steht also Christian Redl und spielt, bevor er das Band, genauer Spule fünf, aus der Schachtel Nummer drei heraussucht, eine geschlagene Viertelstunde wortlos den alten, schwach gewordenen, einsiedlerischen Schriftsteller und isst eine Banane. Er wirft die Schale neben den Papierkorb. Der Einstieg gelingt Redl fünf Minuten lang sehr gut und weckt Erwartungen. Dann folgen weitere fünf Minuten, in denen es scheint, als wolle hier jemand einen neuen Rekord im Schweigen zu Beginn eines Theaterstückes aufstellen und schließlich weitere fünf, die dazu zwingen, erneut auf die Uhr zu sehen. Das ist bei einem Abend, der insgesamt 50 Minuten währt, glatte Zeitverschwendung. Nach der ersten Viertelstunde geht es eher unerfreulich weiter. Das Band ist ein USB-Stick und enthält keine Tonband-, sondern eine Videoaufzeichnung. Der Regieeinfall, dem grauhaarigen Redl sein jüngeres Ich im Video entgegenzustellen, geht aus drei Gründen nicht auf: Redl hat dieses Video offenkundig nicht vor knapp 40 Jahren aufgenommen, sondern erst für diese Produktion, das bleibt trotz Schminke und dunklem Haar irritierend. Zweitens handelt es sich um ein digitales Schwarzweiß-Dokument. Was denn nun: USB und Farbe oder Fünfzigerjahre und Schwarzweiß. Drittens: Ständig springt der Blick zwischen dem digitalen Redl und dem realen Redl hin- und her, Spannung kommt nicht auf. Zum Schluss isst Krapp seine zweite Banane Redl gelingt es immer wieder mal, für einen Moment so verloren und weltfern zu wirken, wie Beckett vom Alten in seiner Rückschau erzählt. So war auch die Begegnung mit dem jüngeren Ich kurz vor dem eigenen Ende gedacht. Aber die Inhalte, um die es auf dem Band gehen soll, die Erinnerung an den erotischen Moment, auf den das ganze Leben im Rückblick zusammenschnurrt und der es vielleicht wert war, wird hier zur Nebensache. Die aus der Differenz resultierende Energie zwischen der eigenen, jüngeren Stimme auf Band und dem alten Mann kann nicht aufkommen, weil das Bild die Tonspur schlägt. Sätze wie „Ich schließe die Augen und versuche, sie mir vorzustellen“ verlieren an Gewicht. Häufiges Zurückspulen per Fernsteuerung ist auch nicht im Sinne des Erfinders. Dann stellt sich der alte Krapp auch noch eine Kamera mit Leuchtring auf den Schreibtisch, wie sie in der Makro- und Porträtfotografie zum Einsatz kommt. Das ist aber nur eine kleine Remineszenz an Jim Rakete, der ja ein erfolgreicher Fotograf ist. „Das letzte Band“ mit Redl ist sein Regie-Debüt. Zum Schluss nimmt der alte Krapp die Popart-Banane von der Staffelei, unter der sich ein Spiegel befindet. Nun sieht er sich noch einmal als alter Mann. Termine: 14., 15. Februar