Mehr als vier Monate nach dem Messerangriff eines jungen Mannes auf eine Kollegin im unterfränkischen Mellrichstadt hat die Staatsanwaltschaft Schweinfurt Mordanklage erhoben. Die Behörde wirft dem Verdächtigen vor, aus Mordlust und heimtückisch seine 59 Jahre alte Arbeitskollegin getötet zu haben. Das Landgericht Schweinfurt muss nun entscheiden, ob es die Anklage zulässt. Zunächst hatten die Ermittler angenommen, dass der 22-Jährige bei dem Angriff schuldunfähig gewesen sein könnte – dafür sieht ein Sachverständiger allerdings keine Hinweise. Der Beschuldigte gestand die Vorwürfe laut Staatsanwaltschaft ein und gab an, „einen inneren Drang zur Tötung eines Menschen verspürt zu haben. Diesen Drang habe er schon längere Zeit, ihn aber mit dem Konsum von Tabletten und Cannabis (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/cannabis/) eindämmen können“, so die Anklagebehörde. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Verdächtigen Mord, versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor. Der 22-Jährige aus dem thüringischen Meiningen war kurz nach der Tat am 1. Juli zunächst in einem psychiatrischen Krankenhaus untergekommen, weil es Hinweise auf eine psychische Erkrankung gab. Mittlerweile geht der psychiatrische Sachverständige laut Staatsanwaltschaft aber davon aus, dass der Beschuldigte bei der Attacke schuldfähig war. Zum Tatzeitpunkt habe keine relevante psychiatrische Grunderkrankung vorgelegen. Der junge Mann handelte demnach aus forensisch-medizinischer Sicht ohne Einschränkung seiner Schuldfähigkeit. Daher sei der vorläufige Unterbringungsbefehl in einen Haftbefehl umgewandelt worden. Der 22-Jährige befindet sich mittlerweile in Untersuchungshaft, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte. Vor der Tat war der junge Mann den Ermittlern zufolge bereits in einer geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses untergebracht – weswegen, ist öffentlich nicht bekannt. Zwei mutige Männer griffen ein Der Mann arbeitete bis zur Tat beim Stromversorger Überlandwerk Rhön. Laut den Ermittlern überraschte der 22-Jährige seine Kollegin im Büro des gemeinsamen Vorgesetzten und fügte der Frau acht Messerstiche in den Hals- und Brustbereich zu. Als der Vorgesetzte einschritt, soll der Beschuldigte ihn ebenfalls mit acht Messerstichen verletzt haben. Der Angegriffene schwebte danach in Lebensgefahr und überlebte nur aufgrund einer Notoperation. Ein weiterer Mitarbeiter, mit dessen Hilfe es gelang, den Täter zu überwältigen, wurde durch einen Messerstich in den Oberschenkel verletzt. Der junge Mann wohnte zuletzt in Meiningen etwa 20 Kilometer von Mellrichstadt (Landkreis Rhön-Grabfeld) entfernt. Etwa zwei Wochen vor der Tat seien seine Mordfantasien und die Mordlust stärker geworden, berichtete die Staatsanwaltschaft aus der Vernehmung des Mannes. Schließlich habe der 22-Jährige den Entschluss gefasst, irgendeinen Menschen mit einem Messer zu töten. „Nachdem er zunächst kein geeignetes Opfer gefunden habe, sei die Wahl auf seine Arbeitskollegin gefallen. Durch die Tat habe er sich eine innere Befriedigung erhofft“, teilte die Behörde mit. Ein tiefergehender Konflikt mit seiner Kollegin habe nicht bestanden. Die beiden anderen Mitarbeiter habe der 22-Jährige nach eigener Aussage weder töten noch verletzen wollen. Vor der Tat soll sich der Mann mit einem Chatbot darüber ausgetauscht haben, dass er gerne einen Menschen umbringen würde. Ein Chatbot ist ein Computerprogramm, das menschliche Gespräche simuliert, um Anfragen zu bearbeiten, Fragen zu beantworten und Aufgaben zu automatisieren. Laut der „Bild“-Zeitung (verlinkt auf https://www.bild.de/regional/bayern/killer-fragte-vor-dem-mord-chatgpt-um-rat-691ca6f6073d0eb6833e4386) handelte es sich bei dem Chatbot um ChatGPT. Oberstaatsanwalt Markus Küstner sagte der „Bild“, dass der Mann dem Programm auch mitteilte, dass er noch nicht genau wisse, wen er als Opfer auswählen solle. ChatGPT soll sinngemäß geantwortet haben: Such dir einen Arzt! „Davon waren wir selbst positiv überrascht“, so Küstner.