Das Haus Seeblick in Travemünde, über Jahrzehnte ein vertrauter Orientierungspunkt am Brodtener Steilufer, steht vor dem Abriss. Die Abbruchkante ist inzwischen so weit herangerückt, dass das Gebäude selbst zur Gefahr geworden ist. Mitte Februar sollen die Arbeiten beginnen; eine Fachfirma wurde damit beauftragt, wie die Stadt Lübeck mitteilt. Die Behörde spricht von einer Ersatzvornahme. Der Eigentümer war bereits im September 2025 verpflichtet worden, das Wohngebäude bis Jahresende zurückzubauen. Da er der Anordnung nicht nachkam und das Haus inzwischen erhebliche Risiken birgt, lässt die Stadt nun selbst abreißen und stellt die Kosten in Rechnung. Mehr als ein Jahrhundert lang prägte das Haus den oberen Rand des Steilufers. Alten Berichten zufolge lag es bei seiner Errichtung noch rund 100 Meter von der Ostsee entfernt. Seit den 1950er-Jahren fanden dort Jugendfreizeiten statt, später nutzte die Jugendorganisation SJD – Die Falken das Gebäude als Gruppenunterkunft. 2011 übernahmen die Falken das Haus offiziell; damals trennte es noch mehr als zehn Meter vom Kliff. Doch die Erosion rückte stetig näher. Aktuell sollen es etwa vier Meter sein. Im Februar 2024 untersagte die Stadt Lübeck schließlich die Nutzung als Jugendfreizeitheim aufgrund der fortschreitenden Küstenerosion. Seither ist das Haus nicht mehr öffentlich zugänglich; inzwischen gehört es einem Privatmann aus dem Kreis Plön. Das Brodtener Steilufer zählt zu den aktivsten Erosionszonen Schleswig-Holsteins. Wind, Regen und Wellenschlag tragen jährlich spürbar Material ab, etwa einen Meter rückt die Abbruchkante jedes Jahr ins Landesinnere. Der Abstand zum Haus verringerte sich beständig. Ende Januar 2024 stürzte ein Baum in die Ostsee und riss ein Loch in den schmalen Wanderweg vor dem Gebäude – ein sichtbares Zeichen der Instabilität. Kontrollen im Verlauf von 2024 und Anfang 2025 ergaben, dass das Haus nicht mehr zu retten ist. Der Wanderweg wurde im Februar 2025 vollständig gesperrt; im September ordnete die Stadt den Abriss vom Haus Seeblick an.