Wo bis Ende 2020 einer der größten Kohlemeiler Norddeutschlands Rauch in den Himmel blies, wird nun auf erneuerbare Energien gesetzt: Auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Moorburg ist in der Hansestadt der Grundstein für den Hamburg Green Hydrogen Hub gelegt worden. Ab 2027 soll hier eine Elektrolyseanlage mit einer Leistung von 100 Megawatt grünen Wasserstoff produzieren – rund 10.000 Tonnen pro Jahr. Das Projekt gilt als Meilenstein für die Wasserstoffstrategie der Stadt und für die Energiewende in Deutschland. Noch vor zwei Jahren prägten Kessel, Kreislager und ein hoher Schornstein das Bild. „Genau da, wo ich heute stehe, stand der Kamin“, sagte Kirsten Fust, Geschäftsführerin der Hamburger Energiewerke, bei der Zeremonie. Die Hamburger Energiewerke sind einer der beiden Partner, die den Elektrolyseur realisieren. Mit an Bord ist auch das Unternehmen Luxcara. Der Rückbau des Kohlekraftwerks war eine logistische Mammutaufgabe, die auch noch nicht ganz abgeschlossen ist. Doch, um im Zeitplan zu bleiben, wird parallel abgerissen und neu gebaut. Eine 23 Meter hohe Brandschutzwand steht bereits, die Grundplatte für das Elektrolysegebäude wird vorbereitet. Mitte 2026 soll der Elektrolyseur eingebaut werden, die Inbetriebnahme ist für 2027 geplant. Der Elektrolyseur, der von Siemens stammt, verwendet eine Polymer-Elektrolyt-Membran-Technologie (PEM), mit der Wasser entlang dünner Membranschichten in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird. Die Technik gilt als besonders gut geeignet, um für sie Strom zu verwenden, der aus erneuerbaren Energien kommt. Anders als Anlagen, die mit trägen Flüssigkeiten arbeiten und deshalb einen gleichmäßigen Stromfluss benötigen, kann die PEM-Technik schnell hoch- und heruntergefahren werden – je nachdem wie viel grüner Strom gerade zur Verfügung steht. Gut geeignet also, um in Hamburg mit norddeutschem Windstrom betrieben zu werden. Dadurch bekommt der Wasserstoff den Zusatz „grün“. Einsatz dort, wo Strom nicht reicht Der grüne Wasserstoff soll künftig als Energieträger und Rohstoff dienen: für die Stahl- und Chemieindustrie, für Raffinerien, aber auch für den Schwerlastverkehr und die Schifffahrt. Wasserstoff brennt etwa besonders heiß, kann aber auch indirekt verwendet werden, um Energie zu speichern und später wieder abzugeben. Er soll als Gas über das Hamburger Netz HH-WIN und eine geplante Trailer-Verladestation an Kunden geliefert werden. „Die Wasserstofftechnologie ist eine Schlüsseltechnologie für die Dekarbonisierung von Bereichen, die auf andere Art und Weise gar nicht oder nur sehr schwer dekarbonisierbar sind“, betonte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Er verwies auf eine Delegationsreise nach Japan im Jahr 2019, die ihm gezeigt habe, wohin der Wasserstoffweg zu führen habe. In Japan, so Tschentscher, sei die nationale Strategie alle Komponenten der Wasserstoffwirtschaft gleichzeitig zu entwickeln – von der Produktion über die Speicherung bis zur Nutzung. „Das hat mich beeindruckt. Und im Grunde ist das das Konzept, das wir in Hamburg auch verfolgen.“ Die Stadt will nicht nur Wasserstoff importieren oder nutzen, sondern alle Elemente der Wertschöpfungskette vor Ort realisieren – inklusive Produktion im industriellen Maßstab. Der 100-Megawatt-Elektrolyseur ist ein Novum in Deutschland. „Überall redet man über hunderte Megawatt, aber wo ist denn ein erster 100-Megawatt-Elektrolyseur?“, fragte Tschentscher. Bisher liegen die meisten Projekte im einstelligen Megawattbereich. Moorburg soll das ändern – und Hamburg im Wettbewerb der Industrieregionen und Häfen um Wasserstoffprojekte nach vorn bringen. Der Standort im Süden der Hansestadt, der seit Mitte der 1970er Jahre ein Kraftwerk beherbergte, bietet ideale Voraussetzungen: Anschluss an Fernstromleitungen (380-kV-Leitung), Nähe zu Windstrom aus Schleswig-Holstein, Platz für Erweiterungen. Zum symbolischen Baustart setzte Tschentscher zusammen mit Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne), Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) sowie Vertreterinnen der beiden Projektpartner Luxcara und der Hamburger Energiewerke eine Zeitkapsel in den Grundstein ein. Das Projekt wird als IPCEI-Vorhaben („Important Project of Common European Interest“) von Bund und Land gefördert, insgesamt mit rund 154 Millionen Euro. Träger ist die Hamburg Green Hydrogen GmbH & Co. KG, ein Konsortium aus Luxcara (74,9 Prozent) und den Hamburger Energiewerken (25,1 Prozent). „Ohne grünen Wasserstoff wird Hamburg die Energiewende nicht schaffen“, sagte Hamburgs Energiewerke-Chefin Fust. Sie sieht Moorburg als „ausbaufähiges Wasserstoffprojekt“, das weitere Megawatt ermöglicht. Perspektivisch könnte die Leistung auf bis zu 800 Megawatt steigen.