Nach dem Brand in der Neujahrsnacht mit 40 Toten und 119 Verletzten in der Schweiz erheben zwei ehemalige Mitarbeiter der Bar „Le Constellation“ in französischen Medien schwere Vorwürfe gegen die Betreiber. Das Sicherheitskonzept des Etablissements sei demnach äußerst mangelhaft gewesen. „Die Notausgangstür ist abgeschlossen worden, weil sie direkt ins Gebäude führte“, sagte unter anderem Sarah, Ex-Mitarbeiterin, dem französischen Fernsehsender BFMTV. Sie selbst habe stets einen Schlüssel gebraucht, um die Tür zu öffnen, wenn sie nach Hause gehen wollte. „Uns war verboten, sie zu öffnen“, erzählt die Frau weiter über die Tür des Notausgangs. Damit habe es für Gäste faktisch nur eine Fluchtmöglichkeit gegeben – die sehr schmale Treppe. „200 Personen innerhalb von zehn Minuten zu evakuieren, ist für mich völlig unmöglich, weil es selbst bei ein wenig Gedränge an der Treppe schon Staus gab“, erklärte die Ex-Angestellte in dem Interview weiter. Nach der Unglücksnacht wird noch ermittelt, ob der Notausgang tatsächlich verschlossen war. Bislang halten sich die Behörden mit Informationen dazu zurück. Nach Darstellung der Ex-Angestellten hätte eine geöffnete Tür im unteren Bereich gegenüber den Toiletten die Zahl der Opfer verringern können. Sie selbst habe 2023 in der Bar gearbeitet – also nach den Umbauarbeiten. „Danach war alles aus Holz“, erinnerte sie sich. Die Mitarbeiterin bestätigt in dem Gespräch zudem, dass Tischfontänen in den Champagnerflaschen üblich gewesen seien, obwohl dies „schon gefährlich“ sei. Zugleich erklärt sie, dass sie das Risiko damals nicht unbedingt gesehen habe, weil es das „schon seit einer Weile so gab“. Ein ehemaliger Kollege der Ex-Angestellten stützte ihre Aussagen laut BFMTV. Auch er kritisierte, dass der Notausgang teils blockiert oder geschlossen gewesen sei (verlinkt auf https://www.bfmtv.com/international/europe/suisse/incendie-a-crans-montana-deux-ex-employes-du-bar-le-constellation-s-interrogent-sur-les-mesures-de-securite_AV-202601040232.html#:~:text=%22Les%20mousses%20isolantes%2C%20le%20non,deux%20g%C3%A9rants%20fran%C3%A7ais%20du%20bar.) . Zudem sei das Personal nicht eingewiesen worden. Außerdem habe es keinen Zugang zu Feuerlöschern gegeben und auch nur einen anwesenden Sicherheitsmann vor Ort. Den Ermittlungen zufolge wurde die Feuersbrunst im Keller der Bar offenbar durch Tischfontänen ausgelöst, die an Flaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke gehalten wurden. Die Ermittler wollen unter anderem klären, ob das Dämmmaterial an der Decke den Vorschriften entsprach. Laut „NZZ am Sonntag“ (verlinkt auf https://www.nzz.ch/schweiz/schaumstoffmatten-die-toedliche-gefahr-aus-dem-supermarkt-ld.1918606) soll bei Umbauarbeiten Dämmmaterial aus dem Baumarkt verwendet worden sein, das offenbar leicht entflammbar ist. Entsprechend gekennzeichnet war dies jedoch wohl nicht. In der Bar sei es zu einem „Flashover“ gekommen, „der nach ersten Erkenntnissen eine oder mehrere Explosionen zur Folge hatte“, teilte die Gemeinde mit (verlinkt auf https://www.vs.ch/de/web/communication/w/crans-montana-point-de-situation-sur-la-prise-en-charge-des-victimes) . Ein Flashover ist der Moment, in dem aus einem lokal begrenzten Feuer ein voll entwickelter Raumbrand wird – weil sich die Raumluft stark erhitzt und sich unter der Decke eine heiße Rauchgasschicht bildet. Diese Rauchgase strahlen enorme Wärme ab (bis zu 1200 Grad Celsius) und heizen alles im Raum auf. Schließlich kommt es zur Durchzündung. Die Staatsanwaltschaft hatte am Samstag die Eröffnung eines Strafverfahrens wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandverursachung gegen die Verantwortlichen angekündigt. Das französische Eigentümerpaar wehrt sich gegen die Vorwürfe und behauptet, bei Inspektionen sei nichts beanstandet worden. Mittlerweile wurden alle Opfer der Brandkatastrophe identifiziert: Das jüngste Todesopfer war erst 14, das älteste 39 Jahre alt. Die sterblichen Überreste aller Todesopfer wurden inzwischen an die Familien übergeben. 22 der Opfer waren Schweizer, 18 weitere kamen aus dem Ausland, die meisten davon aus Frankreich und Italien; Deutsche waren nicht unter den Toten.