Welt 05.02.2026
07:55 Uhr

Vater des toten Zugbegleiters erleidet offenbar Herzinfarkt – Neue Details zum Tatverdächtigen


Die Tat löste deutschlandweit Entsetzen aus: Ein Zugbegleiter will die Fahrkarten kontrollieren. Er wird attackiert, Tage später erliegt der Schaffner seinen Verletzungen. Nun steht die exakte Todesursache fest. Auch zum Tatverdächtigen gibt es neue Details.

Vater des toten Zugbegleiters erleidet offenbar Herzinfarkt – Neue Details zum Tatverdächtigen

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter bei einer Ticketkontrolle in Rheinland-Pfalz gehen die Ermittler den noch offenen Fragen nach. So werten sie unter anderem Videoaufzeichnungen aus dem Zug aus, in dem es am frühen Montagabend zu der Tat gekommen war. Das genaue Motiv ist weiter unklar, der Verdächtige schweigt bislang. Ein 36 Jahre alter Bahnmitarbeiter hatte in einem fahrenden Regionalexpress nahe Kaiserslautern einen allein reisenden Mann kontrolliert, der kein gültiges Ticket hatte. Nach Angaben der Polizei forderte der Zugbegleiter den 26 Jahre alten Fahrgast deshalb zum Verlassen des Zuges beim nächsten Halt in Homburg auf. Den bisherigen Ermittlungen zufolge schlug der Mann daraufhin den Zugbegleiter zufolge unvermittelt und mehrmals heftig mit den Fäusten. Neue Details zu Täter und Opfer Zugbegleiter Serkan C. verlor das Bewusstsein, musste reanimiert werden und starb eineinhalb Tage später in einer Klinik in Homburg. Todesursache war laut Obduktionsergebnis eine Hirnblutung als Folge von stumpfer Gewalt gegen den Kopf. Ein Messer oder andere Gegenstände seien bei der Tat nicht verwendet worden. Einem Medienbericht zufolge hinterließ der Tod von Serkan C. auch bei dessen Familie Spuren. Wie „ Bild (verlinkt auf https://www.bild.de/regional/rheinland-pfalz/vater-von-totgeschlagenem-schaffner-erleidet-herzinfarkt-69835e1d8e80b703b0c295d1) “ berichtet, erlitt der Vater des Opfers einen leichten Herzinfarkt, als er vom Angriff auf seinen Sohn erfuhr. Demnach sei er ins Krankenhaus gekommen und habe dort einen Bypass bekommen. Serkan C. hinterlässt laut der Zeitung zwei Söhne im Alter von elf und 13 Jahren. Der mutmaßliche Täter, ein Grieche, der nach eigenen Angaben seinen Wohnsitz in Luxemburg hat, wurde kurz nach der Tat in Homburg festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war er der Polizei in Deutschland zuvor nicht aufgefallen, er habe keine Vorstrafen. Angriff in Zug „völlig unübliche Eskalation“ Nach Einschätzung eines Kriminologen lässt sich der Angriff rational nicht erklären. „Das, was wir hier haben, ist eine völlig unübliche Eskalation einer Fahrkartenkontrolle“, sagte Tobias Kulhanek von der Leibniz Universität Hannover der Nachrichtenagentur dpa. Sie sei von außen betrachtet nicht nachvollziehbar, so etwas komme selten vor. Derartige Eskalationen gingen häufig auf psychisch auffällige Täter zurück. Spekulativ denkbar sei etwa eine paranoide Schizophrenie, Betroffene sähen dann mitunter plötzlich beispielsweise nicht mehr einen Zugbegleiter vor sich, sondern den Teufel, den sie glaubten, angreifen zu müssen. Ob das hier so gewesen sei, sei natürlich völlig unklar. Acht Übergriffe pro Tag auf Bahnmitarbeiter Die Tat löste deutschlandweit Entsetzen aus. Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert, forderte einen besseren Schutz für Zugbegleiter. Sie sollten in Regionalzügen immer zu zweit unterwegs sein und nicht allein. Außerdem sollten Bahnmitarbeiter durchgehend Bodycams tragen. Das sind kleine Kameras, die am Körper angebracht werden und aufzeichnen können. Die Deutsche Bahn teilte mit, dass es im Jahr 2025 rein rechnerisch pro Tag acht verbale oder auch körperliche Übergriffe auf Mitarbeiter des Unternehmens gegeben hat. „Die Hälfte der Angriffe betrifft das Zugpersonal im Regionalverkehr. Auf Sicherheitskräfte entfällt gut ein Drittel“, sagte ein Bahnsprecher. „Auch Reinigungskräfte oder Servicekräfte am Bahnhof werden Opfer von Angriffen.“ Es gebe eigens eine App, um solche Taten zu melden. Mehr und mehr Mitarbeitende würden daher mit Bodycams ausgerüstet, sofern diese das wünschten. Die Erfahrungen damit seien positiv. „Sie können Konflikt deeskalieren, wenn ein Angreifer sich auf dem Bildschirm sieht.“ Auch Trainings zur Deeskalation gehörten beispielsweise zur regelmäßigen Fortbildung der etwa 20.000 Bahnmitarbeiter mit Kundenkontakt. „Aber bei einer derart hemmungslosen Gewalt, wie wir sie jetzt erlebt haben, gibt es keinen hundertprozentigen Schutz“, sagte der Bahnsprecher. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte eine fehlende Aufstockung der Bundespolizei im Bahnbereich. „Die Bundespolizei ist rechtlich im Bahnpolizeibereich zuständig, wartet aber seit Monaten auf Verstärkung“, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Jochen Kopelke den Funke-Medien. „Die Bundespolizei ist in Grenzkontrollen und anderen Aufgaben stark gebunden und die Landespolizeibehörden können ebenfalls kaum unterstützen und aushelfen.“ Kopelke forderte sowohl Bund als auch Länder auf, ihre Polizeikontingente aufzustocken. „Mit Blick auf die Sorgen bei Bahnpersonal, Reisenden und Polizei muss die Bundesregierung gemeinsam mit Innenministerkonferenz und Verkehrsministerkonferenz umgehend sofort Maßnahmen beraten und beschließen“, sagte er den Funke-Medien. Der GdP-Chef forderte dabei ein „Sofortprogramm für alle Polizeibehörden“ mit zusätzlich „14 Hundertschaften in der Bereitschaftspolizei der Länder und des Bundes“, um „effektiv, schlagkräftig und flexibel überall in der Bundesrepublik mehr Sicherheit“ zu gewähren.