Welt 26.01.2026
08:53 Uhr

Überlebende von Crans-Montana-Inferno zeigt Narben im Netz – Schweiz reagiert auf Empörung aus Rom


Eleonora Palmieri gehört zu den 100 Verletzten, die die Brandkatastrophe von Crans-Montana überlebt haben. Nun hat sie sich erstmals selbst zu den Erlebnissen in der Silvesternacht geäußert.

Überlebende von Crans-Montana-Inferno zeigt Narben im Netz – Schweiz reagiert auf Empörung aus Rom

Bei dem Brand in der Bar „Le Constellation“ kamen in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben, mehr als 100 Menschen wurden teils schwer verletzt. Eine der Überlebenden ist die Tierärztin Eleonora Palmieri (29) aus Cattolica bei Rimini. Sie hatte gemeinsam mit Freunden den Jahreswechsel in der Bar gefeiert, nun zeigt sie ihre Narben im Netz. In einem Instagram-Post bedankt sich die 29-Jährige nun bei ihrer Familie und ihrem Freund sowie beim medizinischen Personal. „Ein riesengroßes Dankeschön gilt den Ärzten und dem gesamten Klinikpersonal, die mich mit größter Professionalität und Menschlichkeit behandeln“, schreibt Palmieri. Sie kämpfe täglich um ihre Genesung, „aber meine Gedanken sind bei all denen, die es nicht geschafft haben“. Palmieri hatte das Inferno mit schweren Brandverletzungen überlebt und war zur weiteren Behandlung in ein Spital nach Mailand gebracht worden. Zu dem Text veröffentlichte sie mehrere Fotos und Videos. Die Aufnahmen zeigen sie beim Feiern mit ihrem Freund sowie im Spital, darunter Bilder ihres verbrannten Gesichts und bandagierter Arme und Hände. Italien hatte seit der Katastrophe besonders Anteil an dem Schicksal der jungen Frau genommen. Ihre Mutter hatte unter anderem in Medien berichte (verlinkt auf https://www.milanotoday.it/cronaca/eleonora-palmieri-crans-montana-come-sta.html) t, dass Palmierie aufgrund ihrer Verletzungen zeitweise intubiert werden musste. Die 29-Jährige war eines der ersten Opfer, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, weil ihr Freund, der unverletzt geblieben war, sie ins Auto gepackt und sofort zur Notaufnahme gebracht hatte. In einem Interview mit der Zeitung „La Repubblica“ (verlinkt auf https://milano.repubblica.it/cronaca/2026/01/20/news/eleonora_palmieri_intervista_ustionata_crans_montana-425105670/?ref=twhl#google_vignette) sprach Palmieri zudem über die Brandnacht und ihre Flucht aus der Bar. „Wie ich mich gerettet habe? Ich weiß es nicht, mein Überlebensinstinkt hat mich nach draußen gebracht“, sagte die 29-Jährige. „Ich erinnere mich an die Flammen, den Transport ins Krankenhaus, die Haut, die nachgab, und an den Schmerz der Strumpfhose auf den Verbrennungen. Im Gesicht ein schreckliches Gefühl“, sagte sie. Kurz darauf habe sie ein intensives Kältegefühl erfasst. „Dann kam die extreme Kälte, die mich zittern ließ.“ Rückblickend schildert Palmieri den Beginn der Katastrophe. „Es waren viele Menschen da, eine festliche Atmosphäre. Wir waren glücklich.“ Dann aber habe sich die Situation abrupt verändert. „Ich hatte gerade ein paar Schritte über die Schwelle des Lokals gemacht.“ Dann habe die Menge plötzlich angefangen, in Richtung Ausgang zu drängen. Kurz darauf habe sie das Feuer wahrgenommen. „Der Rauch hat die Veranda überflutet, und ich habe diese Feuerzunge gesehen, die die Treppe hinaufstieg.“ Sie habe verzweifelt nach einem Ausweg gesucht. „Ich habe nach einem Fluchtweg gesucht. Die Tür war durch das Gedränge blockiert, die Fenster unmöglich zu zerbrechen. Ich fühlte mich in der Falle“, wird Palmieri von „Il Resto del Carolino“ (verlinkt auf https://www.ilrestodelcarlino.it/rimini/cronaca/eleonora-palmieri-dopo-crans-montana-kxexou84) zitiert. In diesem Moment habe sie geglaubt, nicht mehr entkommen zu können. „‚Ich werde es nicht schaffen‘, habe ich mir gesagt, während diese giftige Luft immer unatmbarer wurde.“ Im Krankenhaus habe sie später gehofft, dass das alles „ein schlimmer Traum“ sei, sagt Palmieri. Zwischenzeitlich sei das Krankenhauszimmer ein wenig ihr Zuhause geworden. „Es gibt Tage voller Erleichterung und Mut, an denen ich das Bedürfnis habe, das, was ich erlebe, mit den Menschen zu teilen, die mir am nächsten stehen“, wird Palmieri weiter zitiert. An anderen Tagen hingegen überwögen Erschöpfung und der Wunsch nach mehr Rückzug. „An anderen Tagen überwiegen die Zerbrechlichkeit und das Bedürfnis nach Stille, an denen ich niemanden hören will.“ Kritik an Freilassung des Bar-Betreibers Unterdessen wird die Kritik an der Entlassung des Bar-Betreibers aus der Untersuchungshaft immer lauter. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin versuchte daher in der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ zu beschwichtigen: „Wir können die Empörung natürlich verstehen“, sagte Parmelin. Allerdings seien die Justizsysteme in der Schweiz und Italien und die Methoden der Ermittlungen unterschiedlich. Auf die Frage, wie er die Freilassung von Bar-Besitzer Jacques Moretti unter Auflagen einschätze, sagte er: „Wir alle (...) messen der Gewaltenteilung und der Nichteinmischung große Bedeutung bei. Es ist nicht Aufgabe der Politik, in unser Justizsystem einzugreifen.“ Italiens Regierung hatte am Samstag die Entscheidung eines Schweizer Gerichts, Bar-Besitzer Jacques Moretti gegen Kaution freizulassen, scharf kritisiert. Sie stelle einen schweren Affront und einen weiteren Schmerz für die Familien der Opfer und die Verletzten dar, hieß es. Man sei „zutiefst empört“. Sechs italienische Teenager waren bei dem verheerenden Brand ums Leben gekommen. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni beorderte den italienischen Botschafter in der Schweiz zurück nach Rom, um „die weiteren zu ergreifenden Schritte festzulegen“. Im „Corriere della Sera“ forderte sie, dass unverzüglich ein gemeinsames Ermittlungsteam gebildet wird, das auch auf die Expertise von Italiens Behörden zurückgreife.