Welt 25.01.2026
13:49 Uhr

Über eine halbe Million Haushalte ohne Strom – Bürger aufgerufen, „sich mit Treibstoff einzudecken“


Von New Mexico bis North Carolina: Ein heftiger Wintersturm ist über den Südwesten und das Zentrum der USA hinweggefegt und hat für Schnee und Eisregen gesorgt. Er führte zu massiven Stromausfällen.

Über eine halbe Million Haushalte ohne Strom – Bürger aufgerufen, „sich mit Treibstoff einzudecken“

Mit klirrender Kälte, Schnee und Eis wütet ein heftiger Wintersturm seit dem Wochenende über weiten Teilen der USA – inzwischen hat er auch die Metropolen an der Ostküste erfasst. Seit Sonntagmorgen schneit es in New York und Washington bei eisigen Minusgraden. Landesweit spürt mehr als die Hälfte der US-Bevölkerung die Folgen des extremen Winterwetters – nach Angaben der Behörden sind das nahezu 190 Millionen Menschen. Die Zahl der Stromausfälle steigt stetig: In den frühen Stunden des Sonntags waren landesweit bereits mehr als 780.000 Haushalte ohne Strom, wie aus Daten des Portals „poweroutage.us“ hervorgeht. Stark betroffen waren zunächst Bundesstaaten im Süden und im Mittleren Westen, wo der Sturm am Freitagnachmittag einsetzte, darunter Texas, Mississippi, Louisiana und Tennessee. Doch auch aus Alabama und Kentucky wurden bereits erste Ausfälle gemeldet. Gleichzeitig warnten die Behörden vor möglicherweise „lang anhaltenden Stromausfällen“ in einigen Landesteilen. Massive Ausfälle waren schon vorab befürchtet worden – etwa durch umknickende Bäume oder weil oberirdische Leitungen durch das Gewicht von Blitzeis brechen können. Seit Tagen warnen US-Meteorologen vor einem der wohl größten Winterstürme der vergangenen Jahre. Zahlreiche Staaten haben den Notstand ausgerufen, um im Ernstfall schneller Hilfsgelder und Personal mobilisieren zu können. Weiße Schneedecke bedeckt New York und Washington In Washington waren die Menschen aufgerufen worden, Taschenlampen bereitzulegen und ihre Handys vorsorglich aufzuladen. Die Büros der Bundesbehörden sollen am Montag geschlossen bleiben. Trotz der angespannten Lage prägten auch fröhliche Winterszenen das Stadtbild: Fotos aus der Hauptstadt zeigten am Morgen Menschen auf Skiern rund um das Kapitol sowie Kinder, die auf Schlitten verschneite Hänge hinabfuhren. In den frühen Morgenstunden wurden in Washington minus neun Grad gemessen, in New York minus zwölf Grad. Nach und nach legte sich eine weiße Schneedecke über die Millionenmetropolen, auch über den Central Park im Herzen New Yorks. Die Schulen der Stadt sollen am Montag geschlossen bleiben. Zudem sollen nach Angaben von NBC News in allen fünf Stadtbezirken Zentren geöffnet werden, in denen sich New Yorker aufwärmen können. Die Straßen blieben am Morgen weitgehend leer, Räumfahrzeuge waren im Dauereinsatz. Schnee, Eis und ungewöhnlich Kälte Aus dem Ort Crested Butte in Colorado – früher eine Bergbausiedlung und heute ein beliebtes Wintersportziel – meldete CNN 58 Zentimeter Schnee. In Teilen Oklahomas fielen demnach bis zu 20 Zentimeter. Einige nutzten das winterliche Wetter für Freizeitaktivitäten: Der Sender zeigte Bilder von Menschen in Oklahoma, die sich bei Schlittenfahrten vergnügten. Besonders gefährlich sei der gefrierende Regen, der in Teilen von Louisiana eine etwa zwei Zentimeter dicke Eisschicht verursacht habe, hieß es bei CNN. Auch in Mississippi wurde vor Eisablagerungen gewarnt. Große Herausforderungen für Reisende – Tausende Flüge gestrichen Die Witterung führte nach Angaben der Behörden zu erheblichen Verkehrsbehinderungen und Straßensperrungen, von denen einige mehrere Tage andauern könnten. Menschen wurden aufgerufen, ihre Wohnungen möglichst nicht zu verlassen und das Auto stehenzulassen. Zudem wurden mehr als 4000 Flüge am Samstag gestrichen, für ‍Sonntag waren es nach Angaben des Flugverfolgungsdienstes FlightAware bereits mehr als 9400. Große Fluggesellschaften warnten die Passagiere vor plötzlichen Flugplanänderungen. Delta Air Lines teilte mit, sie verlege Experten aus ihren nördlichen Drehkreuzen in den Süden. JetBlue strich bis Montag rund 1000 Flüge, und auch United Airlines ⁠sagte vorsorglich Verbindungen ab. „Es ist ein einzigartiger Sturm, weil er so weiträumig ist“, sagte die Meteorologin Allison Santorelli vom „National Weather Service“ in einem Telefoninterview. „Er betrifft Gebiete von New Mexico und Texas bis nach Neuengland, also ein Gebiet von rund 3.200 Kilometern.“ Auch wenn Eis und Schnee aufhören, bleibe die Gefahr bestehen, warnte sie. „Hinter dem Sturm wird es im gesamten östlichen Teil des Landes, östlich der Rocky Mountains, bitterkalt werden.“ Das bedeutet, dass Eis und Schnee nicht so schnell schmelzen werden, was die Wiederherstellung der Stromversorgung und anderer Infrastruktur behindern könnte. In New York City sagte Bürgermeister Zohran Mamdani (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6957ed6924b6e14cd22369d8/new-yorks-neuer-buergermeister-kaum-im-amt-laesst-mamdani-seiner-israel-kritik-taten-folgen.html) , dass am Samstag mindestens fünf Menschen starben, als die Temperaturen vor dem Einsetzen des Schneefalls stark sanken. „Obwohl es noch zu früh ist, die Todesursachen festzustellen, erinnert uns dies daran, dass New Yorker jedes Jahr der Kälte zum Opfer fallen“, schrieb er auf X. „Die Gefahr dieses Wetters kann nicht genug betont werden.“ US-Präsident Donald Trump bezeichnete den ⁠Sturm als „historisch“ und genehmigte für zwölf Bundesstaaten den Katastrophenfall. Heimatschutzministerin Kristi Noem sagte, Zehntausende Menschen im Süden hätten keinen Strom mehr. Die Versorger arbeiteten daran, ‍die Versorgung so ⁠schnell wie möglich ‌wiederherzustellen. Sie rief die ‌Amerikaner zur Vorsicht auf. „Es ‌wird sehr, sehr kalt werden“, sagte Noem (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6974fd971846e05b54a3f2e8/usa-strassenschlachten-eskalieren-ice-beamte-erschiessen-mann-in-minneapolis.html) . „Wir rufen alle dazu auf, sich mit Treibstoff und Lebensmitteln einzudecken, und wir werden das ‍gemeinsam ⁠durchstehen.“