Amerika erhöht angesichts des gewaltsamen Vorgehens der iranischen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten den wirtschaftlichen Druck auf das Regime in Teheran. US-Präsident Trump verkündet am Montagabend, alle Handelspartner des Iran mit Strafzöllen in Höhe von 25 Prozent für alle Geschäfte in den USA zu belegen. Das kündigte Trump auf der Online-Plattform Truth Social (verlinkt auf https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/115884319075881590) an. „Mit sofortiger Wirkung wird von allen Ländern, die mit der Islamischen Republik Iran Geschäfte tätigen, ein Zoll von 25 Prozent auf alle Transaktionen mit den Vereinigten Staaten von Amerika erhoben“, schreibt der US-Präsident. „Diese Anordnung ist endgültig und unanfechtbar.“ Eine Stellungnahme des Irans lag zunächst nicht vor. Trump will früheren Medienberichten zufolge am Dienstag mit seinen Beratern das weitere Vorgehen in der Iran-Frage erörtern. Zuvor gab das Weiße Haus bekannt, dass Trump weiterhin eine mögliche Militärintervention im Iran erwägt, um das gewaltsame Vorgehen der dortigen Sicherheitskräfte gegen die Massenproteste zu stoppen. Luftangriffe seien „eine der vielen, vielen Optionen“, die für Trump auf dem Tisch lägen, sagte am Montag dessen Sprecherin Karoline Leavitt. Zugleich betonte sie aber auch, dass „die Diplomatie immer die erste Option für den Präsidenten“ sei. Laut Leavitt schlagen iranische Vertreter in Kontakten mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff „einen ganz anderen Ton“ an als in ihren Aussagen in der Öffentlichkeit. Trump sei interessiert daran, diese unter Ausschluss der Öffentlichkeit gesandten Botschaften der iranischen Seite „zu erkunden“, fügte sie hinzu. Konkreter äußerte sich die Sprecherin dazu nicht. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hatte zuvor am Montag gesagt, dass seine Regierung auf einen Krieg vorbereitet sei. Doch fügte er hinzu, dass Teheran zugleich „zu Verhandlungen bereit“ sei. Diese Verhandlungen müssten allerdings „fair sein, mit gleichen Rechten und auf der Grundlage gegenseitigen Respekts“. Trump hatte am Sonntag mit der Prüfung „sehr drastischer Optionen“ durch das US-Militär zum Vorgehen gegen den Iran gedroht. Er äußerte sich vor Journalisten an Bord des Präsidentenfliegers Air Force One auf die Frage, ob die Führung in Teheran die von ihm zuvor genannte rote Linie – die Tötung von Demonstranten – überschritten habe. „Es sieht so aus, als würden sie damit beginnen“, sagte er. Am Montag sagte Leavitt dann, Trump wolle nicht sehen, dass „Menschen auf den Straßen von Teheran getötet werden, und leider ist das etwas, was wir jetzt sehen“. Nach jüngsten Angaben der in Norwegen ansässigen Menschenrechtsgruppe Iran Human Rights (IHR) wurden bei den Einsätzen der Sicherheitskräfte gegen die regierungskritischen Proteste bereits mindestens 648 Demonstranten getötet, darunter neun Minderjährige. Einigen Schätzungen zufolge gebe es sogar mehr als 6000 Todesopfer, teilte die Organisation am Montag mit. Teheran bestellt europäische Botschafter ein Das iranische Außenministerium hat unterdessen die diplomatischen Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Italiens und Großbritanniens einbestellt. Die Botschafter oder Geschäftsträger der Länder seien am Montagmorgen von den iranischen Behörden einbestellt worden, welche die von diesen Ländern öffentlich geäußerte Unterstützung für die iranischen Demonstranten bedauert hätten, berichtete das Staatsfernsehen unter Berufung auf eine Erklärung des iranischen Außenministeriums. „Wir bestätigen die Einbestellung europäischer Botschafter“, teilte das französische Außenministerium der Nachrichtenagentur AFP mit. Die Proteste im Iran hatten vor zwei Wochen begonnen und richteten sich zunächst gegen die wirtschaftliche Lage. Inzwischen weiteten sie sich zu Massendemonstrationen gegen die Führung in Teheran aus. In Deutschland forderten Vertreter von Regierungs- und Oppositionsparteien am Montag härtere Sanktionen gegen den Iran. Zudem wurden Rufe nach einer Einstufung der iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation auf EU-Ebene laut. Wadephul: Iranisches Regime hat keine Legitimität mehr Bundesaußenminister Johann Wadephul hat unterdessen dem iranischen Regime angesichts seines Vorgehens gegen die Demonstranten das Recht auf politische Führung abgesprochen. „Wir hören, dass Menschen, wie in der Vergangenheit, nicht nur gefangen genommen werden und schrecklicherweise gefoltert werden, sondern dass auch Schüsse fallen. Es gibt eine große Zahl von Toten“, sagte Wadephul nach einem Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio am Montag in Washington. „Und es zeigt einmal mehr: Dieses Regime hat offensichtlich keine Legitimität mehr, keine Unterstützung mehr im iranischen Volk.“ „Wir fordern das Regime auf, diese Maßnahmen sofort zu unterlassen“, sagte Wadephul weiter. Die Bundesregierung werde alle Möglichkeiten nutzen, weitere Sanktionen gegen die Führung in Teheran zu verhängen. Dazu gehöre auch, Teile des Regimes auf die Terror-Liste der Europäischen Union zu setzen. Dafür setze sich Deutschland ein, und er fordere alle EU-Staaten auf zu prüfen, „ob wir hier nicht doch zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen können“. Für einen solchen Beschluss ist in der EU Einstimmigkeit erforderlich. Die internationale Gemeinschaft müsse jetzt klarmachen: „Wir sind solidarisch mit dem iranischen Volk.“ Angesichts des gewaltsamen Vorgehens gegen die Demonstranten untersagte das EU-Parlament wiederum allen iranischen Diplomaten und Vertretern den Zutritt zu seinen Gebäuden. Sie habe beschlossen, „sämtliches diplomatisches Personal und alle anderen Vertreter der Islamischen Republik Iran von sämtlichen Räumlichkeiten des Europäischen Parlaments auszuschließen“, erklärte Parlamentspräsidentin Roberta Metsola am Montag im Onlinedienst X. „Dieses Haus wird nicht dazu beitragen, ein Regime zu legitimieren, das sich durch Folter, Repression und Mord an der Macht hält“, fügte Metsola hinzu.