Vor der dänischen Insel Anholt ist ein toter Wal entdeckt worden. Das Tier liege etwa 75 Meter vor der Küste und sei vermutlich bereits seit einiger Zeit tot, berichtete die Nachrichtenagentur Ritzau unter Berufung auf die Umweltbehörde Miljøstyrelsen. Unklar ist, ob es sich um den Wal handelt, der Ende März erstmals vor Timmendorfer Strand gestrandet war und rund einen Monat später in den Skagerrak (Nordsee) transportiert worden war. Nach Einschätzung eines örtlichen Naturaufsehers handelt es sich vermutlich um einen Buckelwal. Das Tier sei schätzungsweise 10 bis 15 Meter lang, sagte er dem Sender TV 2 Østjylland. Derzeit gibt es nach Angaben des „Stranded Marine Mammal Emergency Response Team“ (deutsch: „Notfallteam für gestrandete Meeressäugetiere“) und der Umweltschutzbehörde keine Pläne, den Wal zu bergen. Das könne sich ändern, falls der Kadaver näher an die Küste treibe, hieß es weiter. Bei Niedrigwasser soll laut der dänischen Zeitung „ Ekstra Bladret (verlinkt auf https://ekstrabladet.dk/nyheder/samfund/hval-strandet-ved-anholt/11178444) “ am Freitag versucht werden, dem Wal eine Gewebeprobe zu entnehmen. Unterdessen rät die dänische Umweltschutzbehörde dringend davon ab, sich dem Wal zu nähern. Der Kadaver könne Krankheiten übertragen, die auf den Menschen übertragbar sind, und es besteht auch die Gefahr einer Explosion, da sich Gas in toten Tieren ansammelt. Die Zeitung berichtet weiter, dass bereits Ende Januar und Anfang Februar mehrere Wale kurz nacheinander an verschiedenen Orten in Dänemark gestrandet sind. Bei den Tieren handelte es sich um Pottwale. Die Tierschutzorganisation Stranded no more veröffentlichte auf X unterdessen einen Beitrag, der zeigen soll, warum es sich nicht um den vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal handelt. Dazu seien Videoaufnahmen von der rechten Brustflosse der beiden Tiere ausgewertet worden. „Der tote Buckelwal hat deutlich schwarze Pigmentierungsmarkierungen auf dieser Flosse, die Bucki/Hope/Timmy nicht hat“, schreibt die Organisation auf X. Noch immer kein Lebenszeichen vom Buckelwal Unterdessen fehlt gut eine Woche nach der Freilassung des in der Ostsee gestrandeten Buckelwals laut dem Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns weiterhin ein Lebenszeichen des Meeressäugers. „Bislang liegen dem Ministerium keine belastbaren, unabhängig überprüfbaren Positions- oder Telemetriedaten vor“, teilte ein Ministeriumssprecher mit. Eine rechtliche Möglichkeit, die Herausgabe zu erwirken, werde derzeit geprüft (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article69fc974d30e98e4ac324d78e/wo-ist-wal-timmy-umweltministerium-erwaegt-rechtliche-schritte-gegen-retter.html) . Ob von der Behörde jemand oder Backhaus selbst Richtung Anholt fahren werde, sei zunächst unklar, sagte ein Sprecher am Morgen der Deutschen Presse-Agentur. Das solle im Laufe des Vormittags besprochen und entschieden werden. Der Sprecher vermutete, dass es keine schnelle Identifizierung des Tieres geben werde. „Ich gehe davon aus, dass am Vormittag das Rätsel noch nicht gelöst wird.“ Die Insel Anholt liegt mitten im Kattegat – in dem Gewässer zwischen Dänemark und Schweden. Den Angaben zufolge fährt nur einmal am Tag eine Fähre auf die Insel. Der Wal war nach einer spektakulären privaten Rettungsaktion aus einer flachen Bucht der Insel Poel vor Wismar in ein geflutetes Transportschiff bugsiert, in die Nordsee gefahren und dort am Morgen des 2. Mai ins Meer entlassen worden. Unmittelbar danach wurden Bilder eines Wals veröffentlicht, der in unmittelbarer Nähe des Transportschiffs eine Fontäne ausstößt und dann abtaucht (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article6a006a67419773c332a8354b/schwierige-bilanz-experten-warnten-fans-hofften-politiker-handelten-und-der-buckelwal-verschwand.html) . Der Wal war etwa 70 Kilometer vor dem norddänischen Skagen freigesetzt worden. Tierschutzorganisationen und Wissenschaftler schätzten die langfristigen Überlebenschancen des Wals übereinstimmend als gering ein. Skagen liegt etwa 130 Kilometer Luftlinie entfernt von der Fundstelle des jetzt gestrandeteten Wals. Bürgermeister von Poel: Geschehen aufarbeiten Der Wal in der Ostsee hatte bis auf eine kurze Unterbrechung rund drei Wochen vor Poel im flachen Wasser festgelegen. Der neue Inselbürgermeister Florian Lechner, der am Abend in sein Amt eingeführt werden soll, will das von einem großen Medienrummel begleitete Geschehen mit den Einwohnern aufarbeiten. Das Schicksal des Tieres lasse niemanden kalt, erklärte er. „Zugleich habe ich wahrgenommen, dass in der öffentlichen Diskussion die Perspektive der Insel und der Menschen vor Ort teilweise zu kurz gekommen ist: Betriebe mit erheblichen Umsatzeinbußen, Acker und Naturschutzgebiete, die zertreten und beschmutzt wurden, verunsicherte Anwohner und eine Inselgemeinschaft, die mit einer Ausnahmesituation umgehen musste.“ Kritische Sicht auf Denkmal für Wal Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) (verlinkt auf https://www.welt.de/kultur/article69fe0208591d4b3b0b71a10a/trump-praesident-enthuellt-fitness-geheimnis-ungefaehr-eine-minute-am-tag.html) hatte ein Denkmal für den Wal auf Poel ins Gespräch gebracht. Das wird auf der Insel eher kritisch gesehen, wie Lechner berichtet. In vielen Gesprächen vor Ort höre er „sehr deutlich“, dass es auf Poel derzeit dringendere Aufgaben gebe und öffentliche Mittel vor allem dort eingesetzt werden sollten, wo sie den Menschen auf der Insel unmittelbar helfen. „Ich bin offen für Gespräche mit den Verantwortlichen“, so Lechner. Er werde aber immer darauf achten, dass die Interessen der Insel und ihrer Bürgerinnen und Bürger im Mittelpunkt stehen.