Nach erneuten Angriffen auf Polizeibeamte und Rettungskräfte in der Silvesternacht hat CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann eine schnellere Verurteilung der Täter gefordert. „Die Täter müssen mit einer schnellen Verurteilung innerhalb weniger Tage rechnen“, sagte Linnemann am Donnerstag „Bild“. Er fordert: „Wer Retter angreift, hat den Respekt vor wirklich allem verloren.“ Weiter sagte der CDU-Politiker: „Was jetzt wirklich keiner mehr hören kann, sind die immer wiederkehrenden Rufe nach härteren Strafen. Viel wichtiger sind schnelle Verfahren.“ Dazu müssten die so genannten beschleunigten Verfahren in Deutschland ausgebaut werden. Ähnlich äußert sich die Polizeigewerkschaft GdP. Bundespolizei-GdP-Chef Andreas Roßkopf forderte mit Blick auf die mehreren hundert Festgenommenen „schnelle Gerichtsverfahren mit konsequenten Strafen“. Roßkopf sagte „Bild“: „Diejenigen Kolleginnen und Kollegen, welche hier den Kopf hinhalten, erwarten das. Es geht nicht mehr nur um Böllerverbote, sondern um schwere Angriffe auf unseren Rechtsstaat.“ Pyrotechnik-Verband spricht von „weitgehend friedlichem Jahreswechsel“ Der Bundesverband Pyrotechnik wies solche Forderungen zurück und sprach von einem „weitestgehend friedlichen Jahreswechsel“, den Millionen von Menschen „fröhlich, friedlich und verantwortungsvoll mit Feuerwerk gefeiert“ hätten. „Auch nach dieser vergleichsweisen ruhigen Silvesternacht werden wir erleben, wie die immergleichen Akteure versuchen, diese in eine Horrornacht umzudichten“, erklärte Verbandsgeschäftsführer Christoph Kröpl. Erste Bilanz aus Berlin um 3 Uhr Die erste Bilanz aus der Hauptstadt war etwa gegen 3 Uhr eingetroffen. Die Silvesternacht in Berlin war nach Einschätzung der Polizei nicht ganz so problematisch verlaufen wie in den vergangenen Jahren. Nicht so problematisch? Insgesamt rund 400 Menschen wurden in der Silvesternacht in Berlin vorläufig festgenommen – zugleich wurden Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr mit Böllern und Raketen angegriffen. 21 Polizisten erlitten Knalltraumata. Dutzende Menschen wurden zudem in der Hauptstadt durch Böllerexplosionen verletzt – darunter acht Kinder im Alter von 7 bis 17 Jahren. Insgesamt behandelte das Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn in der Nacht 30 Patienten wegen der Folgen von Feuerwerkskörpern, sagte eine Kliniksprecherin am Neujahrsmorgen. Alle Ereignisse zu den Silvester-Krawallen lesen Sie in unserem Liveticker (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article6954f7bd50457550bdf4274e/silvester-2025-2026-im-ticker-aggressive-stimmung-und-angriffe-auf-polizisten-mehr-als-100-festnahmen-in-berlin.html) . Darunter waren nach ihren Angaben vor allem Menschen mit schweren Handverletzungen. Teils hätten Finger oder Teile der Hand amputiert werden müssen. Junge Männer, die sich über Raketenbatterien gebeugt hätten, hätten Verbrennungen an Gesicht und Kopf erlitten. Auch Verbrennungen, Gesichts- und Augenverletzungen seien darunter, teilte das Krankenhaus mit. „Besonders schlimm ist aber, dass wieder acht Kinder dabei sind, deren Leben sich durch diese schweren Verletzungen für immer verändert hat.“ Im Berliner Stadtteil Spandau explodierte laut Polizei eine Kugelbombe, ein Mensch wurde dabei leicht verletzt. In Berlin-Moabit sollen sich mehrere Hundert Menschen auf der Straße versammelt haben. Zum Teil soll die Stimmung sehr aggressiv gewesen sein. 4300 Polizisten waren in der Silvesternacht im Einsatz. Dazu kamen 1600 Feuerwehrleute. Ein Feuerwehrsprecher sagte gegen 1 Uhr morgens, es kämen quasi sekündlich Brandmeldungen herein. In der Leipziger Straße in Mitte brannte den Angaben nach eine komplette Wohnung im neunten Stock eines Hochhauses. „Die Polizei Berlin ist während der Silvesternacht konsequent gegen Gewalttäter mit allen rechtstaatlichen Mitteln vorgegangen“, erklärte Berlins Innensantorin Iris Spranger (SPD). „Im nächsten Schritt müssen die Straftaten aus der vergangenen Nacht strafrechtlich schnell und konsequent verfolgt und sanktioniert werden.“ Drei Tote in Baden-Württemberg In Baden-Württemberg sind bei mehreren Bränden drei Menschen ums Leben gekommen. Die Brände hätten sich am Mittwoch in Bonndorf und Lenzkirch im Schwarzwald sowie in Giengen an der Brenz ereignet, wie Innenministerium und Polizei Zwei Tote in Bielefeld, 14-Jähriger verliert seine linke Hand In Bielefeld kamen zwei 18-Jährige am Silvesterabend durch selbst gebaute Pyrotechnik ums Leben. Sie hatten auf einem Spielplatz ihr Feuerwerk gezündet, erklärte die Polizei in der Nacht. Dabei seien sie tödlich im Gesicht verletzt worden. Nach Informationen von „Bild“ steckte einer der jungen Männer gegen 23 Uhr ein selbst gebautes Rohr in den Sand eines Spielplatzes in Bielefeld und befüllte dieses mit Sprengmitteln. Kurz vor 23.30 Uhr habe er die Konstruktion gezündet. Sie explodierte „direkt vor seinem Gesicht“, wie ein Zeuge der „Bild“ sagte. In der Nähe von Rostock in der Gemeinde Reddelich verlor ein 14-Jähriger durch einen explodierten Böller seine linke Hand. Der Junge kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus. In Starnberg versuchte ein 14-Jähriger, den Feuerwerkskörper aus der Hand zu starten. Die Rakete sei noch in seiner Hand explodiert. Der Jugendliche habe offene Wunden und Verbrennungen erlitten und sei in ein Krankenhaus gebracht worden. Nach ersten Erkenntnissen gaben Angehörige dem Jungen die Rakete, obwohl sie ausschließlich von Erwachsene hätte gezündet werden dürfen. Explosion in Bochumer Wohnung – 70-jährige Nachbarin stirbt In einer Wohnung in Bochum hat es eine Explosion gegeben, eine 70-jährige Nachbarin starb kurz später im Krankenhaus. Wie Polizei und Feuerwehr mitteilten, ereignete sich die Explosion um kurz vor 1 Uhr in einer Erdgeschosswohnung. In einer Nachbarwohnung musste eine 70-Jährige von Rettungskräften reanimiert werden, die Frau starb aber anschließend im Krankenhaus. Den Angaben zufolge ist unklar, ob der Tod der Frau mit der Explosion zusammenhängt. Die Ursache der Explosion ist nach Polizeiangaben ebenso noch ungeklärt. Laut „Bild“-Zeitung soll ein mutmaßlicher Bau von illegalen Silvesterböllern der Auslöser gewesen sein. Demnach wurden bei der Wohnungsdurchsuchung mehrere Stoffe gefunden, mit denen Böller hergestellt werden können. Die 48-jährige Bewohnerin der betroffenen Wohnung sowie ihr 46-jähriger Besucher wurden laut Polizei vorläufig festgenommen. Beide blieben unverletzt, ebenso die anderen Bewohner des Hauses. Durch die Druckwelle wurde ein Fenster aus der Verankerung gelöst und fiel auf die Straße. Das Haus ist laut Feuerwehr nun nicht mehr bewohnbar. Die Polizei ermittelt. Auch in Leipzig wurden Einsatzkräfte mit Böllern und Flaschen angegriffen. Im Stadtteil Connewitz sowie am Augustusplatz wurde unter anderem an Haltestellen das Glas beschädigt. Zudem wurden Mülltonnen angezündet. Als die Polizei das Connewitzer Kreuz nach den größten Vorfällen räumen wollte, flogen vereinzelt Glasflaschen. Die Polizisten errichteten unter anderem in dem für Ausschreitungen bekannten Stadtteil Connewitz Absperrungen. Zudem wurde in Leipzig ein 16 Jahre altes Mädchen beim Versuch, einen in Deutschland nicht zugelassenen Silvesterböller zu entzünden, schwer an der Hand verletzt. Die Jugendliche verlor durch die Explosion den kleinen Finger und Teile des Ringfingers, wie die Polizei mitteilte. In Lahr (Ortenaukreis) in Baden-Württemberg verlor ein 42-Jähriger durch die Explosion von Feuerwerkskörpern drei Finger. Der Mann sei von Sanitätern in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte die Polizei mit. Ob die Finger wieder angenäht werden konnten, war zunächst unklar. In Hamburg wurden laut Polizei Passanten und Einsatzkräfte mit Pyrotechnik beworfen. Zehn Polizisten wurden verletzt. Sie konnten ihren Dienst nicht fortsetzen, wie die Polizei mitteilte. Mutmaßliche Täter wurden demnach festgestellt, ob diese auch festgenommen wurden, war zunächst unklar. Auch Feuerwehren sind im Dauereinsatz: Brände wurden in der Nacht aus mehreren Bundesländern gemeldet. So standen Dachstühle in Flammen, es brannten Mülltonnen, Hecken, Autos. Auch in Bremen ist es zu Angriffen auf Polizisten und Feuerwehrleute gekommen. Nach Angaben der Polizei erlitten fünf Polizisten ein Knalltrauma, konnten ihren Dienst aber fortsetzen. Bei einigen Einsätzen musste die Feuerwehr unterstützt werden, weil sie mit Pyrotechnik beschossen wurde. Insgesamt sprach die Polizei in der Hansestadt von einer „arbeitsreichen Nacht“. Es habe Körperverletzungen, unsachgemäßem Umgang mit Feuerwerkskörpern und Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz gegeben. Von 18 Uhr bis 6 Uhr am Neujahrsmorgen sei die Polizei zu 300 Einsätzen ausgerückt. In Hagen in NRW gerieten gleich mehrere Dachstühle in Brand. Das Feuer habe von einem brennenden Baum zunächst auf ein Haus übergriffen, sagte ein Polizeisprecher. Von dort hätten die Flammen die Dächer zweier weiterer Objekte eines Gebäudekomplexes entzündet. Die Gebäude brannten vollständig aus. In Erfurt etwa brannte der Dachstuhl eines historischen Gebäudes. Vermutlich habe eine Rakete die Flammen ausgelöst, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Bei einem Brand eines Mehrfamilienhauses im Landkreis Ludwigsburg (Baden-Württemberg) sind neun Menschen leicht verletzt worden. Das Feuer sei im Flur des Hauses in Korntal-Münchingen ausgebrochen, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Rettungskräfte behandelten die Verletzten vor Ort. Nach Angaben des Sprechers hatten sie Rauch eingeatmet. Die Niederlande erlebten eine Nacht beispielloser Gewalt. Im Nachbarland waren Böller und Raketen zu diesem Jahreswechsel zum letzten Mal erlaubt gewesen. In etlichen Städten musste die Polizei wegen Gewalt sowie Unglücken und Vorfällen mit Feuerwerk ausrücken. In der Großstadt Breda wurden Beamte mit Molotowcocktails und Gehwegplatten beworfen. Bei einem Brand ist ein historisches Kirchengebäude in Amsterdam weitgehend zerstört worden. Laut Behördenangaben brach in der aus dem 19. Jahrhundert stammenden Vondelkirche kurz nach Mitternacht ein Feuer aus, das sich rasch ausbreitete. Bürgermeisterin Femke Halsema sprach von einem „sehr heftigen und schrecklichen Brand“. Der rund 50 Meter hohe Turm des Gebäudes stürzte ein. In der Umgebung wurden zum Schutz der Anwohner zahlreiche Wohnungen evakuiert. Verletzt wurde niemand. Auch in Italien kam es zu einem dramatischen Unfall. Bei der Explosion eines Böllers ist am Silvesternachmittag in einem Randbezirk von Rom ein Mann ums Leben gekommen. Nach Angaben der Rettungskräfte erlitt der Mann schwerste Verletzungen an Gesicht, Oberkörper und einer Hand, die regelrecht weggesprengt wurde. Der Mann verlor demnach viel Blut und starb noch vor Ort. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.