Der Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt ist nach ärztlicher Einschätzung nicht verhandlungsfähig. Das sei die Einschätzung des Anstaltsarztes des Gefängnisses in Burg, in dem der 51-Jährige untergebracht ist, sagte der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg. Taleb al-Abdulmohsen sei im Hunger- und Durststreik. Sein Gewicht sei stark auf 47,6 Kilogramm gesunken, die Vitalwerte verschlechterten sich von Tag zu Tag. Es stehe ein akutes Nierenversagen im Raum. Ein medizinischer Sachverständiger im Gerichtssaal schätze ein, dass der Angeklagte dauerhaft medizinisch überwacht werden müsste. Das Landgericht Magdeburg will den Prozess um den Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt nun ohne den Angeklagten fortsetzen. Der Angeklagte habe die Verhandlungsunfähigkeit vorsätzlich und schuldhaft herbeigeführt, sagte der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg. Die rechtlichen Voraussetzungen dafür, dass ohne den 51-Jährigen weiterverhandelt wird, seien gegeben. Dass der Angeklagte Essen verweigert, spielt seit Beginn des Prozesses am 10. November eine Rolle. Schon am zweiten Verhandlungstag (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article691331b70407e2fef73c9354/zweiter-prozesstag-dann-habe-ich-einfach-gas-gegeben-taeter-schildert-anschlag-in-magdeburg.html) hatte al-Abdulmohsen gesagt: „Jetzt mache ich den Hungerstreik seit gestern. Ich will das drei Wochen machen. Man erwartet keine körperlichen Schäden.“ Nebenklagevertreter hatten eine mögliche Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten immer wieder thematisiert. Der Vorsitzende Richter Sternberg betonte stets, man habe das genau im Blick. Allerdings zeigte sich das Gericht schon an den ersten Verhandlungstagen unbeeindruckt von den Ankündigungen des Angeklagten, Nahrung zu verweigern. „Sie haben es nicht in der Hand, durch Hunger- oder Durststreik die Verhandlung zu verzögern oder zu torpedieren“, betonte Richter Sternberg. Da die Anklage verlesen sei und al-Abdulmohsen Gelegenheit hatte auszusagen, könne die Verhandlung auch ohne ihn fortgesetzt werden, erklärte Sternberg damals. Am 20. Dezember 2024 war der Mann aus Saudi-Arabien mit einem mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Mietwagen mit bis zu 48 Stundenkilometern über den Weihnachtsmarkt gerast. Es starben sechs Menschen, mehr als 300 wurden verletzt. Al-Abdulmohsen hat die Tat gestanden.