Welt 22.11.2025
08:58 Uhr

Thailand hat genug von Sauf-Touristen – und greift mit umstrittenen Regeln durch


Ein Urlaub in Thailand verspricht Abenteuer – und Party. Das asiatische Land ist bekannt für günstige Drinks und Clubs und leider auch: betrunkene und pöbelnde Touristen. Das soll sich nun ändern. Worauf Besucher sich jetzt einstellen müssen.

Thailand hat genug von Sauf-Touristen – und greift mit umstrittenen Regeln durch

Thailand gehört weltweit zu den beliebtesten Urlaubszielen: Allein im Jahr 2024 verzeichnete das Land knapp 35,6 Millionen Touristenankünfte – das waren laut Statista-Angaben (verlinkt auf https://www.statista.com/statistics/994693/thailand-number-international-tourist-arrivals/) fast 6,4 Millionen mehr als in dem Jahr davor. Kein Wunder, denn das Königreich in Asien ist bekannt für seine traumhaften Strände auf Inseln wie Ko Samui und Ko Phi Phi sowie für das pulsierende Leben in der Millionenmetropole Bangkok. Noch dazu sind die Lebenshaltungskosten und das Preisniveau, insbesondere für westliche Besucher, niedrig. Das lockt auch Party-Touristen an. Sie spülen zwar Geld in die Kassen, doch mit ihnen kommen auch die Probleme: Sie sind oftmals betrunken, laut, randalieren und sorgen für Frust bei den Einheimischen. Und all das, obwohl Thailand (verlinkt auf https://www.welt.de/reise/article255278304/Thailand-Urlaub-Hier-sorgt-ein-Ex-Botschafter-fuer-besondere-Erlebnisse-im-Luxus-Urlaub.html) bereits sehr strenge Regeln im Umgang mit Alkohol und Drogen hat. Die wurden bislang allerdings oft nicht konsequent umgesetzt. Mit einigen neuen Regeln will die Regierung des asiatischen Landes nun strikter agieren – und droht mit vergleichsweise hohen Geldstrafen. Alkohol in Thailand: Wer sich an die Regeln nicht hält, muss bis zu 10.000 Baht Strafe zahlen Seit dem 8. November gelten für den Verkauf und Konsum von Alkohol (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/alkohol/) in dem Urlaubsland deutlich strengere Regeln: Der Verkauf, Kauf oder Konsum von Alkohol in nicht lizenzierten Räumlichkeiten ist inzwischen eine Straftat, die mit bis zu 10.000 Baht (umgerechnet etwa 267 Euro) geahndet wird. Das berichten mehrere Medien, unter anderem die britische Internet-Zeitung „ The Independent (verlinkt auf https://www.independent.co.uk/travel/news-and-advice/thailand-alcohol-ban-drinking-fine-b2863488.html) “. Offiziell dürfen nur zwischen elf und 14.00 Uhr sowie zwischen 17 und 24 Uhr alkoholische Getränke in der Öffentlichkeit oder in Privaträumen konsumiert werden. Außerhalb dieser Zeitfenster dürfen Thais und Touristen nur in lizenzierten Gebäuden, etwa einigen Hotelbars oder Restaurants, ein Bier oder einen Wein trinken. Die Behörden betonten laut einem Artikel des Reisemagazins „ Time Out (verlinkt auf https://www.timeout.com/news/has-thailand-really-banned-alcohol-what-to-know-about-the-countrys-strict-drinking-new-rules-111125) “, dass sogar ein Gin-Tonic in den eigenen vier Wänden, einer Ferienwohnung oder einem Hotelzimmer ein Verstoß gegen die Regeln sei. Auch wer sich etwa kurz vor Mitternacht noch ein Getränk gekauft oder bestellt hat und es nach 24 Uhr weitertrinkt, begehe nach dem neuen Gesetz eine Straftat. Nur an einigen Orten, wie bestimmten Hotels (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/hotels/) , Restaurants und Touristengebieten, die als „zugelassene Bereiche“ gelten, darf den ganzen Tag über Alkohol ausgeschenkt werden. Wer sich hier aufhält, hat mit keinen Konsequenzen zu rechnen. Zudem dürfen Influencer (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/blogger-ikonen/) und Prominente nicht mehr für Alkohol werben. Die Regierung hofft, dass die neuen Vorschriften das Wohlbefinden ihrer Bürger und Besucher verbessern werden. Dafür sollen nicht nur die strikten Regeln für Cocktails und Co. sorgen: Zuletzt hat das Land auch die Regeln für Cannabis (verlinkt auf https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/panorama_nt/article256307870/Thailand-will-Cannabis-Regeln-wieder-verschaerfen.html) wieder verschärft, nachdem die Droge im Sommer 2022 weitestgehend legalisiert und entkriminalisiert wurde. Das sorgte dafür, dass an einigen Touristenzielen die Straßen eher einem riesigen Weed-Shop glichen. Das halten die Thailänder von den Anti-Alkohol-Regeln Bislang mussten die Geschäfte, die Alkohol verkaufen durften, auch dafür sorgen, dass er nur zu den erlaubten Zeiten und an den erlaubten Orten getrunken wurde. Doch das passierte in der Realität kaum. Mit dem neuen Gesetz kann nun auch die Polizei (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/polizei/) eingreifen. Bei den Thais selbst, von denen viele durch den Tourismus ihren Lebensunterhalt bestreiten, kommt das nicht so gut an. Sorathep Rojpotjanaruch, Vorsitzender der Thai Restaurant Business Association, kritisierte im Gespräch mit dem thailändischen Onlinemagazin „ The National (verlinkt auf https://www.nationthailand.com/news/general/40058015) “ den Schritt: „Diejenigen, die es unterzeichnet haben, sind sich möglicherweise nicht bewusst, wie viel Schaden es dem Tourismus und der Dienstleistungswirtschaft zufügen wird.“ Zudem schaffe das Gesetz rechtliche Ungleichheit. Große Clubs, Restaurants und Bars hätten dadurch einen klaren Wettbewerbsvorteil. Die Kritik scheint zumindest teilweise angekommen zu sein: So habe der Nationale Ausschuss für Alkoholpolitik laut einem Bericht der „ Bangkok Post (verlinkt auf https://www.bangkokpost.com/thailand/general/3136725/policy-board-lifts-afternoon-ban-on-alcohol-sales) “ inzwischen beschlossen, zumindest das Verkaufsverbot zwischen 14 und 17 Uhr wieder aufzuheben. Das sei unter anderem deshalb notwendig, um die Wirtschaft während der kommenden Festtage anzukurbeln. Vor allem zwischen Neujahr (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/silvester/) und Songkran, dem traditionellen thailändischen Neujahrsfest, kommen viele internationale Touristen ins Land. Wann genau wieder zwischen 14 und 17 Uhr Alkohol verkauft werden darf, steht bisher nicht fest. Die neuen Regeln könnten frühestens 15 Tage nach der öffentlichen Konsultation im Parlament in Kraft treten. Sabine Winkler berichtet als freie Autorin für WELT regelmäßig über Familienthemen, Reise und Popkultur. Jeden Montag erscheint ihr Newsletter „ Läuft bei uns – der Familien-Newsletter (verlinkt auf https://steady.page/de/laeuft-bei-uns-der-familien-newsletter/newsletter/sign_up) “, in dem sie über ihr Leben als Mama schreibt.