Es ist eines der wichtigsten konkreten Ergebnisse des Nordsee-Gipfels, den die Bundesregierung am Montag mit internationalen Gästen in Hamburg veranstaltet hat. Die Netzbetreiber Tennet Germany und National Grid wollen den Grundstein für ein europäisches Stromnetz zur multinationalen Vernetzung von Offshore-Windparks legen. Am Montagabend gaben sie am Rande der europäischen Konferenz ihre Absichtserklärung für das „GriffinLink“ bekannt, das Offshore-Windparks im deutschen und im britischen Teil der Nordsee mit dem Stromnetz im jeweils anderen Land verbinden soll. „GriffinLink ist das erste Projekt seiner Art in Europa und wird ein großer Meilenstein bei der grenzüberschreitenden Energieversorgungssicherheit“, sagte Tim Meyerjürgens, Vorstandsvorsitzender von Tennet Germany. „Gemeinsam mit unserem Partner National Grid zeigen wir, wie wir über nationale Grenzen hinausdenken und Offshore-Windparks so verbinden können, dass ein vernetztes, europäisches Energiesystem entstehen kann. Statt isolierter Einzelprojekte sehen wir künftig immer mehr hybride, grenzüberschreitende Verbindungen im Fokus und brauchen auf diesem Weg klare politische Rahmenbedingungen.“ Solche Projekte, sagte Meyerjürgens, seien „der Schlüssel für eine sichere, effiziente und unabhängige Energiezukunft Europas. Wir stehen bereit, das Kraftwerk Nordsee gemeinsam zu realisieren“. Ben Wilson, Präsident von National Grid Ventures, sagte: „Hybride Interkonnektoren wie GriffinLink sind wichtig, um die effiziente Nutzung von Ressourcen zu maximieren, Kosten zu senken und die Auswirkungen auf Küstenregionen zu minimieren. Projekte wie dieses sind für die Schaffung eines besser koordinierten Offshore-Netzes von entscheidender Bedeutung. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen zügig entwickelt und umgesetzt werden.“ GriffinLink könnte nach Angaben der beiden Unternehmen „voraussichtlich Ende der 2030er Jahre in Betrieb gehen, die Nutzung der Offshore-Windenergie in der Nordsee optimieren sowie dazu beitragen, den Energiebedarf zu decken, der durch die zunehmende Elektrifizierung aufgrund von Dekarbonisierung der Haushalte und der Industrie, Rechenzentren und KI entsteht“. Mithilfe von GriffinLink soll Strom künftig auch direkt zwischen Großbritannien und Deutschland übertragen werden, unabhängig von Offshore-Windparks. Tennet Germany, ein Tochterunternehmen des staatlichen niederländischen Netzbetreibers Tennet, betreibt das größte Höchstspannungsnetz in Deutschland. National Grid ist der staatliche britische Netzbetreiber mit einer Reihe von Tochterunternehmen. Meereswindparks sollen für die Stromversorgung in Europa künftig eine Schlüsselrolle spielen. Die Europäische Union will die installierte Leistung allein auf der Nordsee von heutzutage 33 Gigawatt bis zum Jahr 2050 auf 300 Gigawatt ausbauen und die Windparks zwischenstaatlich vernetzen. Dazu gab es bei der Nordsee-Konferenz am Montag zahlreiche Beschlüsse und Absichtserklärungen von Politik und Wirtschaft. Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit vielen Jahren über den Auf- und Ausbau der Offshore-Windkraft.