Welt 23.01.2026
16:25 Uhr

„Tabus sind wesentlicher Bestandteil von Haltung“ – St. Paulis Klubchef plädiert für WM-Boykott


Sollen Länder wie Deutschland die Fußball-WM in den USA boykottieren? Ist das Verhalten des US-Präsidenten Donald Trump noch tolerierbar? St. Paulis Vereinsboss Oke Göttlich fordert Antworten darauf. Er setzt damit in erster Linie den DFB unter Druck.

„Tabus sind wesentlicher Bestandteil von Haltung“ – St. Paulis Klubchef plädiert für WM-Boykott

Der DFB-Vizepräsident und St.-Pauli-Clubchef Oke Göttlich fordert wegen des Verhaltens von US-Präsident Donald Trump (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/donald-trump/) mindestens eine Diskussion über den Boykott der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko. „Ich frage mich wirklich, wann der Zeitpunkt ist, darüber konkret nachzudenken und zu reden. Und für mich ist dieser Zeitpunkt definitiv gekommen“, sagte Göttlich in einem Interview der „Hamburger Morgenpost“ (verlinkt auf https://www.mopo.de/) . „Was waren denn die Begründungen für die Olympia-Boykotts (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/wm/article6970f0330452f09d7ec5dcb1/trump-und-groenland-stimmen-nach-boykott-der-fussball-wm-werden-lauter.html) in den 1980er-Jahren? Meiner Einschätzung nach ist das Bedrohungspotenzial aktuell größer als damals. Wir müssen diese Diskussion führen.“ Der Präsident des FC St. Pauli lässt auch den Einwand nicht gelten, dass ein Boykott des WM-Turniers (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/article6969e3b86b40895ba7f6f8a0/groenland-konflikt-merz-vertrauter-prescht-vor-droht-boykott-der-fussball-wm-wegen-trump.html) in diesem Sommer auch den eigenen Nationalspielern Jackson Irvine, Connor Metcalfe (beide Australien) und Joel Chima Fujita (Japan) schaden würde. „Das Leben eines Profifußballers ist nicht größer als das Leben von sehr vielen Menschen in verschiedenen Regionen, die derzeit von dem WM-Gastgeber direkt oder indirekt angegriffen oder bedroht werden“, entgegnete der 50-Jährige. „Ich wüsste gern von Donald Trump, wo sein Tabu erreicht ist“, sagt Göttlich Als stellvertretender Sprecher des Präsidiums der Deutschen Fußball Liga (DFL) gehört Göttlich auch dem Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an. In der WM-Frage (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/wm/) scheut er auch einen möglichen Konflikt mit dem DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf und Fifa-Präsident Gianni Infantino nicht. „Katar war allen zu politisch (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/wm/article69469a31b91bae2b754db54b/fussball-wm-2022-gebrochene-versprechen-so-hat-katar-die-welt-belogen.html) und deshalb sind wir jetzt völlig unpolitisch?! Das ist etwas, was mich sehr, sehr, sehr anstrengt“, sagte Göttlich ganz allgemein. „Wir verlernen es als Organisationen und Gesellschaft gerade, Tabus und Grenzen zu setzen und Werte zu verteidigen. Tabus sind ein wesentlicher Bestandteil von Haltung. Ist das Tabu erreicht, wenn jemand droht? Ist das Tabu erreicht, wenn jemand angreift? Wenn Menschen sterben? Ich wüsste gern von Donald Trump, wo sein Tabu erreicht ist, und ich wüsste es gern von Bernd Neuendorf und von Gianni Infantino.“ Göttlichs Klub trifft an diesem Freitagabend (20.30 Uhr, im Sport-Ticker der WELT) (verlinkt auf https://sportdaten.welt.de/fussball/1bundesliga/spiele-und-ergebnisse/) beim insgesamt 113. Stadtderby auf den HSV. Für die beiden Erzrivalen geht es bei der Partie neben Prestige auch sportlich um viel. Während der HSV etwas besser da steht, hat der Tabellenletzte St. Pauli mächtig Druck. (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/article69726e26568b91954b0ebc57/st-pauli-hsv-ein-derby-am-abgrund.html) Der Kiezkub kann den Abstand auf den ungeliebten Rivalen und Tabellen-14. bei einem Sieg auf zwei Punkte verkürzen. In der Hinrunde siegte St. Pauli gegen einen damals überforderten Aufsteiger im Volksparkstadion mit 2:0.