Welt 01.01.2026
10:35 Uhr

„Szenen wie im Krieg“ – Dutzende Tote bei Explosion während Neujahrs-Party in Schweizer Skiort


Hunderte Menschen feiern in einer Bar in einem Schweizer Skiort den Jahreswechsel. Plötzlich kommt es zur Explosion. Die Polizei spricht von Dutzenden Todesopfern. Zeugen berichten, wie Menschen brennend auf die Straße laufen.

„Szenen wie im Krieg“ – Dutzende Tote bei Explosion während Neujahrs-Party in Schweizer Skiort

Sie feierten ausgelassen den Beginn des neuen Jahres, dann passierte das Unvorstellbare: Bei einem verheerenden Brand in einer Bar im Schweizer Luxus-Skiort Crans-Montana sind in der Silvesternacht nach Polizeiangaben mehrere Dutzend Menschen ums Leben gekommen. Etwa 100 weitere Menschen seien bei der Tragödie verletzt worden, teilte ein Sprecher der Kantonspolizei mit. Er sprach von einem „schwerwiegenden Vorfall“. Da Crans-Montana Gäste aus aller Welt habe, seien „wahrscheinlich“ Ausländer unter den Opfern, sagt der Kommandant der Walliser Kantonspolizei, Frédéric Gisler. Man arbeite mit den Botschaften zusammen. Über mögliche deutsche Opfer ist aktuell nichts bekannt. Während der Silvesterparty in der bei Touristen beliebten Bar „Le Constellation“ ereignete sich gegen 1.30 Uhr eine „Explosion unbekannter Ursache“. Das Feuer ist ersten Erkenntnissen zufolge nicht durch eine Sprengsatz-Explosion verursacht worden. Der Brand habe eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer. Mehr als hundert Menschen sollen sich zu dem Zeitpunkt in dem Lokal aufgehalten haben. Die Explosion soll sich laut der Schweizer Zeitung „ Blick (verlinkt auf https://www.blick.ch/schweiz/westschweiz/wallis/silvester-tragoedie-feuer-tragoedie-in-crans-montana-vs-fordert-tote-und-schwerverletzte-id21561097.html) “ im Untergeschoss der Bar ereignet haben, die Platz für bis zu 400 Personen bietet. Ein Tourist aus New York filmte, wie Flammen aus der Bar schlugen. Der Nachrichtenagentur AFP sagte er, er habe gesehen, wie Menschen hinausgelaufen und in der Dunkelheit geschrien hätten. Ein junger Mann spricht gegenüber dem Schweizer „ Tages-Anzeiger (verlinkt auf https://www.tagesanzeiger.ch/crans-montana-rekonstruktion-der-ereignisse-im-le-constellation-895893324708) “ von „Szenen wie im Krieg“. Dichter, schwarzer Rauch sei demnach aus der zerstörten Bar gequollen, Menschen brennend auf die Straße gerannt. Andere hätten reglos am Boden gelegen. Schreie seien durch die Nacht gehallt. Kerzen oder Feuerwerk als Auslöser? Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud betonte ausdrücklich, dass ein Anschlag „absolut ausgeschlossen“ werden könnte. Inzwischen wird über Kerzen oder einen Feuerwerkskörper als mögliche Auslöser spekuliert. Zwei Augenzeuginnen sagten dem französischen Sender BFMTV, das Feuer sei durch Kerzen verursacht worden. Der italienische Botschafter in der Schweiz spekulierte über einen Feuerwerkskörper. „Wir können dazu keine Angaben machen“, sagt Daniel Imboden, Sprecher der Kantonspolizei. „Wie immer wird in alle möglichen Richtungen ermittelt.“ Ein Tourist aus London hat gegenüber einem „Blick“-Reporter berichtet, es habe viel Feuerwerk gegeben, obwohl diese verboten waren. „Dann gab es irgendwann eine sehr laute Explosion. Danach habe ich mehrere Krankenwagen gehört.“ Eine Anwohnerin sagte „24 heures“, einer Zeitung in Lausanne, als sich das Unglück ereignet habe, seien die Silvester-Feierlichkeiten in Crans-Montana „in vollem Gange“ gewesen, der Champagner sei „in Strömen geflossen“. Nach Ausbruch des Feuers sei die sorglose Stimmung in Crans-Montana verflogen und Menschen hätten sich auf den Straßen versammelt. „Wir konnten in der Ferne die Sirenen hören“, schilderte die Anwohnerin. „Die Menschen um mich herum waren fassungslos, besorgt, still.“ Ein weiterer Anwohner sagte der Zeitung, wegen der Silvesterfeuerwerke habe er zuerst nicht verstanden, was vor sich gehe. „Dann haben wir den Rauch gesehen. Es ist furchtbar, viele junge Menschen gehen in diese Bar.“ Flugverbot über Crans-Montana verhängt Der Einsatz dauere derzeit noch an, gab die Polizei bekannt. Das Gebiet sei vollständig gesperrt. Zudem wurde ein Überflugverbot über Crans-Montana verhängt. Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr sowie mehrere Hubschrauber sind demnach am Unglücksort im Einsatz. Auf Flight Radar sei auch zu sehen, dass fast jeder Rettungshelikopter der Schweiz und einer aus Italien im Einsatz sind. Zur Versorgung der Verletzten wurden den Behörden zufolge ​zehn Hubschrauber und 40 Krankenwagen mobilisiert. Für Angehörige wurde eine Notrufnummer eingerichtet. Die meisten Verletzten befänden sich in einem ernsten Zustand, erklärte der Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard. ‍Die Intensivstation des Spitals ⁠Wallis ‌sei voll, Patienten würden ‌in andere Krankenhäuser ‌verlegt. Bundespräsident Guy Parmelin verschiebt seine für Donnerstagmittag geplante Neujahrsansprache. Er tut dies aus Respekt vor dem Leid und der Trauer der Familien der Opfer, schreibt der „Blick“ mit Verweis auf eine E-Mail Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF). Der Staatsrat verhängte eine „besondere Lage“. Wadephul „zutiefst erschüttert“ von Brandkatastrophe Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat mit großer Bestürzung auf die tödliche Brandkatastrophe in der Schweiz reagiert. „Ich bin zutiefst erschüttert über den tödlichen Brand in Crans-Montana in der Silvesternacht“, schrieb Wadephul am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst X. „Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien.“ Mondäner Skiort Crans-Montana liegt im Kanton Wallis und gilt als mondäner Ferienort mit vielen Prominenten. Berühmtester Einwohner war James-Bond-Schauspieler Roger Moore (1927-2017). Der Ort auf etwa 1500 Metern Höhe hat ein großes Skigebiet. Ende Januar finden dort auch Rennen des Ski-Weltcups statt. Über die Feiertage ist der Ort in der Regel ausgebucht. Auf rund 10.000 Einwohner kommen rund 2600 Hotelbetten, davon acht in der Luxuskategorie, und hunderte Ferienwohnungen. Bei rund einer Million Übernachtungen im Jahr kommen nach Angaben der örtlichen Tourismusbehörde etwa 20 Prozent der Gäste aus dem Ausland. Der nächste große Flughafen ist Genf, rund 180 Kilometer nordwestlich.