Welt 03.01.2026
10:14 Uhr

Stromausfall trifft 45.000 Haushalte, auch Heime betroffen – Verdacht auf Brandstiftung


Ein großflächiger Stromausfall hat am Dienstag rund 50.000 Haushalte und 2000 Betriebe im Südwesten Berlins lahmgelegt. Die Feuerwehr ist im Großeinsatz, um Heime zu versorgen. Der Fall erinnert an einen früheren politisch motivierten Anschlag auf die Stromversorgung.

Stromausfall trifft 45.000 Haushalte, auch Heime betroffen – Verdacht auf Brandstiftung

Der große Stromausfall im Südwesten Berlins könnte länger andauern. Eine konkrete Information dazu gab es gegen Mittag jedoch noch nicht. Die Feuerwehr teilte im Internet mit: „Wann die Stromversorgung wieder hergestellt wird, ist noch unklar. Es ist mit einem längeren Ausfall zu rechnen.“ Weiter hieß es: „Stromnetze Berlin arbeitet so schnell es geht an einer Lösung des Problems. Momentan ist nicht absehbar, wie schnell es behoben werden kann. Es muss momentan davon ausgegangen werden, dass der Stromausfall länger andauert.“ Angesichts der winterlichen Minustemperaturen und des möglichen Ausfalls von Licht und Heizungen, die teilweise auch auf Strom für Pumpen oder andere Technik angewiesen sind, riet die Feuerwehr: „Vorsicht beim Umgang mit Kerzen – lassen Sie diese nicht unbeaufsichtigt. Lieber Taschenlampen als Kerzen benutzen! Gasbetriebene Heizgeräte und Einweggrills nicht in Innenräumen benutzen. Wärmen Sie sich mit Pullovern und Decken.“ Rund 45.000 Haushalte betroffen Der Blackout trifft nach Angaben des Betreibers Stromnetz Berlin rund 45.000 Haushalte und 2000 Gewerbebetriebe. Die Zahlen nannte Unternehmenssprecher Henrik Beuster. Betroffen seien die Stadtteile Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde. Ursache sei der Brand einer Kabelbrücke über den Teltowkanal, der mehrere Kabel zum nahegelegenen Kraftwerk Lichterfelde beschädigt habe. Das Feuer sei inzwischen gelöscht. Die Brandursache sei noch unklar, sagte der Sprecher. Polizei und Feuerwehr seien vor Ort. Die Polizei ermittelt wegen Verdachts der Brandstiftung. Ähnliche Dimension wie im September Von der Dimension ist der Stromausfall nach seinen Worten vergleichbar mit einem ähnlichen Fall im September im Südosten Berlins. Auch dort sprach der Betreiber Stromnetz Berlin von zunächst 50.000 Kunden. Der Stromausfall zog sich über Tage hin. Ursache damals war ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article68c120a615695f6010155db6/Berlin-20-000-Buerger-ohne-Strom-SPD-Politiker-vermutet-Insider-Wissen-bei-Saboteuren.html) . Ein Polizeisprecher ist unterwegs zur Brandstelle. Die Polizei wies in sozialen Netzwerken darauf hin, dass durch den Stromausfall auch Mobil- und Festnetzverbindungen beeinträchtigt sein könnten. Einsatzkräfte seien vor Ort. Bewohner sollen wachsam bleiben In dringenden Fällen sollten Menschen die Polizisten direkt ansprechen oder auf die nächste Wache oder Feuerwache gehen. „Bleiben Sie aufmerksam, helfen Sie gegebenenfalls Nachbarinnen beziehungsweise Nachbarn und wählen Sie den direkten Weg zur nächsten Wache, falls ein Notruf nicht möglich ist“, hieß es in einem Post auf X. Stromnetz Berlin hatte auf seiner Webseite zunächst nur die betroffenen Straßenzüge Bürgipfad, Lichterfelder Ring, Silzer Weg und Umgebung genannt und erklärt, die Störung werde voraussichtlich gegen 18.30 Uhr behoben sein. Eine feste Zeit wollte Sprecher Beuster nun nicht mehr nennen. Feuerwehr im Großeinsatz Mehrere hundert Feuerwehrleute und andere Helfer sind im Einsatz. Dazu kommen andere Hilfsorganisationen, die die Bewohner unterstützen. „Wir sind mit der Berufsfeuerwehr dabei, wir haben Freiwillige Feuerwehren alarmiert, das Technische Hilfswerk und weitere Organisationen sind ebenfalls aktiv“, sagte Feuerwehr-Sprecher Vinzenz Kasch. Die Lage sei auch deswegen herausfordernd, weil mehrere Pflegeheime und Krankenhäuser in dem Gebiet mit dem Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf lägen. Die Feuerwehr habe bereits Bewohner und Patienten von zwei Heimen in andere Heime verlegt. Nun werde geprüft, welche weiteren Hilfsmaßnahmen erforderlich seien. Die ganze Lage sei sehr dynamisch. Die Feuerwehr bat Bewohner in dem Gebiet, sich um hilfebedürftige Nachbarn zu kümmern. Gasbetriebene Heizgeräte sollten nicht in Innenräumen benutzt werden. Sollte das Telefonnetz gestört sein, könne man sich in einem Notfall um Hilfe an die nächste Feuerwache oder Polizeiwache wenden. Auch bei Busfahrern könne ein Notruf abgesetzt werden. Berliner in anderen Stadtteilen sollten überlegen, ob Verwandte in den betroffenen Gegenden leben und möglicherweise Hilfe bräuchten.