Welt 06.03.2026
13:19 Uhr

Streit zwischen Ukraine und Ungarn eskaliert – Kreml mischt sich mit Spott ein


Der Streit zwischen der Ukraine und Ungarn spitzt sich zu: Nach Angaben aus Kiew sind Mitarbeiter einer ukrainischen Bank in Budapest festgenommen worden, während sie einen Geldtransporter begleiteten. Der Kreml spottet.

Streit zwischen Ukraine und Ungarn eskaliert – Kreml mischt sich mit Spott ein

In den eskalierenden Streit zwischen Ungarn und der Ukraine mischt sich der Kreml mit spöttischen Kommentaren ein. Es könnte für das Nato-Mitglied Ungarn Zeit sein, um Beistand nach Artikel 5 des Bündnisvertrags zu bitten, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau dem Korrespondenten des russischen Staatsfernsehens, Pawel Sarubin. Peskow bezog sich auf eine Drohung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gegen den ungarischen Regierungschef Viktor Orbán (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article69a9c6a810f264d559775430/ukraine-krieg-selenskyj-droht-orban-mit-ukrainischen-soldaten-ungarn-reagiert-mit-entsetzen.html) . Artikel 5 des Nato-Vertrags besagt, dass ein bewaffneter Angriff auf ein Mitglied als Angriff gegen alle Mitglieder angesehen wird und Beistand geleistet werden soll. Selenskyj hatte Orbán im Streit über einen von Ungarn blockierten EU-Kredit gedroht. „Wir hoffen, dass eine Person in der Europäischen Union die 90 Milliarden Euro nicht blockieren wird und die ukrainischen Kämpfer Waffen bekommen, andernfalls geben wir die Adresse dieser Person unseren Jungs weiter, auf dass sie ihn anrufen und mit ihm in ihrer Sprache reden“, sagte er am Donnerstag in Kiew. Ungarn kritisierte die Äußerung scharf. Streit zwischen Ukraine und Ungarn spitzt sich zu Der Streit zwischen Ungarn und der Ukraine um den Transit von Öllieferungen aus Russland erreichte mit einem Geiselnahmevorwurf aus Kiew in der Nacht zu Freitag eine neue Eskalationsstufe. „Heute in Budapest haben die ungarischen Behörden sieben ukrainische Staatsbürger als Geiseln genommen“, schrieb der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X. Der Vorgang sei kriminell, klagte Sybiha. Bei den Festgenommen handelt es sich um Mitarbeiter einer Staatsbank. Zudem sollen die ungarischen Behörden Geld in Millionenhöhe und Goldbarren konfisziert haben. „Wenn dies die ‚Gewalt‘ ist, die Herr Orbán heute angekündigt hat, dann ist es die Gewalt einer kriminellen Bande. Das ⁠ist Staatsterrorismus ​und Schutzgelderpressung“, erklärte Sybiha mit ‌Blick auf Äußerungen Orbáns vom Donnerstag, in denen er angekündigt hatte, den Streit um die „Druschba“-Pipeline „mit Gewalt“ zu gewinnen. Der ukrainischen Darstellung nach haben die Ukrainer als Mitarbeiter der staatlichen Oschadbank Geldtransporter begleitet. Die GPS-Vorrichtungen der Fahrzeuge seien im Stadtzentrum von Budapest direkt neben dem Gebäude von Sicherheitsorganen geortet worden, teilte die Bank mit. Demnach befanden sich in den Wagen 40 Millionen US-Dollar, 35 Millionen Euro und 9 Kilogramm Gold. Die Wertsachen seien im Rahmen einer Übereinkunft mit der Raiffeisenbank aus Österreich transportiert und entsprechend deklariert worden, heißt es aus Kiew. Die Grundlage der Festsetzung sei unklar. Ungarn spricht von Geldwäsche Die Maßnahme sei im Rahmen eines Strafverfahrens wegen des Verdachts auf Geldwäsche erfolgt, teilte das ungarische Finanzamt (NAV) am Freitag auf seiner Webseite mit. Das unabhängige Nachrichtenportal „telex.hu“ berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, dass Beamte der ungarischen Anti-Terror-Einheit TEK am Donnerstag auf einem Autobahnparkplatz gegen Geldtransporter mit ukrainischen Kennzeichen vorgingen. Demnach hätten die Beamten schwarz gekleidete Männer aus den Autos gezerrt und zu Boden geworfen. Das ungarische NAV bestätigte die Beteiligung der TEK an der Aktion. Die Einheit untersteht informell dem ungarischen Ministerpräsidenten Orbán. Unter den Begleitern sei ein ehemaliger General eines ukrainischen Geheimdienstes gewesen, führte das ungarische NAV weiter aus. „Allein in diesem Jahr hat die Ukraine 900 Millionen US-Dollar, 420 Millionen Euro und 146 Kilogramm Gold durch Ungarn transportiert“, hieß es in der NAV-Mitteilung. Das Amt ging nicht darauf ein, warum es diese Lieferungen nicht schon früher gestoppt hat. Wenige Stunden später teilte das Informationsamt der ungarischen Regierung mit, dass die sieben Begleiter des Geldtransports des Landes verwiesen würden. Bei der Überprüfung ihrer persönlichen Umstände habe sich herausgestellt, dass es sich bei ihnen um ehemalige hochrangige Militärangehörige der Ukraine handle. „Mit Rücksicht darauf“ sei über ihre Ausweisung entschieden worden, hieß es weiter. Streit um Öllieferungen Hintergrund des Skandals ist der Streit zwischen Ungarn und der Ukraine um Öllieferungen aus Russland. Diese liefen bis zuletzt über die Pipeline „Druschba“ (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article69940650f1c55d28ade6a9ea/ungarn-und-slowakei-bitten-um-hilfe-fico-macht-ukraine-schwere-vorwuerfe.html) auch über ukrainisches Gebiet. Nach einer Beschädigung der Pipeline infolge russischer Angriffe forderte die kurz vor der Wahl stehende Regierung in Budapest Kiew zur schnellen Reparatur und Wiederaufnahme des Transits auf. Der ukrainischen Darstellung nach ist eine schnelle Reparatur nicht möglich, was in Ungarn – und auch der benachbarten Slowakei – auf Unglauben stößt. Um den Druck zu erhöhen, hat Ungarn die Vergabe eines Millionenkredits der EU an die Ukraine blockiert, der für das von Russland angegriffene Land überlebenswichtig ist.