Welt 20.11.2025
09:43 Uhr

Starb auch eine Hamburger Studentin an dem Bettwanzen-Gift?


Ermittler vermuten eine Vergiftung durch Chemikalien als Grund für den Tod der Hamburger Familie in Istanbul. Das könnte kein Einzelfall sein, wie der mysteriöse Todesfall einer jungen Erasmus-Studentin aus Deutschland vor einem Jahr nahelegt.

Starb auch eine Hamburger Studentin an dem Bettwanzen-Gift?

Nach dem Tod der Hamburger Familie im Urlaub in Istanbul ziehen türkische Medien Parallelen zum Schicksal einer vor einem Jahr in Istanbul gestorbenen deutschen Erasmus-Studentin. Der Tod der 21-Jährigen war zunächst mit einer Lebensmittelvergiftung erklärt worden, sagte der ihre Familie vertretende Anwalt Ekim Hakeri. Ein erst in diesem August erschienener forensischer Bericht sei jedoch zu dem Schluss gekommen, dass sie mutmaßlich durch Pestizide gegen Bettwanzen vergiftet wurde. Die Staatsanwaltschaft habe diesbezüglich Ermittlungen aufgenommen. Das Mittel zur Bekämpfung von Bettwanzen sei im ersten Stockwerk eingesetzt worden, habe sich in Gas verwandelt und im ganzen Gebäude ausgebreitet, hieß es in dem Bericht. Die Studentin habe im zweiten Stock gewohnt. Nach Angaben der Tageszeitung „Hürriyet“ war die Studentin aus Hamburg. Hotel im Fokus Im Fall der kürzlich in Istanbul verstorbenen Hamburger Familie gingen Behörden ebenfalls zunächst von einer Lebensmittelvergiftung aus. Am Dienstag wurde ein vorläufiger Bericht der türkischen Gerichtsmedizin bekannt. Darin heißt es dem Staatssender TRT zufolge, dass der Tod der vierköpfigen Familie durch eine chemische Vergiftung im Hotel verursacht worden sein könnte. Die Wahrscheinlichkeit einer Lebensmittelvergiftung werde als gering eingestuft. In dem Hotel der Familie im Stadtteil Fatih waren Berichten zufolge vor deren Tod Chemikalien zur Bekämpfung von Bettwanzen eingesetzt worden. Vater ebenfalls beigesetzt Nach den vier Todesfällen in Istanbul ist nun auch der Vater der Hamburger Familie beigesetzt worden. Er wurde neben seiner Frau und den beiden kleinen Kindern in der westtürkischen Provinz Afyonkarahisar beerdigt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. An der Trauerfeier nahmen Verwandte der Hamburger Familie teil, die aus der Türkei stammt. Der Vater der gestorbenen Frau sagte Anadolu, am Donnerstag wäre der sechste Geburtstag seines Enkels gewesen. „Sie wollten mit der Familie Kuchen essen“, sagte er. Mehr Überwachung angeordnet In Reaktion auf den Tod der Familie haben Behörden 24-Stunden-Überwachung für Betriebe angeordnet. Alle Unternehmen seien verpflichtet, Tag und Nacht Audio- und Videoaufnahmen zu machen und diese 30 Tage lang aufzubewahren, teilte das Gouverneursamt der Provinz Istanbul nach einem Treffen zu mehr „Lebensmittelsicherheit“ mit. Ob sich die Regel nur auf Betriebe bezieht, die mit Lebensmitteln arbeiten, ging nicht zweifelsfrei aus der Erklärung hervor. Zudem sollen etwa Straßenhändler vermehrt kontrolliert und Unternehmen im Bereich der Schädlingsbekämpfung überprüft werden.