Welt 18.01.2026
14:48 Uhr

„Sonst wird es auch 2026 keinen echten Aufschwung geben“


Hamburgs Wirtschaft geht gedämpft ins Jahr 2026 – immerhin war ein leichter Stimmungsanstieg zum Jahresende zu verzeichnen. Für den Arbeitsmarkt drohen jedoch Gefahren.

„Sonst wird es auch 2026 keinen echten Aufschwung geben“

Die Hamburger Wirtschaft blickt mit verhaltenem Optimismus, aber überwiegend gedämpften Erwartungen auf das Jahr 2026. Das zeigt das neue Konjunkturbarometer der Handelskammer Hamburg, das am Sonntag vorgestellt wurde. Zwar hellte sich das Geschäftsklima zum Jahresende leicht auf, doch bleiben Investitions- und Personalpläne zurückhaltend. Die Befragung wurde zwischen dem 11. Dezember 2025 und dem 12. Januar 2026 durchgeführt – also noch bevor sich der sich anbahnende Grönland‑Konflikt abzeichnete, der zuletzt zusätzliche geopolitische Unsicherheit ausgelöst hat. Bundesweit fällt das Bild ähnlich fragil aus. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts wuchs die deutsche Wirtschaft im Gesamtjahr 2025 nur moderat. Das Bruttoinlandsprodukt legte demnach um 0,7 Prozent zu, getragen vor allem von einem stabilen Dienstleistungssektor und einer allmählichen Erholung der Exporte. Für 2026 bleiben viele Institute dennoch vorsichtig – auch wegen globaler Risiken und der schwachen Binnenkonjunktur. Der Geschäftsklimaindikator der Handelskammer kletterte im vierten Quartal 2025 auf 88,5 Punkte (Vorquartal: 84,4). Historisch bleibt der Wert jedoch deutlich unter dem langfristigen Mittel von 105,9 Punkten. Mehr als die Hälfte der Unternehmen bezeichnete ihre Lage als „saisonüblich“, ein Viertel als schlecht. Vor allem der Blick nach vorn trübt die Stimmung: Ein Drittel der Unternehmen erwartet verschlechterte Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten, nur 14,6 Prozent rechnen mit einer Verbesserung. Unternehmen planen vorsichtig Die Zurückhaltung spiegelt sich besonders in den Investitions- und Personalplänen. Rund 51,8 Prozent der Firmen wollen 2026 ihr Investitionsniveau unverändert lassen. 26,2 Prozent planen Kürzungen, nur 22 Prozent Aufstockungen. Investiert wird vor allem in den Ersatz bestehender Anlagen und in Rationalisierungsmaßnahmen, weniger in den Ausbau von Kapazitäten oder umweltbezogene Projekte. Auch auf dem Arbeitsmarkt überwiegt Vorsicht: Sechs von zehn Unternehmen rechnen mit einem konstanten Personalbestand, während mehr Betriebe einen Abbau als einen Aufbau planen. Exporterwartungen als einziger Lichtblick Positiv hebt sich einzig die Exportseite ab. Knapp ein Drittel der exportorientierten Unternehmen geht von steigenden Ausfuhren im Jahr 2026 aus. Damit verbessern sich die Exporterwartungen sowohl im Vergleich zum Herbst 2025 als auch zum Jahresbeginn 2025 merklich. Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Malte Heyne fordert von Bund und Ländern Reformtempo und strategische Orientierung. „Unsere Unternehmen erwarten von der Politik starke Impulse für die Zukunft und Mut: Mut zur Vision, Mut zu Reformen, die endlich umgesetzt werden“, sagte Heyne. Ohne beschleunigte Genehmigungen, moderne Infrastruktur und eine wirtschaftsfreundliche Regulierung werde es auch 2026 „keinen echten Aufschwung“ geben. Als größte Risiken nennen die Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (68,2 Prozent), gefolgt von Inlandsnachfrage (57,1 Prozent) und Arbeitskosten (50,9 Prozent).