Der Wasserversorger Hamburg Wasser muss sich auf deutliche Veränderungen beim Niederschlag einstellen. Die Niederschlagsverteilung ändere sich hin zu längeren Trockenphasen und Starkregenereignissen, wie das Unternehmen in seiner Bilanz zum vor wenigen Wochen abgelaufenen hydrologischen Jahr mitteilte. Nach zwei nassen Jahren sei der Niederschlag zwischen dem 1. November 2024 und dem 31. Oktober 2025 mit 746 Millimeter leicht unter dem langjährigen Mittelwert der Jahre von 1991 bis 2020 von 770 Millimetern geblieben, teilte Hamburg Wasser mit. Über die Hälfte des Jahresniederschlags (394 Millimeter) seien in nur drei Monaten gefallen. Die monatlichen Regenmengen schwankten den Angaben zufolge stark von nur fünf Millimetern im Februar bis zu 148 Millimetern im Juli. Nachdem regenreiche Jahre die Grundwasserreservoirs, sogenannte Leiter, gefüllt hätten, habe sich der Aufwärtstrend verlangsamt, sagte der Werkleiter von Hamburg Wasser, Arnd Wendland. „Die Grundwasserstände bewegen sich aktuell seitwärts mit leicht rückläufiger Tendenz.“ Das für die Grundwasserneubildung wichtige Winterhalbjahr sei 20 Prozent trockener gewesen als im Durchschnitt der Referenzperiode. Niederschlagswasser, das nicht verdunstet, abfließt oder von der Vegetation gebraucht wird, sickert durch die Boden- und Gesteinsschichten bis in grundwasserführende Schichten. Grundwasserstände unterliegen natürlichen Schwankungen, die nach Angaben von Hamburg Wasser im Jahresverlauf erheblich sein können. Sie reagieren unterschiedlich schnell auf Witterungseinflüsse. Generell gelte: Je tiefer ein Grundwasserleiter im Untergrund liegt, desto länger ist üblicherweise die Reaktionszeit auf Regen oder Trockenphasen. Hamburg muss sich auf Wetterextreme einstellen Das Muster des abgelaufenen hydrologischen Jahres könnte sich nach Wendlands Einschätzung durch die Folgen des Klimawandels künftig verstärken. „Solche Extreme fordern uns als Trinkwasserver- und Abwasserentsorger gleich doppelt.“ Regenwasser müsse auch bei Starkregen bestmöglich abgeleitet werden. Trinkwasser müsse auch dann ausreichend verfügbar sein, wenn der Wasserbedarf in sommerlichen Trockenphasen besonders hoch werde. Hamburg Wasser plant, die maximale Trinkwasserabgabe von aktuell 460.000 auf 500.000 Kubikmeter pro Tag bis 2030 auszubauen. Neue Wasserwerke sollen dazu nicht gebaut werden. Ein Trinkwasserspeicher von 25.000 Kubikmeter Größe auf dem Gelände des Wasserwerks Curslack soll helfen, den Bedarf zu decken. „Generell ist die Verfügbarkeit von Wasser in Deutschland kein Problem, Engpässe treten meist nur regional und temporär auf“, bewertete der Bereichsleiter für Wasserressourcen-Management am Institut für Wasserforschung in Mülheim an der Ruhr (IWW), Tim aus der Beek, die Situation. „Die Herausforderungen liegen viel mehr im Rückhalt von Wasser im feuchten Winterhalbjahr, um es in den Sommermonaten nutzen zu können.“