Er sah seiner Mutter fast zum Verwechseln ähnlich – vor allem in Frauenkleidung. Ein Fall, der als reale Vorlage für den Hollywood-Klassiker „Mrs. Doubtfire“ mit Robin Williams hätte dienen könne, sorgt derzeit in Italien für Aufsehen. Ein arbeitsloser Krankenpfleger gab sich über Jahre als seine 85-jährige Mutter aus, um weiter ihre üppige Rente beziehen zu können. Dabei lag Graziella Dall'Oglio die ganze Zeit tot in ihrem Zuhause. Über den skurrilen Fall berichteten unter anderem das italienische Medium „ Corriere de la Sera (verlinkt auf https://www.corriere.it/cronache/25_novembre_24/mantova-foto-uomo-madre-morta-pensione-cantina-a0ce1ec0-672e-4c8b-83aa-5e218d299xlk.shtml) “, die mazedonische Zeitung „Freie Presse Doo Skopje“ und die „Bild“-Zeitung. Die Täuschung flog erst auf, als der 56-jährige Sohn ins Rathaus in Borgo Virgilio ging, um den Personalausweis seiner Mutter erneuern zu lassen. Dabei legte sich der Mann richtig ins Zeug, um die Tarnung aufrechtzuerhalten. „Er kam ins Rathaus in einem langen Rock, mit Lippenstift und Nagellack, einer Halskette und altmodischen Ohrringen“, schildert der Bürgermeister von Borgo Virgilio, Francesco Aporti, gegenüber der „ Freie Presse Doo Skopje (verlinkt auf https://www.slobodenpecat.mk/de/italijanec-se-pojavil-prepraven-kako-negovata-pochinata-majka-za-da-prodolzhi-da-ja-zema-nejzinata-penzija/) “. Doch aus der Nähe betrachtet sei der Hals sehr dick gewesen, die Falten hätten seltsam gewirkt und die Haut an seinen Händen habe nicht wie die einer 85-jährigen Frau ausgesehen. Die Stimme sei zwar feminin gewesen, habe sich im Gespräch aber gelegentlich gesenkt und dann männlich geklungen. „Vielleicht wären mir diese seltsamen Gesichtszüge aber gar nicht aufgefallen, wenn man mich nicht darauf hingewiesen hätte“, sagt der Rathauschef. Einer Standesbeamtin, die der angeblichen Graziella Dall'Oglio den neuen Ausweis ausstellen sollte, fielen diese Details aber sehr wohl auf. Sie informierte ihren Vorgesetzten und die Polizei. Die verglich das gerade erst aufgenommene Foto der angeblichen 85-Jährigen mit ihrem alten Passfoto von vor zehn Jahren und stellte fest: Die Ähnlichkeit ist zwar verblüffend, doch handelt es sich nicht um Graziella Dall'Oglio. Die wachsame Standesbeamtin bat daraufhin die angeblich 85-Jährige erneut ins Rathaus – angeblich, um Dokumente zu vervollständigen. Dort wartete aber die Polizei auf den Betrüger in altmodischer Frauenkleidung. Als die Ermittler Graziella Dall'Oglios Sohn eröffneten, sich bei ihm zu Hause umsehen zu wollen, seufzte er laut der italienischen Zeitung: „Nur zu.“ Die Beamten hatten da wohl bereits einen Verdacht, was den Verbleib der älteren Dame betraf. Doch auf den Anblick, der sich im Anwesen von Graziella Dall'Oglio, das die Arztwitwe gemeinsam mit ihrem Sohn bewohnte, waren die Ermittler nicht vorbereitet: In einem Waschraum fanden sie die Leiche der alten Dame – mumifiziert, in ein Laken gewickelt und in einem Schlafsack verstaut. Sohn bezog weiter jährlich 53.000 Euro Rente seiner Mutter Ob Graziella Dall'Oglio eines natürlichen Todes starb oder nachgeholfen wurde, muss nun die Obduktion klären. Klar scheint hingegen der Grund für das Täuschungsmanöver: Der arbeitslose Sohn soll sich aus der Rente seiner toten Mutter ein jährliches Einkommen von rund 53.000 Euro erschlichen haben. Zum Besitz seiner Mutter gehörten außerdem ein Immobilienportfolio mit drei Häusern. Damit war das makabre Schauspiel des Sohnes beendet. Wie Film-Legende Robin Williams (verlinkt auf https://www.welt.de/kultur/article131131498/Robin-Williams-Gooood-Niiiiiight-Robiiiiiin.html) 1993 bereits eindrucksvoll bewies: Für die perfekte Täuschung braucht es ein wenig mehr als Frauenkleidung.