Eine Weihnachtsveranstaltung in Berlin sorgt für Aufsehen und Kritik: Ein Verein lädt zu einer Führung im Weihnachtsgarten der Friedenskirche Charlottenburg ein – unter dem Titel „Decolonizing Christmas“, zu Deutsch: „Weihnachten dekolonisieren“. Die Veranstalter wollen gemeinsam mit muslimischen und christlichen Stimmen „koloniale und diskriminierende Bilder“ in der Weihnachtsgeschichte sichtbar machen. Ermöglicht wurde das durch Mittel der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Seyran Ates, Gründerin einer liberalen Moschee und frühere Anwältin, hält das Angebot für absurd. „Im Grunde genommen bin ich wirklich sprachlos und weiß gar nicht mehr, mit welchen Worten wir die Entwicklung der letzten Jahre noch kommentieren sollen“, sagt sie im Interview mit WELT TV. Es gebe zahlreiche Einladungen zum Fastenbrechen, während des muslimischen Fastenmonats Ramadan werde traditionelle Beleuchtung angebracht, an anderer Stelle werde hingegen versucht, das Christentum zu „deinstallieren“. „Anders kann ich es nicht bezeichnen.“ „Die Geburt Jesu Christi wird verbunden mit Machtspielen“, sagte sie über den Versuch, Weihnachten zu „dekolonisieren“. „Ich habe wirklich sehr lange geguckt, ob ich da irgendeinen Zusammenhang sehe zwischen der Weihnachtsgeschichte und der Kolonialisierung“, sagte Ates. „Nein, das ist wirklich mehr als absurd.“ „Ich bin wirklich sehr erschrocken darüber, dass die Friedenskirche da mitwirkt. Ich weiß nicht, was das für einen Hintergrund hat, dass im christlichen Kontext an eigenen Traditionen so derart Kritik geübt wird, die meiner Ansicht nach doch Frieden und Liebe vermitteln“, kommentierte die Autorin. Zugleich erlebe man an Schulen in Deutschland, dass sogenannte Traditionen des Islams wie Geschlechtertrennung, Halal-Essen oder das Tragen eines Kopftuchs durchgesetzt würden, während parallel dazu „Menschen Weihnachten abschaffen“ wollen. Sie endete ihre Ausführungen mit den Worten: „Also jetzt habe ich so viel geredet und trotzdem bin ich sprachlos.“ Islamforscherin Susanne Schröter, emeritierte Professorin an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main, sagte bei WELT TV, es wäre nichts dagegen einzuwenden, diskriminierende Bräuche zu beleuchten. „Wir haben natürlich massiven Antisemitismus, nicht nur in der christlichen Geschichte, sondern auch in der muslimischen Geschichte. Wir haben momentan einen explodierenden Antisemitismus, der auch von muslimischen Bürgern mitgeprägt wird“, sagte sie. „Das alles wird nicht thematisiert.“