Welt 19.12.2025
09:46 Uhr

„Sie waren wie Geschwister“ – Denis Moschitto spricht über die Zwangsehe seiner Mutter


Die Eltern von Schauspieler Denis Moschitto kamen als Gastarbeiter ohne Sprachkenntnisse ins Land, um sich hier ein neues Leben aufzubauen. Vor allem seine Mutter hatte eine bewegte Geschichte, wie Moschitto nun berichtet.

„Sie waren wie Geschwister“ – Denis Moschitto spricht über die Zwangsehe seiner Mutter

Kurz vor seinem ersten Einsatz als Ermittler im „Tatort“ hat Schauspieler Denis Moschitto offen über die Zwangsehe seiner Mutter und deren Flucht aus der Türkei gesprochen. Seine Mutter sei als Teenager mit ihrem Cousin verheiratet worden, erzählte der 48-Jährige der „ Neuen Osnabrücker Zeitung (verlinkt auf https://www.noz.de/deutschland-welt/promi-show/artikel/es-faellt-schwer-denis-moschitto-spricht-ueber-tod-seiner-mutter-49534062) “. „Sie ist danach aus ihrem Dorf abgehauen und zuerst nach Istanbul gegangen. Da hat ihr damaliger Mann sie ausfindig gemacht.“ Zu dem Zeitpunkt sei sie 18 oder 19 Jahre alt gewesen. Dieser Cousin sei vom Alter her nicht weit von ihr entfernt gewesen. „Meine Mutter mochte den sogar sehr. Sie waren wie Geschwister. Sie wollte nur nicht mit ihm verheiratet sein. Er aber mit ihr. Und das war ein Konflikt.“ Der Cousin sei auch nicht gewalttätig gewesen, aber die Eltern hätten auf der Ehe bestanden, erzählt Moschitto weiter. Seine Mutter habe jedoch ein anderes Leben gewollt: eine junge Frau, die „die Welt sehen wollte“ – nicht ein Leben als Hausfrau in Ostanatolien. Einen Ausweg fand sie schließlich über das deutsche Gastarbeiter-Programm der 1960er-Jahre. In Istanbul habe die Deutsche Bahn angeworben, berichtete Moschitto. „Meine Mutter ist zur Anlaufstelle gerannt und hat gesagt: Ich will hier weg.“ So kam sie nach Köln, wo sie später Moschittos Vater aus Italien kennenlernte. Die Entscheidung, die Heimat zu verlassen, prägte das Familienleben dauerhaft. Seine Mutter habe sich später um Kontakt zu ihrer eigenen Mutter bemüht, erzählte der Schauspieler. Doch eine Aussprache sei nie mehr möglich gewesen; die Großmutter starb, bevor sie sich wiedergesehen hätten. „Ich weiß, dass meine Mutter lange ein schlechtes Gewissen hatte – einfach weil sie ihre Mutter nie mehr gesehen hat“, erinnerte sich Moschitto weiter. „Irgendwann kam von einer Cousine die Nachricht, dass sie gestorben ist. Da war meine Mutter am Boden zerstört.“ Zu anderen Verwandten in der Türkei bestehe heute wieder eine enge Beziehung – bei Reisen seien ihm „alle möglichen Leute als Onkel und Tanten vorgestellt worden“. Eltern haben sich „völlig neues Leben aufgebaut, ohne Sprache zu verstehen“ Die Zwänge, die zur Heirat führten, ordnet Moschitto als Ausdruck damaliger Lebenswirklichkeit ein: Auf dem Land sei es üblich gewesen, junge Frauen früh und innerhalb der Familie zu verheiraten. „Niemand hat sich was dabei gedacht.“ Mit Blick auf die Migrationserfahrung seiner Eltern, die Mutter ist inzwischen gestorben, äußerte Moschitto großen Respekt. Beide hätten „ein völlig neues Leben aufgebaut, ohne die Sprache zu verstehen“. Ihre Geschichte stehe stellvertretend für „eine ganze Generation von Gastarbeitern“, die ihre Heimat verließen, damit ihre Kinder – in seinem Fall er und seine Schwester – bessere Chancen bekommen.