Welt 22.01.2026
11:53 Uhr

„Sie haben das Leben meiner Frau zur Qual gemacht“ – Prinz Harry vor Gericht den Tränen nahe


Mit der Zeugenaussage von Prinz Harry hat der Prozess gegen den Boulevardzeitungsverlag ANL seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Der 41-Jährige argumentierte teils hochemotional und mit Verweis auf seine Frau Meghan.

„Sie haben das Leben meiner Frau zur Qual gemacht“ – Prinz Harry vor Gericht den Tränen nahe

Ein Prinz im Zeugenstand, und eine Aussage, die zur teils gefühlsbetonten Abrechnung wurde: Der Prozess von mehreren britischen Prominenten gegen den Boulevardzeitungsverlag ANL (u. a. „Daily Mail“, „Mail on Sunday“) hat am Mittwoch einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Im Verlauf seiner Befragung warf der 41-jährige Harry den britischen Boulevardmedien erneut vor, ihm, aber auch seiner Familie das Leben jahrelang „zur Qual“ gemacht zu haben. Das Vorgehen der von ihm verklagten Zeitungen sei „schrecklich“ gewesen, sagte Prinz Harry in dem von ihm und anderen Prominenten angestrengten Prozess in London. Zu den Klägern gehören neben Prinz Harry unter anderem Popstar Elton John und dessen Ehemann David Furnish sowie die Schauspielerinnen Elizabeth Hurley und Sadie Frost. Der jüngere Sohn von König Charles III. zeigte sich bei seiner Aussage vor dem High Court sehr bewegt und war teils sogar den Tränen nahe, wurde aber auch immer wieder vom Richter ermahnt, beim Thema zu bleiben und nicht abzuschweifen. Abrechnung in der Causa Meghan Bei genauerer Betrachtung verwundern die Ausführungen des Adeligen zunächst: Die aktuelle Klage bezieht sich auf 14 Zeitungsartikel, die zwischen 2001 und 2013 in der „Daily Mail“ oder der „Mail on Sunday“ erschienen sind, und für die das Medienhaus laut Harrys Ansicht illegal Informationen beschafft haben soll. Seine heutige Ehefrau Meghan hatte der zweitgeborene Sohn von König Charles aber erst im Juli 2016 kennengelernt, also deutlich nach Publikationsdatum. 2018 heiratete das Paar. Dennoch nutzte der Herzog den Gerichtsprozess erneut für eine Abrechnung in der Causa Meghan. „Sie haben das Leben meiner Frau zur Qual gemacht“, sagte Harry mit Blick auf die Zeitungen. Harry war im dunklen Anzug vor Gericht erschienen und leistete vor seiner Aussage einen Eid auf die Bibel. Unmittelbar zuvor hatte er auch eine schriftliche Aussage verbreiten lassen, in der er erneut an seine traumatischen Kindheitserlebnisse erinnerte: „Seit dem Tod meiner Mutter 1997, als ich zwölf Jahre alt war, und angesichts der Art und Weise, wie die Presse sie behandelte, hatte ich immer ein schwieriges Verhältnis zu den Medien.“ Als Mitglied der königlichen Familie habe er sich lange an deren Devise „Niemals beschweren, niemals erklären“ halten müssen, führte der 41-Jährige in dem 23 Seiten umfassenden Dokument weiter aus. Doch als seine Frau Meghan „bösartigen und anhaltenden Angriffen“ und teilweise „rassistischen“ Artikeln ausgesetzt gewesen sei, habe er sich zunehmend darüber geärgert, dass der Presse nicht Einhalt geboten wurde. Offenbar will der Herzog durch den wiederholten Verweis auf seine Ehefrau noch einmal sein Motiv für die Klage hervorheben. Er streite für Wahrheit und Gerechtigkeit, betont der Prinz Es gehe ihm mit seiner Klage aber auch um „Wahrheit und Gerechtigkeit“ – und das nicht nur für ihn selbst, erklärt Prinz Harry weiter. „Diese Klage hat natürlich auch eine persönliche Komponente, motiviert durch Wahrheit und Gerechtigkeit und Verantwortlichkeit, aber es geht nicht nur um mich“, führte der 41-Jährige in seiner schriftlichen Aussage weiter aus. (verlinkt auf https://www.digitaljournal.com/life/prince-harry-says-uk-tabloid-court-battle-in-publics-interest) „Es gibt auch eine soziale Komponente, die all die tausenden Menschen betrifft, deren Leben aufgrund von Gier zerstört wurde.“ In der Erklärung spitzte der Herzog seine Vorwürfe gegen das Medienhaus stellenweise sehr weit zu: Die „endlose Verfolgung“ durch die Berichterstattung der Mediengruppe ANL habe ihn nahezu in die „Paranoia“ getrieben, ihn „sozial isoliert“ und: „… mich wahrscheinlich dazu bringen wollten, zu Drogen und Alkohol zu greifen, um noch mehr von ihren Zeitungen zu verkaufen.“ Der Prinz und die übrigen Kläger werfen dem Verlag ANL unter anderem vor, Privatdetektive angeheuert zu haben, um Autos und Wohnungen zu verwanzen sowie illegal private Telefongespräche abzuhören. Zudem hätten die Detektive falsche Identitäten angegeben, um an medizinische Unterlagen zu gelangen. Die Taten sollen zwischen 1993 und 2018 begangen worden sein. Harry berichtete vor Gericht nun unter anderem davon, dass er durch die mittels illegal verschaffter Informationen entstandenen Zeitungsartikel den Verdacht gehabt habe, dass ihm nahestehende Personen Geschichten an die Presse weitergeben. Dies habe bei ihm ein ständiges Misstrauen geschaffen, das auch zum Bruch seiner Beziehung zu seiner damaligen Freundin Natalie Pinkham geführt habe. „Deshalb habe ich jahrelang nicht mit ihr gesprochen“, berichtete der Prinz. Meine Freunde haben nicht mit der Presse gesprochen, betont der Prinz Inzwischen, so der Herzog von Sussex weiter, glaube er aber, dass „die Artikel durch das Abhören unserer Gespräche, das Abfangen von Voicemails und/oder Identitätsdiebstahl entstanden sind.“ Gleichzeitig betonte Harry, dass er sich nicht vorstellen könne, dass Freunde oder Vertraute Informationen an die Presse durchgestochen haben könnten: „Mein soziales Umfeld war nicht undicht (im englischen Original: „leaky“), das möchte ich klarstellen.“ Harry geriet an einigen Stellen der Befragung auch unter Druck, etwa, als die Anwälte der Gegenseite darauf hinwiesen, dass der Herzog im besagten Zeitraum durchaus mit einigen Journalisten in persönlichem Kontakt gestanden hätte. Dies habe er nicht gern getan, stellte der Herzog darauf richtig, es sei aber von Mitgliedern des Königshauses erwartet worden, mit ausgewählten Pressevertretern Gespräche zu führen. Harry verneinte auch, dass er unter einem Facebook-Alias (konkret genannt wurde ein Account namens „Mr. Mischief“) direkten Kontakt zu einzelnen Medienvertreter aufgenommen habe. In dem Prozess gegen ANL soll noch im Januar auch Schauspielerin Elizabeth Hurley aussagen, im Februar werden die Zeugenaussagen von Elton John und David Furnish erwartet. Der Prozess soll voraussichtlich neun Wochen dauern. ANL weist alle Vorwürfe zurück. Prinz Harry und seine Frau Meghan hatten sich 2020 im Streit mit der britischen Königsfamilie von ihren royalen Pflichten zurückgezogen, sie leben mit ihren Kindern Archie und Lilibet in Meghans Heimat Kalifornien. Seither hält sich Harry nur noch selten in Großbritannien auf.