Welt 06.01.2026
17:23 Uhr

Senat prüft Salz-Lockerung – CDU attackiert Rot-Grün wegen Räumproblemen


Hamburg kämpft mit dem heftigsten Winter seit Jahren. Die Stadtreinigung fährt im Dauereinsatz, dennoch bleiben viele Wege glatt. Der Senat denkt erstmals über eine Salz-Lockerung nach – und die CDU wirft Rot-Grün komplettes Versagen vor.

Senat prüft Salz-Lockerung – CDU attackiert Rot-Grün wegen Räumproblemen
Für drei Tage trifft sich die Bundestagsfraktion der CSU im Kloster Seeon in Oberbayern. Bei ihrer Winterklausur wird auch Bundeskanzler Friedrich Merz vorbeischauen. (Foto: Christine Uyanik/REUTERS)

Hamburg erlebt derzeit die härteste Winterwoche seit mehr als 15 Jahren – und erstmals prüft der Senat angesichts der extremen Lage eine mögliche Lockerung des Salzverbots auf Geh- und Radwegen. Denn trotz permanentem Dauereinsatz der Stadtreinigung stoßen die Teams an klare Grenzen. „Hamburg präsentiert sich in diesen Tagen so winterlich wie schon sehr lange nicht mehr“, sagte die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne). Rund 20 Zentimeter Schnee, dazu schnelle Wechsel zwischen Tauwetter und strengem Frost, sorgen dafür, dass Verkehrswege binnen Stunden wieder vereisen. Um die Hauptachsen offen zu halten, habe die Stadtreinigung „seit Neujahr im Dauereinsatz“ gestanden. An sechs Tagen hintereinander sei ein Volleinsatz gefahren worden – eine Seltenheit, die Fegebank ausdrücklich hervorhob. Die neue Stadtreinigungschefin Daniela Enslein beschrieb das operative Ausmaß: „Sechs Volleinsätze in Folge – das hat es die letzten Jahre überhaupt nicht gegeben.“ Pro Einsatz seien 730 Mitarbeitende und 360 Fahrzeuge unterwegs, konzentriert auf Hauptverkehrsstraßen, Buslinien, Brücken, Gefällestrecken und ausgewählte Radwege. Trotz dieser Kräfte bleibe klar: Eine flächendeckende Räumung sei unmöglich. Hohe Schneewälle, glatte Nebenstraßen und zugeschobene Radwege ließen sich nicht vermeiden. Genau deshalb steht nun ein Punkt zur Debatte, der in Hamburg seit Jahren tabu ist: Salz auf Geh- und Radwegen. Fegebank sagte: „Wir prüfen sehr ernsthaft, die Nebenflächen vom Salzverbot zu befreien.“ Hintergrund ist die extreme Glätte, die durch die Frost‑Tau‑Wechsel entsteht und die insbesondere Radwege zur Rutschbahn macht. Gleichzeitig warnte die Senatorin vor ökologischen Risiken. Salz könne im Sommer ganze Baumreihen schädigen: „Man kann sich genau angucken, was mit den Bäumen passiert, wenn sie unter Stress kommen.“ Auch bei der Stadtreinigung werden alternative Streumittel getestet, darunter Sole und das aus Ameisensäure gewonnene Formiat sowie Granulate, die Tauwasser aufsaugen. Die Tests liefen an ausgewählten Abschnitten, doch eine kurzfristige flächige Lösung könne es nicht geben. Während die Stadt nach technischen Antworten sucht, verweist Fegebank zudem auf die Verantwortung der Anlieger. Viele aktuelle Beschwerden beträfen ungeräumte Gehwege, dabei sei die Zuständigkeit eindeutig geregelt: „Die Stadtreinigung macht die Hauptverkehrsstraßen, Eigentümerinnen und Eigentümer machen den Gehweg.“ Wegwarte kontrollierten inzwischen alle Bezirke, setzen aber vorerst auf Gespräche statt Bußgelder. Geräumte Wege seien, so Fegebank, „gelebte Solidarität“. Genau an diesem Punkt setzt die CDU mit scharfer Kritik an. CDU‑Fraktionschef Dennis Thering warf SPD und Grünen vor, den Winterdienst unzureichend vorbereitet zu haben. „Seit fünf Tagen liegt jetzt Schnee in Hamburg und die Stadt bekommt die Räumung einfach nicht hin“, erklärte er. Viele Straßen, Geh- und Radwege in städtischer Verantwortung seien „noch immer nicht geräumt“, besonders vor Schulen und Haltestellen sei es weiterhin „spiegelglatt“. Das gefährde Menschen und habe bereits zu zahlreichen Verletzungen geführt. Thering sprach von einem Versagen des Senats: „Es ist wirklich peinlich, dass Hamburg diese Lage anders als andere Städte nicht in den Griff bekommt.“ Der Appell an Privatpersonen sei unglaubwürdig, solange der Senat selbst nicht liefere. So unvorbereitet dürfe die Stadt „in keinen Winter mehr gehen“. Die CDU fordert, „die Kräfte bei der Stadtreinigung zügig zu verstärken und weitere Räumfahrzeuge einzusetzen“. Hinzu kommen weitere Gefahren abseits der Verkehrswege. Bäume knicken unter der Schneelast, Parks sollten gemieden werden, der Friedhof Altona wurde geschlossen. Auch Dachlawinen bedrohen vor allem in dicht bebauten Stadtteilen die Gesundheit von Passanten. Besonders deutlich wurde Fegebank beim Thema Eisflächen: „Das Eis ist verdammt dünn und brüchig. Absolute Lebensgefahr.“ Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. Die Temperaturen bleiben niedrig, Donnerstag wechseln sie möglicherweise an der gefährlichen Grenze knapp über und unter null Grad. Am Freitag zieht zudem ein heftiger Sturm über Norddeutschland auf, der bis zu 20 Zentimeter in kurzer Zeit bringen könnte. Fegebank richtet den Blick dennoch auf Gemeinschaftssinn: „Wenn wir da alle zusammenhalten, ist Hamburg besonders stark.“