Welt 08.02.2026
15:10 Uhr

„Sehr befremdlich“ – Empörung nach Video zu Online-Kirchenaustritt in Kiel


Eigentlich wollte die Stadt Kiel nur die Vorzüge ihrer Online-Angebote preisen. Doch das ging gründlich schief. Denn als Beispiel wurde ausgerechnet ein besonders einfacher Austritt aus der Kirche vorgestellt.

„Sehr befremdlich“ – Empörung nach Video zu Online-Kirchenaustritt in Kiel

E in Versuch der Stadt Kiel, Bürokratieabbau für die Bürger plastisch darzustellen, hat eine Welle der Kritik ausgelöst. Das war passiert: Die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt hatte in einem – inzwischen wieder gelöschten – launigen Instagram-Video auf Möglichkeiten hingewiesen, was die Bevölkerung inzwischen nicht alles online mit der Verwaltung klären könne. Als Beispiel ausgesucht hatte man sich ausgerechnet das Thema Kirchenaustritte. Die Empörung vor allem der Kirchen ließ nicht lange auf sich warten. „Es ist sehr befremdlich, dass eine Verwaltung öffentlich den Kirchenaustritt bewirbt“, sagte die Leiterin des katholischen Büros Schleswig-Holstein im Erzbistum Hamburg, Beate Bäumer, den „Kieler Nachrichten“. Diese einseitige Parteinahme hätte sie von der Stadt Kiel nicht erwartet. Im Gespräch mit „Bild“ (verlinkt auf https://www.bild.de/politik/inland/kirchen-entsetzt-kiel-wirbt-mit-spass-video-fuer-kirchenaustritt-6985dd121ec9885e0fe6604c) wies Bäumer zudem darauf hin, dass der Service „vermutlich rechtswidrig“ sei. Ein Online-Kirchenaustritt sei in Schleswig-Holstein nämlich nicht möglich. „Das Gesetz sieht klar vor, dass der Austritt gegenüber dem Standesamt zu erklären ist“ – persönlich. Auch die Nordkirche erwartet deshalb, „dass die Stadt Kiel das beworbene Verfahren sofort einstellt“. „Das mache ich“, sagt sie und reckt den Daumen nach oben Auch die Protestanten zeigten sich wenig erfreut. Ein Austritt aus der Kirche sei „kein neutraler Vorgang wie eine Ummeldung oder ein neuer Personalausweis, sondern berührt sehr persönliche Fragen von Glauben, Zugehörigkeit und Lebensgeschichte“, sagte der Landeskirchliche Beauftragte der Nordkirche beim Land, Pastor Wilko Teifke, den „Kieler Nachrichten“ (verlinkt auf https://www.kn-online.de/) . Da erwarte er mehr Sensibilität. Auf dem Video ist zu sehen, wie eine junge Frau in einem Standesamt darauf wartet, zu ihrem Termin aufgerufen zu werden. Denn sie möchte aus der Kirche austreten. Stattdessen erfährt sie jedoch bei einem Online-Gespräch mit einer anderen Frau, dass sie das jetzt auch ganz einfach und bis hin zur Beurkundung digital machen könne. Ihre Antwort: „Das mache ich“, sagt sie und reckt den Daumen nach oben. Inzwischen ist das Video bei Instagram wieder verschwunden. Es sei gelöscht worden, „um weitere Irritationen zu vermeiden“, sagte eine Sprecherin der Stadt der „Bild“-Zeitung. Es sei nie die Absicht gewesen, Werbung für Kirchenaustritte zu machen. „Ziel des Beitrags war es vielmehr, neue Online-Dienste vorzustellen.“ Anders als etwa das An- und Ummelden des Wohnsitzes oder eines Autos, gelten für Kirchenaustritte spezielle Vorschriften, die möglicherweise online gar nicht erfüllt werden können. Der Wille zum Kirchenaustritt laut Gesetz mündlich zur Niederschrift wie schon erwähnt gegenüber dem Standesamt oder auch schriftlich mittels öffentlicher Beglaubigung gegenüber einem Notar erklärt werden. Ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Innenministeriums sagte der Deutschen Presse-Agentur, das Ministerium nehme den Fall zum Anlass, um sich das Verfahren der Stadt Kiel näher erläutern zu lassen, um es anschließend bewerten zu können.