Welt 22.11.2025
17:13 Uhr

„Schmidts Winterglitzer“ mit Emmi & Willnowsky


Die Premiere „Schmidts Winterglitzer“ fand ihr Pendant in angemessenem Frostglitzer vor der Tür des Schmidt Theater. Drinnen sorgte neben dem legendären Komiker-Duo „Emmi & Willnowsky“ mit ihrem seit 29 Jahren anhaltenden Ehekrach auch Sänger Terrél Woodbury mit heißen Hits von „Purple Rain“ bis „Papa was a Rolling Stone“ für Stimmung. Drei Akrobaten rundeten den wenig besinnlichen Abend ab.

„Schmidts Winterglitzer“ mit Emmi & Willnowsky

Die Show „Schmidts Winterglitzer“ sorgt jedes Jahr mit einem neuen Programm für Ablenkung von der allgemeinen Jahresendzeitstimmung. Die aktuelle Ausgabe wird erfreulicherweise von zwei jung gebliebenen Veteranen der Unterhaltungskunst gestaltet und moderiert. Kammersängerin Emmi und ihr Gatte, die russische Tastenfachkraft Willnowsky, setzen ihren seit 29 Jahren andauernden Ehekrach mit einem weiteren Kapitel fort. Froh und munter würdigen beide in ihren Liedern und Sketchen aber nicht nur ihre innige Hassliebe und wechselseitige Geringschätzung, sondern auch andere allgemein bedenkliche Phänomene wie die anziehende Teuerung – in ihrem traditionellen Discouter-Song. Politisch unkorrekt, sonst auch Beide nehmen kein Blatt vor den Mund, außer um davon abzulesen, und sind in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht durch politische Korrektheit aufgefallen. Erstaunlich, dass ihnen immer noch neue Witze einfallen („Was kommt dabei raus, wenn man einen Polen mit einem Pinneberger kreuzt? Einen Autodieb, der nicht Auto fahren kann“) oder, zweite These, ihr Publikum sie bis zum nächsten Wiedersehen vergessen hat. Willnowsky haut die Scherze in dieser Güteklasse im Dutzend nebenbei raus, während Emmi sich mit „gut aussehenden, nicht vergebenen Männern unter 30 Jahren“ im Publikum unterhält. Beide beweisen zudem bei der Wahl ihrer Kleidung Geschmack, tragen sie doch schwarz, rot und golden glitzernde Festtagskleider. Ihre Lieder, häufig neue Texte zu bekannten Melodien, sind ganz entzückend, wen oder was sie auch immer zum Gegenstand haben oder aufs Korn nehmen. Der Einstiegs- wie der Ausstiegssong zu „Winterglitzer“ wirken allerdings mit ihrem Worthülsensalat arg unabsichtlich neben der Tonspur, da ließe sich nachbessern. Herrlich ist hingegen das kleine Krippenspiel, das die beiden spontan aufführen, denn Willnowsky hat es gerade erste geschrieben. Emmi liest und spielt die Rolle des Jesusbabys vom Blatt, während Willnowsky alle anderen Rollen verkörpert, in dieser Version handelt es sich um Joseph, Maria und die Drei heiligen Könige. Ochs und Esel kommen ebenso wenig zu Wort wie Engel, Hirten auf dem Felde oder ausgebuchte Gastwirte. Stimmung mit Terrél Woodbury und Muskelpaket Gill Ausnahmslos schön singt bei mehreren Auftritten Terrél Woodbury bekannte Hits aus dem 20. Jahrhundert, gern mit dem Publikum zusammen, das auch immer wieder mal mitklatschen darf. Die drei Artisten, die jedem Zirkus zur Ehre gereichten, sind Sara Twister, Angie McIlroy-Wagar aus Kanada und James Gill aus Schottland. Unter dem Schottenrock trägt Gill übrigens Muskeln, wie sich zeigt, als er ihn schließlich ablegt. Das ist nicht weiter überraschend, denn Gill besteht praktisch aus Muskeln. Twister kann unheimlich gut Bogenschießen, zum Beispiel im Kopfstand mit den Füßen rückwärts. Und Angie McIlroy-Wagar bringt neben einer Ballon-Nummer, in deren Verlauf sie den Ballon durchlebt, eine Luftnummer mit, in der sie erstaunliche Kraft und Eleganz vereint. Auch Gill kann sich an Strapazen locker in die Höhe schrauben, da er, wie gesagt. „Schmidts Winterglitzer“ im Schmidt Theater, Termine bis 17. Januar 2026