Welt 05.12.2025
11:23 Uhr

„Retten Sie mich und meine Kinder!“ – Hilferuf einer Frau aus der Herrscherfamilie in Dubai


Dubai gilt als Traum-Metropole für Influencer. Doch nun veröffentlicht eine Frau, die mit einem Mitglied der Herrscherfamilie verheiratet war, ein erschreckendes Video im Netz.

„Retten Sie mich und meine Kinder!“ – Hilferuf einer Frau aus der Herrscherfamilie in Dubai

Nach außen präsentieren sich die Vereinigten Arabischen Emirate als modernes Land. Doch hinter den Kulissen herrschen weiterhin archaische Strukturen, insbesondere beim Umgang mit Frauen. Das zeigt der Fall der früheren Profisportlerin Zeynab Javadli. Sie hat mit dramatischen Videos einen jahrelangen Sorgerechtsstreit innerhalb der Herrscherfamilie von Dubai öffentlich gemacht. Am 8. November postete die 34-Jährige auf Instagram einen Clip, der noch heute abrufbar ist: Javadli sitzt auf dem Vordersitz eines Autos, hinter ihr ihre drei Töchter im Alter von sechs, sieben und neun Jahren – und sie wimmern. „Helfen Sie meinen Kindern“, ruft sie ihren 15.000 Followern zu, mehrfach schreit sie: „Retten Sie mich und meine Kinder!“ Seitdem hat man von ihr nichts mehr gehört. Die Aufnahmen markieren einen neuen Höhepunkt in einem offenbar seit Jahren schwelenden Sorgerechtsstreit, wie die britische BBC berichtet (verlinkt auf https://www.bbc.com/news/articles/cj01j710rmmo) . Javadli gewann einst für Aserbaidschan in der Disziplin der Rhythmischen Sportgymnastik Medaillen. 2015 wurde sie die Drittfrau von Saeed Al Maktoum, einem Neffen des Herrschers. 2019 trennte sich das Paar, Javadli zog danach mit ihren Töchtern und ihren Eltern in eine separate Villa. Doch mit der Scheidung endeten die Konflikte offenbar nicht. In dem Video behauptet Javadli, ihr Ex-Mann, der mit seinen beiden anderen Frauen noch weitere elf Kinder hat, habe ihre Töchter „gekidnappt“. Vierzig Tage habe sie die Kinder nicht gesehen. Kurz darauf veröffentlicht sie einen zweiten Clip: Sie sei wieder zu Hause, die Mädchen seien bei ihr – mehr wisse sie nicht. Sie bete, in Frieden mit ihnen leben zu dürfen. Laut Javadlis Anwalt David Haigh, einem britischen Menschenrechtsjuristen, sind die Videos entstanden, nachdem die Kinder überraschend doch beim Vater statt – wie bislang – bei der Mutter wohnen sollten. Denn nach der Trennung war Saeed Al Maktoum das Sorgerecht zugesprochen worden – wie üblich in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auf seiner Internetseite (verlinkt auf https://haighjustice.com/by-men-linked-to-her-husband/) behauptet Haigh zudem unter Berufung auf Javadlis Aussagen, dass sie durch den Manager von Saeed Al Maktoum monatelang körperlichen wie psychischen Missbrauch erlebt habe. Unter anderem habe man versucht, Javadlis Kommunikation mit der Außenwelt zu unterbinden und ihr das Handy weggenommen, auf dem sich Beweise für ihre Vorwürfe befanden. Als es deshalb zur Aussprache kommen sollte, habe Javadli die Kinder jedoch einfach ins Auto gepackt. „Vierzig Tage lang wusste sie nicht, wo ihre Töchter sind“, zitiert der „ Spiegel (verlinkt auf https://www.spiegel.de/ausland/sorgerechtsstreit-im-herrscherhaus-von-dubai-retten-sie-mich-und-meine-kinder-a-b0e0e1bf-1c93-4d34-9d87-cf9d59adb452) “ Anwalt Haigh. Mit der Ansage, dass die Kinder nun doch bei ihm leben sollten, sei es Al Maktoum nicht um das Wohl der Mädchen gegangen, sondern um „Kontrolle über seine ehemalige Frau“. Dass der Streit eskalieren würde, deutete sich bereits im Mai an, als Javadli postete: „Hinter jedem lächelnden Foto verbergen sich stille Kämpfe im Verborgenen. Ich werde mich weiterhin jeder Herausforderung mit Würde und Stärke stellen, nicht weil es leicht ist, sondern weil ich keine andere Wahl habe. Ich bin Mutter – und allein das gibt mir den Grund, weiterzumachen.“ Der Konflikt wirft erneut ein Schlaglicht auf das System der Vereinigten Arabischen Emirate, in dem Frauen aus dem Umfeld des Herrscherhauses immer wieder nur den öffentlichen Hilferuf als letzten Ausweg sehen. Denn Javadli ist nicht die Erste, die im Internet um Unterstützung fleht. Bereits 2000 wurde Shamsa Bint Mohammed Al Maktoum, Tochter des Emirs von Dubai, aus Großbritannien zurück in die Emirate verschleppt. Ein Londoner Gericht sah später den Herrscher dafür verantwortlich. 2018 versuchte Shamsas Schwester Latifa zu fliehen; sie wurde auf hoher See gestoppt und zurückgebracht. Helfer starteten daraufhin eine Kampagne, um herauszufinden, wo sich Latifa aufhält. 2021 tauchte ein Video auf, in dem die junge Frau berichtet, sie werde in einer Villa festgehalten. Auch Prinzessin Haya, eine Ex-Frau des Emirs (verlinkt auf https://www.welt.de/iconist/partnerschaft/article234293914/Dubai-Scheich-Mohammed-bin-Rashid-al-Maktoum-bedrohte-Ex-Frau-Haya.html) , flüchtete 2019 nach Großbritannien und gewann dort den Sorgerechtsstreit um ihre Kinder. Während der Gerichtsverhandlung kam heraus, dass der Herrscher Hackersoftware einsetzte, um seine Ex-Frau auszuspionieren. In der Öffentlichkeit – vor allem in der Influencer-Szene – möchte sich Dubai jedoch als sonnendurchflutetes Lifestyle-Paradies präsentieren. Frauen dürfen wählen und hohe Ämter bekleiden. Tatsächlich aber sind sie rechtlich oft benachteiligt – insbesondere dann, wenn ihre Gegner Männer aus dem Herrscherhaus sind. „Frauen und ihre Kinder werden in Dubai nicht wie Menschen behandelt, sondern wie persönlicher Besitz“, sagte Haigh, der mehrere Frauen aus dem Umfeld der Herrscherfamilie rechtlich vertreten hat und behauptet, auch selbst in Dubai festgenommen, gefoltert und missbraucht (verlinkt auf https://www.theguardian.com/football/2016/apr/07/david-haigh-claims-tortured-dubai-prison-leeds-united) worden zu sein. Saeed Al Maktoum hat seine Ex-Frau angezeigt. Die Kinder einfach mitzunehmen und dem Vater vorzuenthalten, verstößt gegen das Recht in Dubai; Javadli könnte also jederzeit festgenommen werden. Aus „Liebe zu ihren Kindern“ habe sich die 29-Jährige deshalb auf einen Deal mit dem Herrscher eingelassen, berichtet Haigh: Offiziell bleibt das Sorgerecht beim Vater, inoffiziell durften die Mädchen weiter bei ihrer Mutter leben. Voraussetzung: Javadli sollte öffentlich schweigen und den Streit nicht mehr thematisieren. Auf Anfragen von Medien reagierten bislang weder Behörden in Dubai, noch Saeed Al Maktoum selbst.