Welt 30.12.2025
15:48 Uhr

„Reichinnek füllt Lücke, die Habeck und Baerbock hinterlassen haben“, sagt Böhmermann


In einem WDR-Gespräch lobt ZDF-Satiriker Böhmermann die Performance von Linke-Politikerin Reichinnek. Weniger wohlwollend blickt er auf die Social-Media-Posts von Annalena Baerbock. Ein besonders Urteil fällt er über Elon Musk.

„Reichinnek füllt Lücke, die Habeck und Baerbock hinterlassen haben“, sagt Böhmermann

Jan Böhmermann bewertet das politische Jahr 2025. In dem Audio-Format „WDR 5 Satire Deluxe“ (verlinkt auf https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:88286438f7d8d6e2/) von Axel Naumer und Henning Bornemann blickte der ZDF-Satiriker auf Elon Musk und die Entwicklung der Plattform X, Rechtsstreitigkeiten mit AfD-Politiker Maximilian Krah, Brasilien als politisches Vorbild und Linke-Politikerin Heidi Reichinnek zurück. Inhaltlich sei er zur Überparteilichkeit verpflichtet, behauptete der Moderator, doch er fand Lob für die Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion. Reichinnek gehöre zu den „wenigen, die politisch so kommunizieren können, dass die Leute, die sie wählen sollen, das auch mitbekommen“, hob er hervor. „Ich finde sie kommunikativ interessant und sie füllt eine Lücke, die Robert Habeck und Annalena Baerbock hinterlassen haben. Und es ist noch ein bisschen cleverer und noch ein bisschen zugänglicher.“ Zugleich kritisierte er Baerbock, die sich in ihrer Carrie-Bradshaw-Phase befinde und sich für ihre Instagram-Videos im Stil von „Sex and the City“ rechtfertigen müsse (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6936310911f914c89b85627a/annalena-baerbock-ich-bin-definitiv-generation-sex-and-the-city-ex-aussenministerin-spricht-ueber-ihre-groesste-liebe.html) . „Das ist eine ganz andere Kategorie von unangenehm“, bemängelte Böhmermann. „Würde mir wünschen, dass sie politisch auffällt und nicht mit sowas.“ In Opposition trat Böhmermann auch zum neuen Wehrdienstgesetz, wobei er sich im Besonderen an der verpflichtenden Musterung (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6932a715074aff6076810035/bundeswehr-pflicht-zur-musterung-fuer-junge-maenner-bundestag-beschliesst-neues-wehrdienstgesetz.html) für alle 18-Jährigen männlichen Staatsbürger störte. „Moment mal, das ist doch nicht richtig. Was ist denn das? Ich finde das ganz bizarr und befremdlich, dass diese Gespräche wieder losgehen“, beanstandete er, „und ich wundere mich ehrlich gesagt, dass so wenig Gegenwehr von den jungen Leuten kommt, die das betrifft.“ Im Vergleich zu den gesetzlichen Auswirkungen seien die bisherigen Streiks marginal ausgefallen. Glücklicherweise sei es nach wie vor möglich, den Dienst zu verweigern. „Ich freue mich schon wieder auf diese windelweichen, weinerlichen, zusammengelogenen Texte, warum man 48 Stunden bei ‚Fortnite‘ (verlinkt auf https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/video197643037/Spieleexperte-erklaert-die-Faszination-hinter-Fortnite.html) abhängen kann, aber nicht in der Lage ist, jemanden echt totzuschießen.“ „So muss man mit Leuten umgehen, die einen herumschubsen“ Ein noch härteres Urteil fällte Böhmermann über den Unternehmer Elon Musk. „Wann wird es eigentlich so weit sein, dass wir mal sagen, was ist?“, fragte er rhetorisch in puncto des Tesla-CEOs. „Das ist ein Rechtsextremist, der wirklich den Hitlergruß vor Rechtsextremisten zeigt. Wann ist es passiert, dass wir das einfach so hinnehmen?“ Seitdem der Milliardär den Mikroblogging-Dienst Twitter übernommen und in X umbenannt habe, habe sich die Plattform zu einer „absoluten Nazi-Kneipe“ entwickelt. „Da abzuhängen, ist wirklich das Allerletzte. Ich weiß gar nicht, warum da die Bundesregierung noch ist.“ Als positives Gegenbeispiel hob Böhmermann Brasilien hervor. Es sei interessant, dass ein Staat, auf den die westliche Welt gelegentlich herabblicke, es schaffe, „einigermaßen konsequent gegen den aus Amerika kommenden Wahnsinn vorzugehen“. Die dortige Justiz habe sowohl Elon Musk die Grenzen aufgezeigt als auch „die Aufrührer in den eigenen Reihen“ belangt und eingesperrt, erklärte er mit Blick auf die Verurteilung des ehemaligen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6925f7bbf60b758bebd5779c/brasiliens-ex-praesident-bolsonaro-muss-27-jahre-haft-antreten-fluchtverdacht-nach-beschaedigter-fussfessel.html) . „So muss man doch mit den Leuten umgehen, die einen herumschubsen auf dem Schulhof.“ Hinsichtlich der Vereinigten Staaten unter Donald Trump warnte Böhmermann davor, dass hierzulande dieselben Mechanismen verzögert abliefen. „Auch bei uns passieren Dinge, die wir einfach so hinnehmen“, mahnte er an. Den Menschen sei aber unklar, wie und zu welchem Zeitpunkt sie auf die Entwicklung reagieren sollten. „Wir müssen die Demokratie retten“, heiße es zumeist, ohne konkret zu benennen, was das eigentlich bedeute. „Das ist kein Satz, den man fürs nächste Jahr noch irgendwie ernst nehmen sollte.“