Welt 15.10.2026
18:28 Uhr

„Rechtsextremer Lügenquatsch“ – Jan Böhmermann wehrt sich gegen Vorwürfe


Ein Simson-Sketch von ZDF-Moderator Jan Böhmermann löst weiter Streit aus. Der Satiriker nennt die Vorwürfe einer Gewaltfantasie gegen AfD-Politiker Ulrich Siegmund eine rechte „Hass-und-Hetzkampagne“.

„Rechtsextremer Lügenquatsch“ – Jan Böhmermann wehrt sich gegen Vorwürfe

Jan Böhmermann setzt sich gegen Kritik zur Wehr. In den vergangenen Tagen hatte ein Sketch – ein sogenannter Cold Opener –, mit dem er die aktuelle Staffel seines „ZDF Magazin Royales“ am 2. Oktober 2026 eingeleitet hatte, für Empörung gesorgt. Darin fährt der Satiriker auf einer blauen Simson-Schwalbe, bis er von einem Lkw überfahren wird. Aufgrund der physiognomischen Ähnlichkeit Böhmermanns mit dem AfD-Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, sowie dessen Einsatz des Kleinkraftrads im zurückliegenden Wahlkampf, wurde dem Satiriker vorgeworfen, mit dem Einspieler eine Tötungsfantasie umzusetzen. Insbesondere AfD-Politiker und deren mediales Vorfeld griffen den Sketch auf. In mehreren Posts auf der Social-Media-Plattform Bluesky sowie in Instagram-Stories zeigt sich der ZDF-Moderator seinerseits entrüstet. Es laufe „in rechtsextremen ‚Alternativmedien‘ mal wieder eine neue Anti-Böhmermann-Hass-und-Hetzkampagne“, beklagt er darin. „Als Verhetzungsgrundlage dient dieses Mal ein zwei Wochen alter Slapstick-Sketch.“ Exemplarisch greift Böhmermann den „Kölner Stadt-Anzeiger“ heraus, der von besagten Alternativmedien „ohne zu recherchieren alles“ abschreibe. „Nix ‚jüngste Show‘, alles altes Material – jetzt einfach nur politisch motiviert für eine Kampagne ausgeschlachtet. Und auch die von den Rechtsextremen draufgezimmerten angeblichen Bezüge und Interpretationen macht sich die Redaktion des Kölner Stadt-Anzeigers unkritisch zu eigen.“ Tatsächlich hat die regionale Tageszeitung ihren Beitrag um den Hinweis ergänzt (verlinkt auf https://www.ksta.de/kultur-medien/empoerung-ueber-jan-boehmermann-moralisch-voellig-enthemmt-1-1395745) , dass es in einer früheren Version geheißen habe, die Szene entstamme der „jüngsten Ausgabe“ des „ZDF Magazin Royales“. Die rechtskonservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“ schlug gar eine Brücke vom fiktionalen Unfall im Satire-Format zu realen Todesfällen im Straßenverkehr. So seien am 7. Oktober vier Jugendliche bei Biesenthal (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article6ac9ee2d61b3d4c01d3e1e51/biesenthal-tod-von-jungen-mopedfahrern-schon-mehr-als-320-000-euro-an-spenden-fuer-die-angehoerigen.html) in Brandenburg gestorben. „Mit Böhmermann hat dieses Unglück nichts zu tun, und niemand sollte das eine gegen das andere aufrechnen. Aber der Bürgermeister erzählte danach, wie viele junge Leute aus den Dörfern die Simson wiederentdeckt hätten“, schrieb Autor Jan A. Karon darin. Wenn Menschen überfahren würden, sei dies ein Grund, zusammenzuzucken, statt das Unglück für „Anti-AfD-Humor“ zu verwenden. Ebenso wie Böhmermann in seinen Posts verwies Medienjournalist Stefan Niggemeier auf die zeitliche Abfolge der Ereignisse. Die „Junge Freiheit“ finde, „Jan Böhmermann hätte in seiner Sendung vom 2. Oktober auch schon deshalb keinen Simson-Unfall-Witz machen sollen, weil fünf Tage später (!) mehrere Jugendliche auf ihren Mopeds überfahren wurden“, bemängelte der Gründer des Portals „Übermedien“. Böhmermanns Komiker-Kollege Aurel Mertz nahm den Sketch unterdessen in einem Instagram-Video in Schutz. „Jetzt regen sich die Wokisten von rechts natürlich wieder auf“, erklärte der Schauspieler, obwohl Elon Musk „Legalize Comedy“ gefordert hatte. „Das Einzige, wovor die woke Rechte doch noch mehr Angst hat als vor einem guten Witz, sind bezahlbare Mieten, Feminismus, faire Löhne.“ Für weitere Aufregung sorgt der Clip hingegen in den Reihen der AfD. „Es sind die Linken, die in Deutschland Hass schüren und zum politischen Mord anstacheln. Es ist das ZDF mit unseren Zwangsgebühren, das mit seinem ‚Bildungsauftrag‘ die Plattform für diese widerwärtigen Gewaltfantasien bietet“, rügte die Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch auf der Plattform X (verlinkt auf https://x.com/Beatrix_vStorch/status/2110309115473887733) und schloss mit der Forderung: „ZDF-Chef Himmler, treten Sie zurück!“ Martin Reichardt, Vorsitzender des AfD-Landesverbands Sachsen-Anhalt, urteilte in einem Video: „Böhmermann und seine charakterlich verfaulten Schergen lassen endlich restlos alle Masken fallen. Alle Primitivität, alle Dummheit und alle charakterlose Asozialität werden hier herausgelassen.“ Der Rundfunkbeitrag müsse abgeschafft werden, „damit solche Typen wie Böhmermann in Deutschland keine Chance mehr haben“. Böhmermann schloss derweil seinen medialen Rundumschlag in einem weiteren Post ab. „Eines Tages kommt hoffentlich jemand bei Spiegel, Zeit, SZ oder FAZ darauf, dass es die Kernstrategie rechtsextremer Alternativmedien ist, rechtsextremen Lügenquatsch im Internet zu verbreiten, so Empörung zu schüren und darauf zu setzen, dass ‚normale Medien‘ alles einfach unkritisch abschreiben.“